Han­ta­vi­rus in der Re­gi­on stark ver­brei­tet

Re­gi­on Os­na­brück mit den meis­ten In­fek­tio­nen in Nie­der­sach­sen – Auch Ems­land und Graf­schaft be­trof­fen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Ni­co Buch­holz

Die Re­gi­on Os­na­brück ver­zeich­net seit Jah­ren die meis­ten In­fek­tio­nen mit Han­ta­vi­ren in ganz Nie­der­sach­sen. Auch im Ems­land und der Graf­schaft Bent­heim wird der Er­re­ger häu­fig fest­ge­stellt. Das geht aus ei­ner Sta­tis­tik des Ro­bert-Koch-In­sti­tu­tes her­vor. Dem­nach sind in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren mehr als 70 Pro­zent al­ler Fäl­le in Nie­der­sach­sen rund um Os­na­brück, Nord­horn und Mep­pen auf­ge­tre­ten.

Der in Deutsch­land ver­brei­te­te Vi­rus­typ ver­ur­sacht meis­tens Fie­ber, be­glei­tet von Kopf-, Mus­kel- und Glie­der­schmer­zen. Zu­sätz­lich kön­nen Hus­ten oder Seh­stö­run­gen auf­tre­ten. Spä­ter kann es zu Bauch­schmer­zen und Durch­fall kom­men. Über­tra­gen wird das Han­ta­vi­rus durch Na­ge­tie­re. Die Er­re­ger wer­den mit Spei­chel, Kot oder Urin aus­ge­schie­den. Meist wer­den Han­ta­vi­ren durch auf­ge­wir­bel­ten Staub ein­ge­at­met. Der Ge­sund­heits­dienst für Land­kreis und Stadt Os­na­brück ruft des­halb bei Ar­beit im Frei­en zur Vor­sicht auf.

Ein Er­re­ger hält sich hart­nä­ckig in un­se­rer Re­gi­on: In­ner­halb Nie­der­sach­sens ver­zeich­nen Land­kreis und Stadt Os­na­brück seit Jah­ren die meis­ten In­fek­tio­nen mit dem Han­ta­vi­rus. Auch im Ems­land und der Graft­schaft Bent­heim mel­den die Ärz­te re­gel­mä­ßig Fäl­le. Für die­se re­gio­na­le Häu­fung gibt es ver­schie­de­ne Grün­de.

Die Re­gi­on im Süd­wes­ten Nie­der­sach­sens ist lan­des­weit der Schwer­punkt für In­fek­tio­nen mit dem Han­ta­vi­rus. Ein Blick auf die Sta­tis­tik des Ro­bert-Koch-In­sti­tu­tes macht das Aus­maß deut­lich.

Seit 2012 hat es in Nie­der­sach­sen bis ges­tern ins­ge­samt 382 ge­mel­de­te In­fek­tio­nen ge­ge­ben. 158 da­von ent­fal­len auf den Land­kreis Os­na­brück, 30 auf die Stadt Os­na­brück. Das Ems­land ver­zeich­ne­te 37 In­fek­tio­nen, die Graf­schaft Bent­heim 44. So­mit sind mehr als 70 Pro­zent der lan­des­wei­ten Er­kran­kun­gen in der Re­gi­on Os­na­brück, dem Ems­land und der Graf­schaft Bent­heim auf­ge­tre­ten. In Ost­fries­land wer­den hin­ge­gen kaum Fäl­le ge­mel­det.

Der Vi­rus­typ, der in Mit­tel­eu­ro­pa ver­brei­tet ist, ver­ur­sacht häu­fig grip­pe­ähn­li­che Sym­pto­me. Da­zu zäh­len ho­hes Fie­ber so­wie Kopf-, Bauch- und Rü­cken­schmer­zen. In spä­te­ren Pha­sen kann die Krank­heit die Nie­re an­grei­fen. Der Mensch in­fi­ziert sich über den Kon­takt mit Aus­schei­dun­gen von in­fi­zier­ten Na­gern oder wenn Staub auf­ge­wir­belt und die Er­re­ger ein­ge­at­met wer­den. Ei­ne In­fek­ti­on durch Bis­se ist eben­falls mög­lich.

Doch woran liegt es, dass das Han­ta­vi­rus in dem Ge­biet der­ma­ßen ver­brei­tet ist? Ein Grund ist wohl die Nä­he zum Teu­to­bur­ger Wald. Die Wir­te der Han­ta­vi­ren sind Na­ge­tie­re wie Mäu­se und Rat­ten. Laut Hol­ger Schar­lach, Spre­cher des Lan­des­ge­sund­heits­am­tes Nie­der­sach­sen, fin­den die Mäu­se hier idea­le Vor­aus­set­zun­gen: „Im Teu­to­bur­ger Wald gibt es vie­le Bu­chen. De­ren Buch­eckern die­nen den Tie­ren als Nah­rung.“Des­halb kön­nen sich die Na­ger schnell ver­meh­ren.

Ein wei­te­rer Grund könn­te die über­durch­schnitt­li­che Ver­brei­tung des Han­ta­vi­rus un­ter den Mäu­sen im süd­west­li­chen Nie­der­sach­sen sein. „Es könn­te sein, dass sich das Vi­rus in der dor­ti­gen Po­pu­la­ti­on stark ein­ge­nis­tet hat und sich die Tie­re un­ter­ein­an­der an­ste­cken“, so Schar­lach. Die ho­he Zahl der Mel­dun­gen könn­te au­ßer­dem zum Teil dar­aus re­sul­tie­ren, dass Me­di­zi­ner in der Re­gi­on auf das Han­ta­vi­rus sen­si­bi­li­siert sind. „Sie er­ken­nen das Vi­rus schnell und mel­den es.“

Der Ge­sund­heits­dienst des Land­krei­ses be­ob­ach­tet die Ent­wick­lung seit Jah­ren und ruft die Be­völ­ke­rung zur Vor­sicht auf. Denn die Krank­heit kann ernst ver­lau­fen. „Der Er­re­ger, der hier ver­brei­tet ist, kann un­ter an­de­rem ei­ne Nie­ren­funk­ti­ons­stö­rung ver­ur­sa­chen“, er­klärt Pe­ter Ten­ha­ken, Lei­ter der Ab­tei­lung für In­fek­ti­ons­schutz und Um­welt­hy­gie­ne beim Ge­sund­heits­dienst für Stadt und Land­kreis Os­na­brück. Be­trof­fe­ne müs­sen vor­über­ge­hend zur Dia­ly­se oder schlimms­ten­falls auf die In­ten­siv­sta­ti­on. „Beim Han­ta­vi­rus han­delt es sich nicht um ei­ne Ba­ga­tel­ler­kran­kung“, so Ten­ha­ken. In der Re­gel stellt der in der Re­gi­on ver­brei­te­te Er­re­ger aber kei­ne Le­bens­ge­fahr dar. „Es be­steht kein Grund zur Pa­nik, aber die Men­schen soll­ten sich bei der Ar­beit im Gar­ten oder im Schup­pen schüt­zen.“

Be­son­ders im Früh­ling, wenn die Ar­beit im Gar­ten an­steht, sei die Ge­fahr ei­ner In­fek­ti­on groß. „Der Er­re­ger hält sich sehr lan­ge“, sagt Ten­ha­ken. Auf­fäl­lig sind die Wel­len­be­we­gun­gen, in de­nen die Krank­heits­fäl­le auf­tau­chen. 2012 war ein Jahr mit be­son­ders vie­len Mel­dun­gen – 177 in Nie­der­sach­sen, da­von 101 im Land­kreis Os­na­brück. „Al­le paar Jah­re wer­fen die Bu­chen be­son­ders vie­le Buch­eckern ab“, sagt Pe­ter Ten­ha­ken. Nach ei­ner sol­chen so­ge­nann­ten Bu­chen­mast stei­gen die Mäu­se­po­pu­la­ti­on und die In­fek­ti­ons­ge­fahr.

Auch seit Be­ginn die­ses Jah­res tritt das Vi­rus wie­der ver­stärkt auf. Das Ro­ber­tKoch-In­sti­tut ver­zeich­net 18 In­fek­tio­nen in Nie­der­sach­sen – zehn da­von in Stadt und Land­kreis Os­na­brück. Erst im April warn­te der Ge­sund­heits­dienst des Land­krei­ses Os­na­brück des­halb vor den Er­re­gern. Ten­ha­ken ap­pel­liert dar­um an die Be­völ­ke­rung: „Beim Han­ta­vi­rus kann man sich mit ver­tret­ba­rem Auf­wand schüt­zen.“

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum Han­ta­vi­rus fin­den Sie in un­se­rem On­li­ne­an­ge­bot. Al­les über die Sym­pto­me der Krank­heit, die In­ku­ba­ti­ons­zeit und wie man sich vor An­ste­ckung schützt, gibt es auf noz.de/han­ta­vi­rus

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