Kein Per­sil­schein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Uwe West­dörp u.west­do­erp@noz.de

An­griff ist be­kannt­lich die bes­te Ver­tei­di­gung. Fol­ge­rich­tig geht Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en im Bun­des­wehrs­kan­dal um ei­nen ter­ror­ver­däch­ti­gen rechts­ex­tre­mis­ti­schen Of­fi­zier jetzt mit al­ler Kraft in die Of­fen­si­ve. Das ist nur zu be­grü­ßen.

Von der Ley­en, die durch pau­scha­le Kri­tik an der Trup­pe viel Ver­trau­en zer­stört hat, kämpft er­kenn­bar auch um ih­ren ei­ge­nen Ruf. Dass An­ge­la Mer­kel ihr vol­le Un­ter­stüt­zung zu­ge­sagt hat, ist kei­nes­wegs als Per­sil­schein zu ver­ste­hen. Plötz­lich wer­den Er­in­ne­run- gen an Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg wach. Hat­te der letzt­lich aus­ge­schie­de­ne Mi­nis­ter nicht eben­falls die vol­le Rü­cken­de­ckung der Kanz­le­rin?

Von der Ley­en steht in je­dem Fall un­ter mas­si­vem Druck, die Skan­da­le bei der Bun­des­wehr lü­cken­los auf­zu­klä­ren und da­für zu sor­gen, dass sich sol­che Vor­gän­ge nicht wie­der­ho­len. Das gilt um­so mehr, als der Bun­des­tags­wahl­kampf sei­ne Schat­ten vor­aus­wirft.

Zwar sind pau­scha­le Vor­wür­fe, wie die Mi­nis­te­rin sie un­ge­schickt ge­äu­ßert hat, nicht an­ge­bracht. Fest steht aber auch: Ex­tre­mis­mus darf in der Bun­des­wehr kei­nen Platz ha­ben, eben­so we­nig wie men­schen­ver­ach­ten­de Er­nied­ri­gun­gen, De­mü­ti­gun­gen und Schi­ka­nen. Je­der ein­zel­ne der­ar­ti­ge Fall ist ei­ner zu viel und bringt die Bun­des­wehr in Ver­ruf – be­son­ders, wenn er hin­ter­her auch noch ver­tuscht wird.

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