Mit Wucht und Pa­thos

Jour­na­list Tom Kum­mer legt mit „Ni­na & Tom“ei­nen be­ein­dru­cken­den Ro­man vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - Blu­men­bar, 254 Sei­ten, 20 Eu­ro

Von Kars­ten Herr­mann

Der Jour­na­list Tom Kum­mer ist ei­ne Skan­dal­fi­gur, seit­dem sich im Jahr 2000 sei­ne un­ter an­de­rem in der „Süd­deut­schen Zei­tung“er­schie­ne­nen In­ter­views mit Hol­ly­wood-Stars als Fik­tio­nen ent­pupp­ten. Nun legt der Schwei­zer Meis­ter des Fa­kes, der sich selbst als „Bor­der­li­ne“-Jour­na­list be­zeich­net, ei­nen be­ein­dru­cken­den Ro­man über die Lie­be sei­nes Le­bens vor.

Kum­mers Prot­ago­nist Tom be­geg­net Ni­na zum ers­ten Mal im Herbst 1984 in ei­nem Club in Bar­ce­lo­na: ein an­dro­gy­nes Fan­ta­sie­we­sen, ei­ne „Sym­bol­fi­gur der ka­ta­la­ni­schen Auf­bruch­stim­mung“. Es ent­wi­ckelt sich ei­ne Amour fou, ei­ne ob­ses­siv-ex­zes­si­ve Lie­be, in der Ni­na, die sich beim Sex ger­ne wür­gen lässt und Leu­ten ger­ne vor den Kopf stößt, sich nur lang­sam öff­net.

Tom lockt Ni­na kur­ze Zeit spä­ter in das von „Dan­dys und „ge­nia­len Di­let­tan­ten“be­völ­ker­te Berlin und sei­ne Sub­kul­tur. Hier tau­chen sie in ei­ne Sze­ne aus Mu­si­kern, an­ar­chis­ti­schen Su­per-8-Fil­mern, „Un­der­groun­dQueens und Koks­dea­lern“ein und be­geg­nen un­ter an­de­ren auch Nick Ca­ve und Nan Gol­din. Es ist ei­ne hoch­krea­ti­ve Zeit des Ex­pe­ri­men­tie­rens, des Ko­pie­rens, Mi­schen und Sam­pelns, spä­ter re­sul­tie­ren auch die Fa­ke-In­ter­views dar­aus. Es ist ein Le­ben auf der durch Speed und Koks be­feu­er­ten Über­hol­spur, in dem Gren­zen aus­ge­lo­tet und Skan­da­le pro­vo­ziert wer­den.

Tom und Ni­na üben sich hier in der Kunst der Selbst­sti­li­sie­rung und per­fek­tio­nie­ren ih­re „Bla­siert­heit als Paar“, als „Künst­ler oh­ne Werk“. Spä­ter, nach dem Fall der Mau­er, geht Tom mit Ni­na dann als Re­por­ter für „Tem­po“und an­de­re deut­sche Me­di­en nach Los An­ge­les, und sie be­kom­men dort ih­re Söh­ne Hen­ry und Jack. Und hier er­krankt Ni­na dann auch an Krebs. Tom pflegt sie zu Hau­se, er­lebt den Schmerz und den Ver­fall sei­ner Frau, für die Für­sorg­lich­keit im­mer das Letz­te war, was sie ha­ben woll­te. Noch in den letz­ten Ta­gen be­teu­ert Tom: „Ich be­kom­me nie ge­nug da­von, Ni­na an­zu­se­hen und zu be­wun­dern.“

Tom Kum­mer er­zählt sei­ne Le­bens- und Lie­bes­ge­schich­te im Wech­sel aus Ge­gen­wart und Rück­blen­den. Mit sei­ner zu­pa­cken­den Kurz­satz-Pro­sa ge­lingt ihm ei­ne Mi­schung aus coo­lem „Sex, Drugs and Rock’ n’ Roll“und der er­schüt­tern­den Be­schrei­bung des Lei­dens und Ster­bens sei­ner Frau. Ein Buch mit Wucht und Pa­thos, das den Le­ser un­ab­hän­gig von Wahr­heit oder Fik­ti­on ge­bannt bis an das En­de trägt.

Tom Kum­mer: Ni­na & Tom.

Er­zählt sei­ne Le­bens­ge­schich­te: Tom Kum­mer. Fo­to: dpa/Auf­bau Ver­lag/Chris­ti­an Wer­ner

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