In­dus­trie­ver­bän­de wol­len Ar­beits­zei­ten auf­wei­chen

Nie­der­sach­senMe­tall und IAV: Wir brau­chen fle­xi­bel ein­setz­ba­re Mit­ar­bei­ter

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Die In­dus­trie-Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de der Re­gi­on Osnabrück-Emsland-Graf­schaft Bent­heim wol­len in kom­men­den Ta­rif­ver­hand­lun­gen fle­xi­ble­re Ar­beits­zei­ten er­rei­chen. Bis­he­ri­ge, streng an Schich­ten ge­bun­de­ne Ar­beits­zeit­mo­del­le reich­ten nicht mehr aus, sa­gen sie. Grund sei die In­dus­trie 4.0.

Wenn bei­spiels­wei­se ein In­dus­trie­zu­lie­fe­rer ein Bau­teil in Win­des­ei­le lie­fert, das ver­ar­bei­ten­de Un­ter­neh­men we­gen star­rer Ar­beits­zei­ten aber auf die Schnel­le nie­man­den auf­bie­ten kann, der es in­stal­liert, ris­kiert das Un­ter­neh­men den Ver­lust von Markt­an­tei­len. So zu­min­dest sieht es Olaf Pie­pen­brock, der Vor­stands­chef des In­dus­tri­el­len Ar­beit­ge­ber­ver­bands (IAV) in der Re­gi­on. Pie­pen­brock und Micha­el Gr­un­wald, Vor­stands­vor­si­ten­der der re­gio­na­len Be­zirks­grup­pe von Nie­der­sa­chenMe­tall, mach­ten sich an­läss­lich der Jah­res­haupt­ver­samm­lung der bei­den Ver­bän­de am Di­ens­tag in Osnabrück für ei­ne Auf­wei­chung bis­her streng ge­re­gel­ter Ar­beits­zei­ten stark. Mit die­sem Ziel wol­len sie in die dies­jäh­ri­gen Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit den Ge­werk­schaf­ten ge­hen.

In­dus­trie­pro­duk­ti­on fin­de künf­tig im­mer stär­ker au­to­ma­ti­siert und ver­netzt statt. Das er­for­de­re Ein­sät­ze manch­mal auch au­ßer­halb fes­ter Ar­beits­zei­ten, ar­gu­men­tie­ren die bei­den Ma­na­ger – et­wa dann, wenn in ei­ner voll­stän­dig au­to­ma­ti­sier­ten Pro­duk­ti­on plötz­lich ein Pro­blem ent­ste­he und ein Fach­mann kurz­fris­tig hel­fen müs­se – auch, wenn er ge­ra­de frei ha­be. „Wir brau­chen fle­xi­bel ein­setz­ba­re Mit­ar­bei­ter, das ist wett­be­werbs­re­le­vant“, sag­te Gr­un­wald. Er ist haupt­amt­lich Ge­schäfts­füh­rer des Ver­la­de­tech­nik­her­stel­lers Stem­mann in der Graf­schaft Bent­heim. Pie­pen­brock ist Co-Ge­schäfts­füh­rer und -Ei­gen­tü­mer des Os­na­brü­cker Ge­bäu­de­dienst­leis­ters Pie­pen­brock.

Bei­de rech­nen mit im­mer ge­nau­er ab­ge­stimm­ten, über Her­stel­ler, Zu­lie­fe­rer und ver­schie­de­ne Stand­or­te ver­teil­ten und ver­netz­ten In­dus­trie­pro­zes­sen. Da­mit die­se si­cher und ef­fi­zi­ent lau­fen könn­ten, müss­ten Men­schen zu je­der Zeit be­reit sein ein­zu­grei­fen.

Fle­xi­bi­li­sie­rung sei aber auch das Ziel vie­ler Mit­ar­bei­ter, füg­te der re­gio­na­le IAVund Nie­der­sach­senMe­tal­lGe­schäfts­füh­rer Axel Busch un­ter Ver­weis auf Ge­werk­schafts­an­ga­ben hin­zu. Vie­le Be­schäf­tig­te wünsch­ten sich in­di­vi­du­el­ler ge­stalt­ba­re Ar­beits­zei­ten und mehr Raum für pri­va­te Vor­ha­ben.

Die bei­den Re­gio­nal­ver­bän­de for­dern zu­dem ein Bün­del von Maß­nah­men zur Si­che­rung der Ex­port­stär­ke der re­gio­na­len Wirtschaft. Die Un­ter­neh­men sei­en zwar „vor­sich­tig op­ti­mis­tisch“, zu­gleich aber ver­un­si­chert durch den Br­ex­it, durch pro­tek­tio­nis­ti­sche Ten­den­zen in den USA und we­gen un­ge­wis­ser Wahl­aus­gän­ge in die­sem Jahr in Eu­ro­pa, sag­te Pie­pen­brock. Des­halb gel­te es, vor al­lem die Ex­port-Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Un­ter­neh­men zu stär­ken – un­ter an­de­rem durch mehr Aus­bil­dung jun­ger Men­schen in ma­the­ma­tisch-tech­ni­schen Be­ru­fen.

Die bei­den In­dus­trie-In­ter­es­sen­ver­tre­ter nah­men Deutsch­land ge­gen Kri­tik des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds und der US-Re­gie­rung an Deutsch­lands ho­hem Han­dels­über­schuss in Schutz: Als roh­stoff­ar­mes Land sei Deutsch­land auf star­ken Ex­port an­ge­wie­sen, um ein Ge­gen­ge­wicht zu sei­ner Im­port­ab­hän­gig­keit bei Roh­stof­fen zu ha­ben, sag­te Pie­pen­brock. Gr­un­wald führ­te an, dass Deutsch­land als Net­to­zah­ler in der EU sehr viel zu In­ves­ti­tio­nen in an­de­ren EU-Län­dern bei­ge­tra­gen ha­be.

Re­gio­na­le Spit­zen­ver­tre­ter der In­dus­trie-Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de: Axel Busch (l.), Olaf Pie­pen­brock (M.), Mo­ritz Bö­cking. Fo­to: Micha­el Grün­del

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