Brüssel zahlt pro Flücht­ling

Neu­er Vor­schlag für ei­ne eu­ro­päi­sche Quo­ten­re­ge­lung – Ent­schei­dung bis Ju­ni?

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Wer Flücht­lin­ge auf­nimmt und in­te­griert, wird be­lohnt. Die­ser Grund­satz soll künf­tig für den Um­gang mit Hil­fe­su­chen­den in den EU-Mit­glied­staa­ten gel­ten.

Von Det­lef Dre­wes

Nach wo­chen­lan­gen Be­ra­tun­gen will die Re­gie­rung von Mal­ta, die der­zeit den halb­jähr­lich wech­seln­den Vor­sitz in der EU in­ne­hat, die fest­ge­fah­re­ne Dis­kus­si­on um ei­ne Quo­ten­re­ge­lung für Flücht­lin­ge vor­an­brin­gen. „Die So­li­da­ri­täts­kom­po­nen­te bei der Re­form des Du­blin-Sys­tems“lau­tet der Ti­tel des Pa­piers, das jetzt vor­ab be­kannt wur­de.

Dass die EU über fi­nan­zi­el­le An­rei­ze zur Auf­nah­me von Flücht­lin­gen nach­denkt, ist nicht neu. Nun aber gibt es erst­mals Zah­len. Dem­nach könn­te ein Land, das sei­ne Auf­nah­me­quo­te er­füllt, in­ner­halb von fünf Jah­ren mit rund 60 000 Eu­ro pro Zu­wan­de­rer aus der Ge­mein­schafts­kas­se rech­nen. Al­ler­dings soll

die­se Re­ge­lung auch um­ge­kehrt gel­ten: Wer we­ni­ger Mi­gran­ten ins Land lässt, muss den ent­spre­chen­den Be­trag an Brüssel über­wei­sen.

Die EU-Kom­mis­si­on hat­te ent­spre­chen­de Quo­ten be­reits vor zwei Jah­ren aus di­ver­sen Fak­to­ren er­rech­net. Da­bei wur­den die Grö­ße ei­nes Lan­des, sei­ne Be­völ­ke­rungs­zahl, die wirt­schaft­li­che Stär­ke so­wie Vor­leis­tun­gen be­rück­sich­tigt: Deutsch­land müss­te dem­nach 18,4

Pro­zent der in ei­nem Jahr an­kom­men­den Zu­wan­de­rer auf­neh­men, Frank­reich 14,2, Ita­li­en 11,8, Po­len 5,6 und Tsche­chi­en 3,0 Pro­zent.

Für die Bun­des­re­pu­blik er­gä­be dies kei­ne Än­de­rung, da das Soll längst über­er­füllt ist. Da­ge­gen hin­ken an­de­re Staa­ten – die­se Zah­len zu­grun­de ge­legt – ih­ren Ver­pflich­tun­gen weit hin­ter­her. So hat Tsche­chi­en von 2600 Hil­fe­su­chen­den ge­ra­de mal zwölf ak­zep­tiert.

Bis zum Ju­ni will die Ge­mein­schaft ei­ne Re­ge­lung fin­den und kann da­bei auch auf höchst­rich­ter­li­chen Bei­stand hof­fen. Denn bis da­hin dürf­te der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) in Lu­xem­burg über ei­ne Kla­ge Un­garns und wei­te­rer Län­der ge­gen die Quo­ten­re­ge­lung ent­schie­den ha­ben.

Der neue Vor­schlag sei „kei­nes­wegs über­zo­gen“, heißt es in Brüssel. Schließ­lich lässt der Text des Do­ku­men­tes je­nen Staa­ten, die noch nicht ge­nü­gend Ka­pa­zi­tä­ten ge­schaf­fen ha­ben, ei­ne drei­jäh­ri­ge Über­gangs­pha­se. Als wei­te­res Ent­ge­gen­kom­men ha­ben die Au­to­ren ei­nen au­to­ma­ti­schen Stopp der Um­ver­tei­lung ein­ge­baut, wenn ei­ne Höchst­gren­ze über­schrit­ten wur­de. Die­se könn­te bei 200 000 Flücht­lin­gen pro Jahr für die gan­ze EU lie­gen.

Al­ler­dings lässt der neue Vor­schlag ei­ne Hin­ter­tür. Als „al­ter­na­ti­ve For­men der So­li­da­ri­tät“soll es näm­lich für je­ne, die ih­re Quo­te nicht er­fül­len wol­len, mög­lich sein, sich an an­de­rer Stel­le stär­ker zu en­ga­gie­ren. Sie könn­ten et­wa zu­sätz­li­che Be­am­te für die Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex ent­sen­den.

Völ­lig frei­kau­fen darf sich dem Pa­pier zu­fol­ge aber kein Mit­glied­staat. Auf Druck Deutsch­lands wur­de ei­ne Klau­sel auf­ge­nom­men, der zu­fol­ge al­le Län­der ih­re Quo­te zu­min­dest zu 50 Pro­zent er­fül­len müs­sen.

Mehr zur Quo­ten­de­bat­te le­sen Sie im Netz auf noz.de/mi­gra­ti­on

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