Kampf ge­gen Fahr­leh­rer­man­gel

Neu­es Ge­setz soll ab 2018 die Vor­aus­set­zun­gen er­leich­tern

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Der Re­pu­blik geht der Nach­wuchs bei den Fahr­leh­rern aus – die Ver­bän­de schla­gen Alarm. Ab­hil­fe soll vor­aus­sicht­lich ab 2018 ein neu­es, we­ni­ger stren­ges Ge­setz zur Aus­bil­dung die­ser Fach­kräf­te brin­gen.

BERLIN. Da­mit wie­der mehr Men­schen Fahr­leh­rer wer­den wol­len, soll der Zu­gang zum Be­ruf ein­fa­cher wer­den. Ein Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung sieht un­ter an­de­rem vor, dass an­ge­hen­de Fahr­leh­rer künf­tig we­ni­ger Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len müs­sen, um die Aus­bil­dung zu be­gin­nen. Da­durch fal­len für die An­wär­ter Kos­ten in Hö­he von meh­re­ren Tau­send Eu­ro weg.

Zu­dem soll die Di­gi­ta­li­sie­rung in der Fahr­leh­rer­aus­bil­dung ei­ne deut­lich grö­ße­re Rol­len spie­len. „Ver­netz­tes Fah­ren, Fahras­sis­tenz­sys­te­me und die Elek­tro­mo­bi­li­tät wer­den end­lich zum we­sent­li­chen Ge­gen­stand der Aus­bil­dung“, sag­te jetzt der Vor­sit­zen­de der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Fahr­leh­rer­ver­bän­de, Ger­hard von Bres­sens­dorf, in Berlin.

Die Bran­che lei­det seit Jah­ren an Fach­kräf­te­man­gel. 44 610 Fahr­leh­rer gab es An­fang die­ses Jah­res in Deutsch­land, vor sechs Jah­ren wa­ren es noch rund 10 000 mehr. Im Durch­schnitt sind Fahr­leh­rer in Deutsch­land äl­ter als 55 Jah­re.

„Frü­her hat die Bun­des­wehr sehr vie­le Fahr­leh­rer aus­ge­bil­det“, er­läu­tert Die­ter Qu­en­tin, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Fahr­leh­rer­ver­bän­de, in Hannover. Nach ih­rer Zeit beim Bund mach­ten vie­le Sol­da­ten dann als Fahr­aus­bil­der auf dem zi­vi­len Markt wei­ter. „Doch die Ar­mee hat sich in­zwi­schen fast voll­stän­dig aus der Aus­bil­dung zu­rück­ge­zo­gen“, sagt Qu­en­tin wei­ter.

Für die Aus­bil­dung zum Fahr­leh­rer brau­chen die An­wär­ter der­zeit noch Füh­rer­schei­ne

für die Au­to-, Mo­tor­rad­und Lkw-Klas­sen – auch dann, wenn sie spä­ter nur den nor­ma­len Au­to­füh­rer­schein an­bie­ten wol­len. Es gilt als si­cher, dass die­se Vor­aus­set­zung bald mit ei­ner Ge­set­zes­re­form weg­fal­len wird. Denn die Re­form des Bun­des­fahr­leh­rer­ge­set­zes wur­de be­reits vom Bun­des­tag ver­ab­schie­det und soll 2018 in Kraft tre­ten. Ein we­sent­li­cher Kos­ten­fak­tor im Rah­men der Aus­bil­dung wä­re mit der Neu­re­ge­lung be­sei­tigt. Doch der Weg zum Fahr­leh­rer bleibt auf­wen­dig.

„Erst mal kom­men fünf un­be­zahl­te Mo­na­te Theo­rie. Da wer­den un­ter an­de­rem Päd­ago­gik, Recht und Ge­fah­ren­leh­re ver­mit­telt“, sagt Wal­ter Paul­sen, der in Berlin an­ge­hen­de Fahr­leh­rer aus­bil­det. Es folgt die vier­mo­na­ti­ge Pra­xis-Zeit in ei­ner aus­bil­den­den Fahr­schu­le. Hier fah­ren die an­ge­hen­den Fahr­leh­rer zwar schon mit ei­ge­nen Schü­lern – Geld gibt es da­für aber nicht im­mer. In bei­den Tei­len ste­hen zahl­rei­che und teu­re Prü­fun­gen in Theo­rie und Pra­xis an. Die Zahl der Fahr­schü­ler ist seit

Jah­ren na­he­zu kon­stant: Im Jahr 2015 mach­ten rund 1,6 Mil­lio­nen Deut­sche die prak­ti­sche Fahr­prü­fung, wie aus Zah­len des Kraft­fahrt­bun­des­amts her­vor­geht. Das wa­ren et­wa so viel wie im Jahr 2010. „Die Nach­fra­ge bleibt, aber die An­for­de­run­gen än­dern sich“, er­läu­tert Qu­en­tin. „As­sis­tier­tes Fah­ren, Di­gi­ta­li­sie­rung: Das ist das Be­tä­ti­gungs­feld für die Fahr­leh­rer­schaft der Zu­kunft.“

Fach­kräf­te­man­gel: My­thos oder Rea­li­tät? Auf noz.de/po­pu­lis­mus

Da geht’s lang: Fahr­leh­rer wissen zwar im­mer, wo sie hin­wol­len und ihr Fahr­schü­ler hin­len­ken soll. Wie es mit der Nach­wuchs­för­de­rung wei­ter­geht, ist al­ler­dings noch nicht so ganz klar. Fo­to: dpa

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