Ver­dreckt und zu­ge­müllt

Är­ger über Ab­fäl­le vom 1. Mai im Net­te­tal und am Rub­ben­bruch­see – Auf­räu­men auf Kos­ten der All­ge­mein­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Region - Mehr le­sen Sie auf noz.de

Die Fei­ern­den sind weg, ihr Müll ist ge­blie­ben: Der 1. Mai ist für den Os­na­brü­cker Ser­vice­be­trieb ein „Groß­kampf­tag“, und die Ge­mein­de Wal­len­horst räumt ein, dass ihr Ab­fall­kon­zept im Net­te­tal nicht auf­ge­gan­gen ist. Das Auf­räu­men über­neh­men die Kom­mu­nen – auf Kos­ten der All­ge­mein­heit.

Von Con­stan­tin Bin­der und Hol­ger Jan­sing

Ei­nem Schlacht­feld glich am Di­ens­tag­mor­gen der Pick­nick­platz ober­halb des Gast­hau­ses Knoll­mey­er im Net­te­tal. Jun­ge Leu­te hat­ten am 1. Mai auf dem Ge­län­de am Hohn­weg in Rul­le mas­sen­haft Müll hin­ter­las­sen. Fünf Mit­ar­bei­ter der Wal­len­hors­ter Ge­mein­de­ver­wal­tung wa­ren da­mit be­schäf­tigt, den Un­rat zu be­sei­ti­gen – Hun­der­te von Gla­sund Plas­tik­fla­schen, Scher­ben und Kron­kor­ken, Kar­tons und Tü­ten. Und manch ein aus­ge­dien­ter Grill lag im Ge­büsch.

Das Net­te­tal ist seit Jahr­zehn­ten Ziel von Tou­ren am 1. Mai. Frü­her fei­er­ten jun­ge Leu­te ab dem Nach­mit­tag auf dem Park­platz am Gast­haus Knoll­mey­er. Vor ein paar Jah­ren ver­la­ger­te sich die Par­ty­sze­ne zum klei­nen Pick­nick­platz am Hohn­weg. Dort steht ein We­ge­kreuz, das die Ge­mein­de­ver­wal­tung si­cher­heits­hal­ber mit Ab­sperr­git­tern ge­schützt hat­te. Am frü­hen Abend des Mai­fei­er­ta­ges hiel­ten sich nach Po­li­zei­an­ga­ben rund 500 Mai­gän­ger auf den Stra­ßen und den an­gren­zen­den Acker­flä­chen auf, tran­ken Al­ko­hol und hör­ten lau­te Mu­sik.

Auf Nach­fra­ge sag­te Rü­di­ger Mitt­mann, Fach­be­reichs­lei­ter Bür­ger­ser­vice und So­zia­les der Ge­mein­de Wal­len­horst: „Ich war am Di­ens­tag­mor­gen persönlich vor Ort und muss ein­räu­men, dass un­ser Ab­fall­kon­zept nicht auf­ge­gan­gen ist.“Die Ge­mein­de ha­be ei­nen gro­ßen Con­tai­ner und zahl­rei­che Draht­kör­be für den Ab­fall auf­stel­len las­sen, die „kaum an­ge­nom­men“wor­den sei­en. Im ver­gan­ge­nen Jahr sei­en

für die Auf­räum­ar­bei­ten et­wa 30 Mann­stun­den an­ge­fal­len, für die­ses Jahr er­war­te er ei­nen ähn­li­chen Auf­wand, sag­te Mitt­mann in ei­ner ers­ten Ein­schät­zung. „Ich bin mit der Si­tua­ti­on un­zu­frie­den, aber es lässt sich auch nicht al­les mit Ver­bo­ten re­geln.“

Die Ver­wal­tung wol­le jetzt Lö­sun­gen fin­den, wie die Be­völ­ke­rung auf öf­fent­li­chen Stra­ßen Mai­tou­ren un­ter­neh­men kön­ne, oh­ne dass Müll und Scher­ben zu­rück­blie­ben und Ge­trei­de­fel­der zer­tre­ten wür­den, kün­dig­te Mitt­mann an. Hier­für wer­de er sich auch mit der Po­li­zei, der kom­mu­na­len Ju­gend­pfle­ge und den Fach­leu­ten des Teams Ord­nung aus­tau­schen. „Ich ha­be kei­ne Pa­tent­lö­sung, aber wir ha­ben die Pro­ble­ma­tik er­kannt“, sag­te er.

In Osnabrück zeig­ten sich die Aus­wir­kun­gen der Mai­fei­er­lich­kei­ten vor al­lem am Rub­ben­bruch­see, wo bis zu 600 Mai­gän­ger fei­er­ten, und im Schloss­gar­ten. „Der 1. Mai ist für uns im­mer ein Groß­kampf­tag“, sag­te Kath­rin Hof­mann vom Os­na­brü­cker Ser­vice­be­trieb (OSB); in die­sem Jahr sei die Si­tua­ti­on durch den Nacht­floh­markt am Sams­tag ver­schärft wor­den. Die Stadt ha­be an bei­den Stand­or­ten meh­re­re „Event­ton­nen“auf­ge­stellt, al­so Müll­ton­nen für Groß­er­eig­nis­se. „Was wir da raus­ho­len, ist dra­ma­tisch.“Den­noch hät­ten OSB-Mit­ar­bei­ter ab dem frü­hen Mor­gen des 2. Mai auch reich­lich her­um­lie­gen­den Müll auf­ge­sam­melt. „Es ist ei­gent­lich nicht un­se­re Auf­ga­be, an­de­ren hin­ter­her­zu­räu­men“, sag­te Hof­mann und be­merk­te: „Die All­ge­mein­heit muss hier für ei­ni­ge we­ni­ge auf­kom­men – das müss­ten sich die Fei­ern­den viel­leicht mal be­wusst ma­chen.“

Grund­sätz­li­ches Pro­blem

Oh­ne­hin ge­he es nicht nur um den 1. Mai als sol­chen: „Die zu­neh­men­de Weg­werf­men­ta­li­tät ist ein grund­sätz­li­ches ge­sell­schaft­li­ches The­ma“, sag­te Hof­mann und ver­wies et­wa auf die wach­sen­de Men­ge von Ein­weg­kaf­fee­be­chern im Müll. Mit Ak­tio­nen wie dem Stadt­putz­tag oder Schul­pro­jek­ten zur Müll­tren­nung ver­su­che der Ser­vice­be­trieb des­halb seit ei­ni­ger Zeit, ein Um­welt­be­wusst­sein zu schaf­fen. Klar sei je­den­falls: „Kon­trol­len, et­wa durch das OS-Team, sind am 1. Mai si­cher nicht die rich­ti­ge An­spra­che.“Das Müll­pro­blem am Tag der Ar­beit müs­se spie­le­ri­scher ge­löst wer­den – doch wie, weiß auch Hof­mann nicht.

Bi­lanz des 1. Mai in der Re­gi­on:

Weg­werf­men­ta­li­tät am We­ge­kreuz: Müll an der Ecke Auf dem Hohn/Hohn­weg in Rul­le.

Grill im Ge­büsch: Hier wur­de das Ge­rät im Wort­sinn „weg­ge­wor­fen“.

Ar­beit nach dem Tag der Ar­beit: Den Müll, den Mai­gän­ger wie hier im Net­te­tal ober­halb des Gast­hau­ses Knoll­mey­er­zu­rück­ge­las­sen ha­ben, müs­sen Mit­ar­bei­ter der Kom­mu­ne ent­sor­gen. Fo­tos: Hol­ger Jan­sing

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