Wel­che Rol­le spiel­te der Al­ko­hol?

Pro­zess­auf­takt im Fall Ger­da B.

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest -

Im Fall der ge­tö­te­ten Ga­le­ris­tin und Im­mo­bi­li­en­be­sit­ze­rin Ger­da B. aus Leer hat ges­tern am Land­ge­richt Au­rich der Pro­zess ge­gen ei­nen 55Jäh­ri­gen be­gon­nen. Der ge­bür­ti­ge Bochu­mer schwieg zum Auf­takt. Trotz­dem gab es ei­ni­ge neue Er­kennt­nis­se.

Von Da­ni­el Gon­za­lez-Tep­per

AU­RICH. Der Auf­takt hat­te sich um 25 Mi­nu­ten ver­zö­gert, weil der An­ge­klag­te dar­auf be­stan­den hat­te, nicht fo­to­gra­fiert und ge­filmt zu wer­den. Und nach nicht ein­mal zehn Mi­nu­ten war der ers­te Tag be­reits be­en­det. Trotz­dem gab es ei­ni­ge neue Aspek­te des Falls. Dass so­wohl Ger­da B. als auch der An­ge­klag­te am mut­maß­li­chen To­des­tag der wohl­ha­ben­den Da­me, der Nacht zum 22. Ok­to­ber 2016, al­ko­ho­li­siert wa­ren, war bis­lang nicht be­kannt.

Ge­nau­so we­nig be­kannt war bis­her, dass der An­ge­klag­te seit dem 6. Ok­to­ber, dem Tag, als der 55-Jäh­ri­ge in die Vil­la der 66-Jäh­ri­gen in Leer ein­ge­zo­gen war, als „stän­di­ge Kon­takt­per­son“von Ger­da B. galt. Das deu­tet auf ei­ne per­sön­li­che Be­zie­hung der bei­den hin. Ob al­ler­dings ei­ne Be­zie­hungs­tat als Mo­tiv in­fra­ge kommt oder bei­spiels­wei­se Geld ei­ne Rol­le ge­spielt hat, geht aus der An­kla­ge­schrift nicht her­vor.

Als si­cher gilt je­den­falls aus Sicht der Er­mitt­ler, dass bei­de zu­vor den Al­ko­hol im Ga­le­rie-Ca­fé von Ger­da B. am Deich bei Leer-Bingum zu sich ge­nom­men ha­ben, und das im Bei­sein meh­re­rer wei­te­rer Gäs­te. Die Stim­mung sei „an­ge­spannt“ge­we­sen, las Staats­an­wäl­tin An­net­te Hüf­ner aus der An­kla­ge­schrift vor. Als die letz­ten Gäs­te ge­gen 23 Uhr das Ca­fé ver­las­sen hat­ten, kam es zu­nächst zu ei­nem ver­ba­len Streit. In des­sen Ver­lauf soll der 55-Jäh­ri­ge „in Tö­tungs­ab­sicht“, so die An­kla­ge, zu ei­nem 20 Zen­ti­me­ter lan­gen Mes­ser ge­grif­fen ha­ben, die lin­ke Hals­schlag­ader der Frau mit ei­nem Stich durch­trennt und da­nach mit ei­nem Bar­ho­cker auf sie ein­ge­schla­gen ha­ben. Sie starb dar­auf­hin an mas­si­vem Blut­ver­lust.

Als Abla­ge­tag der Lei­che am Fund­ort bei See­ve­tal süd­lich von Ham­burg, wo die Lei­che am 5. März ge­fun­den wor­den ist, gilt der 26. Ok­to­ber. Dem­zu­fol­ge ist die Lei­che vier Ta­ge lang im Fahr­zeug der Frau, ei­nem äl­te­ren Ja­gu­ar, durch die Ge­gend ge­fah­ren wor­den.

Nur An­ga­ben zur Per­son

Bis auf Pflicht­an­ga­ben zur Per­son äu­ßer­te sich der 55Jäh­ri­ge, der von zwei Jus­tiz­be­am­ten in Hand­schel­len in den Ge­richts­saal 103 ge­führt wor­den war, am Di­ens­tag nicht. Dem­nach ist er 1961 in Bochum ge­bo­ren, lebt ge­schie­den und ist deut­scher Staats­bür­ger.

Vor Ge­richt war der leicht un­ter­setz­te, et­wa 1,70 Me­ter gro­ße An­ge­klag­te in ei­ner dunk­len Ja­cke und ei­ner schwar­zen Ho­se. Er wirk­te längst nicht so sport­lich wie auf Bil­dern, die in so­zia­len Me­di­en von ihm kur­sie­ren. Die schul­ter­lan­gen, leicht an­ge­grau­ten Haa­re trug er zu ei­nem Zopf zu­sam­men­ge­bun­den, auf der Na­se saß ei­ne gold­far­be­ne Le­se­bril­le. Im­mer wie­der sah sich der 55Jäh­ri­ge ner­vös im Saal um, wo cir­ca 50 Zu­schau­er, et­wa die Hälf­te Me­di­en­ver­tre­ter, sa­ßen.

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Un­ter gro­ßem Me­di­en­in­ter­es­se hat ges­tern vor dem Land­ge­richt Au­rich der Pro­zess ge­gen ei­nen 55-Jäh­ri­gen nach dem Tod ei­ner Ga­le­ris­tin be­gon­nen. Fo­to: Da­ni­el Gon­za­lez-Tep­per

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