Steigt Rund­funk­bei­trag 2021 wie­der?

ARD be­fürch­tet deut­lich ge­rin­ge­re Ein­nah­men als ur­sprüng­lich kal­ku­liert

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Gut Zu Wissen -

Der ARD feh­len bis 2020 rund 139 Mil­lio­nen Eu­ro. An man­geln­dem Spar­wil­len liegt es nicht, wie die ARD-Vor­sit­zen­de be­teu­ert. Schuld ist vor al­lem ein kräf­ti­ges Mi­nus auf der Ein­nah­men­sei­te.

Die ARD geht von ei­ner er­heb­lich ge­rin­ge­ren Sum­me an Rund­funk­bei­trä­gen aus als er­war­tet. Nach den Zah­len, die die ARD der Kom­mis­si­on zur Er­mitt­lung des Fi­nanz­be­darfs (KEF) En­de April mit­ge­teilt hat, sind es für die ARD-An­stal­ten im Zei­t­raum von 2017 bis 2020 rund 233 Mil­lio­nen Eu­ro we­ni­ger als im jüngs­ten KEFBe­richt an­ge­nom­men. Hin­zu kommt, dass beim West­deut­schen Rund­funk (WDR), der größ­ten ARD-Lan­des­rund­funk­an­stalt, mit deut­lich nied­ri­ge­ren Wer­be­ein­nah­men zu rech­nen ist.

We­ni­ger Haus­hal­te

Das Mi­nus beim Rund­funk­bei­trag hat nichts da­mit zu tun, dass er güns­ti­ger ge­wor­den wä­re: Er be­trägt der­zeit 17,50 Eu­ro pro Haus­halt im Mo­nat. Die Lan­des­re­gie­run­gen ha­ben so­gar erst im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne von der KEF vor­ge­schla­ge­ne Sen­kung auf 17,20 Eu­ro aus­drück­lich ab­ge­lehnt und die ARD da­zu ver­pflich­tet, die Mehr­er­trä­ge als Rück­la­ge für die nächs­te Bei­trags­pe­ri­ode auf­zu­he­ben.

Grün­de für den Bei­trags­rück­gang sind der ARD zu­fol­ge viel­mehr, dass die Zahl der po­ten­zi­ell bei­trags­pflich­ti­gen Haus­hal­te klei­ner ist als

an­ge­nom­men und mehr Haus­hal­te ab­ga­ben­be­freit wer­den als er­war­tet.

Beim WDR kom­men die Aus­wir­kun­gen ei­ner Ge­set­zes­no­vel­lie­rung zum Tra­gen, nach der die Wer­be­zei­ten im Ra­dio be­reits spür­bar ver­rin­gert wur­den und ab 2019 noch ein­mal re­du­ziert wer­den. Bis 2020 kal­ku­liert die ARD aus die­sem Grund mit

81 Mil­lio­nen Eu­ro we­ni­ger Wer­be­ein­nah­men, wo­von nicht nur der Sen­der in Nord­rhein-West­fa­len, son­dern, in klei­ne­rem Aus­maß, auch die üb­ri­gen ARD-An­stal­ten be­trof­fen sind.

Bis zum En­de der ak­tu­el­len Bei­trags­pe­ri­ode rech­net die ARD, die jähr­lich über ei­nen Etat von rund 5,6 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­fügt, ins­ge­samt

zwar mit ei­nem Über­schuss von rund 242 Mil­lio­nen Eu­ro. Doch die Bei­trags­rück­la­ge, zu der die ARD ver­pflich­tet ist, be­läuft sich im Zei­t­raum von 2017 bis 2020 auf 381 Mil­lio­nen Eu­ro. Es feh­len al­so 139 Mil­lio­nen Eu­ro.

Die ARD-Vor­sit­zen­de Ka­ro­la Wil­le be­tont, mit dem in­ter­nen Spar- und Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rungs­pro­gramm gut

vor­an­zu­kom­men. Vor dem ak­tu­el­len KEF-Be­richt hat­te die ARD 400 Mil­lio­nen Eu­ro mehr ge­for­dert, die KEF ver­lang­te da­ge­gen so­gar 378 Mil­lio­nen an Ein­spa­run­gen. Das Ziel hat die ARD nun mehr als er­reicht. Schuld an dem „un­ge­deck­ten Fi­nanz­be­darf “ist aus ih­rer Sicht da­her das kräf­ti­ge Mi­nus auf der Ein­nah­men­sei­te.

Mit dem Spar­kurs soll es wei­ter­ge­hen: Bis 2020 ver­rin­gert sich die Zahl der Stel­len um wei­te­re 370. Für den Zei­t­raum von 1993 bis 2020 soll die Stel­len­zahl um et­wa 4900 – das ent­spricht 20 Pro­zent – zu­rück­ge­gan­gen sein. Ein Be­reich, bei dem ARDVor­sit­zen­de Wil­le noch gro­ßes Ein­spar­po­ten­zi­al sieht, ist die IT. Mehr Ef­fi­zi­enz durch ei­ne ein­heit­li­che ITLand­schaft für al­le Sen­der des Ver­bun­des soll lang­fris­tig je­des Jahr vie­le Mil­lio­nen spa­ren hel­fen.

Die ARD hat ih­re Da­ten mit der An­mel­dung zum 21. KEF-Be­richt wei­ter­ge­ge­ben, der im Früh­jahr 2018 ver­öf­fent­licht wird. Die KEF legt al­le zwei Jah­re ei­nen sol­chen Be­richt über die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on von ARD, ZDF, Deutsch­land­ra­dio und Ar­te vor. Der 21. KEF-Be­richt ist al­ler­dings nur ei­ne Zwi­schen­bi­lanz, bei der die Da­ten aus dem 20. KEF-Be­richt auf den Prüf­stand kom­men.

Die An­mel­dung zum 22. KEF-Be­richt steht bis zum 30. April 2019 an. Das klingt weit weg, aber bis da­hin bleibt viel zu tun. Schließ­lich ent­schei­det sich dann, wie viel der Bei­trags­zah­ler ab 2021 mo­nat­lich über­wei­sen muss. Dass es nicht bei den 17,50 Eu­ro bleibt, gilt als ziem­lich si­cher und dass es vie­le Dis­kus­sio­nen gibt, wenn es deut­lich mehr wer­den soll­te, auch – nicht nur mit der KEF.

Mehr Nach­rich­ten und Tipps aus dem Be­reich Fi­nan­zen le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/gzw

Klein­vieh macht nicht viel Mist: Die ARD er­hält deut­lich we­ni­ger Geld aus dem Rund­funk­bei­trag als an­ge­nom­men. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.