Re­li­giö­se Viel­falt im städ­ti­schen Raum

Pre­mie­re von „Ur­ban Pray­ers“: Os­na­brü­cker Ju­gend­clubs zei­gen drei­tei­li­ges Thea­ter­pro­jekt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Le­sen Sie auf noz.de/kultur-re­gio­nal

Ur­ba­ne Räu­me als Or­te wach­sen­der re­li­giö­ser Viel­falt – die­sem The­men­feld wid­met sich das Pro­jekt „Ur­ban Pray­ers“des Thea­ters Osnabrück. Bei der Pre­mie­re von „Al­les was wir glau­ben muss­ten“in der evan­ge­li­sch­re­for­mier­ten Ju­gend­kir­che zeig­ten die Prot­ago­nis­ten kei­ne Scheu vor den ganz gro­ßen Fra­ge­stel­lun­gen.

Von Chris­toph Bey­er

Ein schwa­ches Licht schim­mert in der Dun­kel­heit. Mensch­li­che Sil­hou­et­ten sind hin­ter ei­ner ver­schwom­me­nen Glas­schei­be zu er­ken­nen. Der Zu­schau­er wird Zeu­ge ei­nes un­ge­wöhn­li­chen Ex­pe­ri­ments, des­sen Teil­neh­mer ei­nen of­fen­bar kaum lös­ba­ren Auf­trag er­hal­ten ha­ben. Ab­ge­schot­tet von der Au­ßen­welt, sol­len sie ei­ne Lö­sung für das fried­li­che Zu­sam­men­le­ben von Ju­den­tum, Chris­ten­tum und Is­lam fin­den. Ei­ne hoch­ak­tu­el­le Fra­ge, die im Rah­men ei­ner sehr dich­ten, ein­dring­li­chen Ins­ze­nie­rung ver­han­delt wur­de.

Auf den ers­ten Blick do­mi­niert in der Grup­pe das Tren­nen­de. Zu he­te­ro­gen er­scheint die­se bunt zu­sam­men­ge­wür­fel­te Zu­falls­ge­mein­schaft, zu di­ver­gent die Vor­stel­lun­gen von Moral, Glau­be und spe­zi­fi­scher Sinn­haf­tig­keit der mensch­li­chen Exis­tenz, als dass tat­säch­lich ein Kon­sens und ei­ne kon­struk­ti­ve Zu­sam­men­ar­beit

mög­lich wä­ren. Im­mer­hin be­steht die Be­reit­schaft, sich mit­zu­tei­len, ei­ge­ne Schwä­chen ein­zu­räu­men und ei­ne Trans­pa­renz her­zu­stel­len, die es den Grup­pen­mit­glie­dern er­mög­licht, mit­ein­an­der in den Dis­kurs zu tre­ten. Wort­ge­fech­te, laut­star­ke Kon­tro­ver­sen und re­flek­tier­te Dis­kus­sio­nen wech­seln ein­an­der ab, und dem Phä­no­men „Glau­ben“nä­hern sich die Ak­teu­re da­bei auf den un­ter­schied­lichs­ten Ebe­nen.

Es ist kei­ne leich­te Kost, wel­che die Mit­glie­der des Ju­gend­clubs Ma­nia und Spiel­lei­ter Si­mon Nie­mann dem Pu­bli­kum zur Pre­mie­re ser­vier­ten. Der ers­te Teil von „Ur­ban Pray­ers“ba­siert, eben­so wie die bei­den fol­gen­den „Do­or­ways“und „Nach Ba­bel – und noch wei­ter“auf dem Text des Au­tors und Re­gis­seurs Björn Bi­cker. Die wach­sen­de Zu­nah­me re­li­giö­ser Viel­falt in den städ­ti­schen Räu­men in­spi­rier­te Bi­cker zu ei­ner tie­fer­ge­hen­den

Be­trach­tung die­ses kom­ple­xen Pro­zes­ses. Bi­cker re­cher­chier­te da­zu und er­stell­te auf die­ser Ba­sis je­nen Text, der den drei Ju­gend­clubs Ma­nia, Ami­gos Ban­di­dos und dem Stu­die­ren­den­club ei­ne Grund­la­ge für die Er­ar­bei­tung ih­rer un­ter­schied­li­chen Auf­füh­run­gen bot. „Ur­ban Pray­ers“ist da­bei Be­stand­teil des von der Frie­del&Gi­se­la Boh­nen­kamp-Stif­tung ge­för­der­ten Stadt­pro­jekts Nat­han.

Ne­ben der Ins­ze­nie­rung sind vor al­lem die Spiel­or­te

be­mer­kens­wert. Ne­ben der Ju­gend­kir­che sind die Jü­di­sche Ge­mein­de und die Di­tib Ye­ni Ca­mii Mo­schee be­tei­ligt. Ver­net­zung, Aus­tausch und in­ter­re­li­giö­ser Dia­log sind die Stich­wor­te, mit de­nen die Thea­ter­päd­ago­gen des Os­na­brü­cker Thea­ters, Dietz-Ul­rich von Czet­t­ritz und Si­mon Nie­mann, wich­ti­ge Ziel­set­zun­gen des Pro­jekts be­schrei­ben. Mit enor­mer Of­fen­heit hät­ten die je­wei­li­gen Ge­mein­de­ver­tre­ter re­agiert. Ne­ben ei­nem ge­mein­sa­men Tref­fen im Thea­ter, bei dem das ge­gen­sei­ti­ge Ken­nen­ler­nen im Vor­der­grund stand, wa­ren die jun­gen Darstel­ler auch je­weils in je­nen Got­tes­häu­sern zu Gast, in de­nen sie ihr Stück dem Pu­bli­kum prä­sen­tie­ren. Zu­dem nah­men sie an ei­ner Füh­rung teil und tausch­ten sich in­ten­siv mit Ge­mein­de­mit­glie­dern aus. „Das sind schon be­son­de­re Rä­um­lich­kei­ten, die für uns lo­gis­tisch zwar ei­ne Her­aus­for­de­rung dar­stel­len, aber auch da­zu bei­ge­tra­gen ha­ben, je­de Men­ge neue Ide­en zu ent­wi­ckeln“be­rich­te­te Ne­u­mann.

Bi­ckers Text wur­de für die Auf­füh­run­gen in Ka­pi­tel ge­glie­dert, die den drei Ju­gend­clubs al­ler­dings ei­ne of­fe­ne Her­an­ge­hens­wei­se er­mög­lich­ten. Si­cher­lich ein Grund für die gro­ße Lei­den­schaft­lich­keit, mit der sich die Darstel­ler der Fra­ge nach dem fried­li­chen Zu­sam­men­le­ben der Re­li­gio­nen bei der Pre­mie­re am Sonn­tag wid­me­ten. Das „freie Zim­mer im Haus der Träu­me“fun­gier­te da­bei als ein träu­me­ri­sches Sinn­bild für wech­sel­sei­ti­ge Ak­zep­tanz im span­nungs­rei­chen Kon­text von Glo­ba­li­sie­rung und zu­neh­men­der ge­sell­schaft­li­cher Seg­men­tie­rung.

Ur­ban Pray­ers – Osnabrück 1: Al­les was wir glau­ben muss­ten, nächs­te Vor­stel­lung: 12. Mai, 19.30 Uhr, in der evan­ge­lisch-re­for­mier­ten Ju­gend­kir­che

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Ab­ge­schot­tet von der Au­ßen­welt, sol­len Ju­gend­li­che in der Ins­ze­nie­rung „Al­les was wir glau­ben muss­ten“ei­ne Lö­sung für das fried­li­che Zu­sam­men­le­ben von Ju­den­tum, Chris­ten­tum und Is­lam fin­den. Fo­to: Uwe Le­wan­dow­ski

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