Grie­chen­land be­kommt fri­sches Geld

Athen ei­nigt sich mit Geld­ge­bern über Hilfs­mil­li­ar­den – Har­te Ein­schnit­te für Bür­ger

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft -

Nach ei­nem Ver­hand­lungs­ma­ra­thon hat Grie­chen­land ei­ne Über­ein­kunft mit den Gläu­bi­gern er­reicht. Athen muss im Ge­gen­zug die Ren­ten kür­zen und Steu­ern er­hö­hen. Es blei­ben Stol­per­stei­ne. Grie­chen­land kann nach der Ab­ga­be neu­er Re­form- und Spar­ver­spre­chen auf wei­te­re Hilfs­mil­li­ar­den der in­ter­na­tio­na­len Geld­ge­ber hof­fen. Ex­per­ten bei­der Sei­ten ei­nig­ten sich am Di­ens­tag un­ter an­de­rem auf Plä­ne für Ren­ten­kür­zun­gen und Steu­er­er­hö­hun­gen. Sie sol­len es den Fi­nanz­mi­nis­tern der Eu­ro­staa­ten er­mög­li­chen, bei ei­nem Tref­fen am 22. Mai die Aus­zah­lung wei­te­rer Fi­nanz­hil­fen auf den Weg zu brin­gen. Das Geld stammt aus dem im Ju­li 2015 be­schlos­se­nen drit­ten Hilfs­pa­ket von 86 Mil­li­ar­den Eu­ro.

„Es gibt wei­ßen Rauch“, kom­men­tier­te der grie­chi­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Eu­klid Tsaka­lo­tos am frü­hen Di­ens­tag­mor­gen nach mehr­stün­di­gen Ver­hand­lun­gen mit Ex­per­ten der Gläu­bi­ger in Athen. EU-Fi­nanz­kom­mis­sar Pier­re Mosco­vici nann­te die

Ei­ni­gung ei­ne „sehr po­si­ti­ve Ent­wick­lung“und mach­te den Grie­chen Hoff­nung, dass die Jah­re der har­ten Ein­schnit­te vor­erst vor­bei sein könn­ten. Es ge­he um „Schlüs­sel­re­for­men zur Mo­der­ni­sie­rung der grie­chi­schen Wirtschaft“und ei­ne glaub­wür­di­ge Fi­nanz­po­li­tik für die kom­men­den Jah­re. Nach An­ga­ben aus Athen geht es bei der

Über­ein­kunft um ein Spar­pa­ket in Hö­he von et­wa 3,6 bis 3,8 Mil­li­ar­den Eu­ro. Ge­plant sind dem­nach un­ter an­de­rem Ren­ten­kür­zun­gen von bis zu 18 Pro­zent vom 1. Ja­nu­ar 2019 an und ei­ne Sen­kung des jähr­li­chen Steu­er­frei­be­tra­ges von 8636 Eu­ro auf 5681 Eu­ro ab 1. Ja­nu­ar 2020. Zu­dem soll es Lo­cke­run­gen im Ar­beits­recht ge­ben, so­dass Be­schäf­tig­ten künf­tig leich­ter ge­kün­digt wer­den kann, so­wie wei­te­re Pri­va­ti­sie­run­gen.

Um die neu­en har­ten Spar­maß­nah­men aus­zu­glei­chen, sol­len är­me­re Fa­mi­li­en staat­li­che Hil­fen be­kom­men. Un­ter an­de­rem sol­len sie ei­nen Miet­zu­schuss er­hal­ten.

Noch ist al­ler­dings nicht al­les un­ter Dach und Fach: Das neue Spar­pro­gramm muss noch von ei­ner Mehr­heit der Ab­ge­ord­ne­ten ge­bil­ligt wer­den. „Wir wer­den es nächs­te Wo­che dem Par­la­ment vor­le­gen“, sag­te der grie­chi­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Tsaka­lo­tos. Mit der Ab­stim­mung wird Mit­te des Mo­nats ge­rech­net.

Für Re­gie­rungs­chef Al­exis Tsi­pras gilt sie als wei­te­re Kraft­pro­be. Er hat mit 153 von 300 Ab­ge­ord­ne­ten nur ei­ne knap­pe Mehr­heit im Par­la­ment. Zu­dem ha­ben die grie­chi­schen Ge­werk­schaf­ten für den Tag der Ab­stim­mung ei­nen Ge­ne­ral­streik an­ge­kün­digt.

Grie­chen­land ist seit 2010 von Un­ter­stüt­zung der eu­ro­päi­schen Part­ner und des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds ab­hän­gig. Be­tei­ligt sind die EU-Kom­mis­si­on, der Ret­tungs­schirm ESM und die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank. Die Gläu­bi­ger ver­lang­ten da­für tie­fe Ein­schnit­te in die So­zi­al­sys­te­me, hö­he­re Steu­ern, ei­nen Um­bau des Ar­beits­markts und Pri­va­ti­sie­run­gen.

Die Hil­fen kom­men in Ra­ten. Vor neu­en Aus­zah­lun­gen wird über­prüft, ob Athen sei­ne Zu­sa­gen ein­ge­hal­ten hat und auf dem Weg zur Sa­nie­rung der Staats­fi­nan­zen wie ge­wünscht vor­an­kommt.

Har­te Auf­la­gen: Der grie­chi­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Eu­klid Tsaka­lo­tos ver­kün­de­te die Ei­ni­gung. Fo­to: dpa

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