Rub­ben­bruch­see: Gast­wirt är­gert sich

War­um Müll und Au­tos dem Rub­ben­bruch­see-Gast­wirt Pro­ble­me be­rei­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Nor­bert Mey­er

Über wil­des Gril­len, Müll und feh­len­de Park­plät­ze am Rub­ben­bruch­see klagt Cars­ten Lin­ge­mann, Be­trei­ber des dor­ti­gen Ca­fés und Re­stau­rants, an­läss­lich ei­nes In­for­ma­ti­ons­be­suchs von Bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert.

Rub­ben­bruch­see-Gast­wirt Cars­ten Lin­ge­mann sorgt sich we­gen der vie­len Au­tos und des Mülls um sein Ge­schäft. Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert zeigt Ver­ständ­nis, kann aber we­nig än­dern.

Um die Zu­kunft geht es, als sich Klein und Groß im Ca­fé und Re­stau­rant am Rub­ben­bruch­see be­geg­nen. Emi­lia (10), Fünft­kläss­le­rin aus Hasbergen, trifft dort den fast ein hal­bes Jahr­hun­dert äl­te­ren Wolf­gang Grie­sert, Ober­bür­ger­meis­ter von Os­na­brück. In dem Aus­flugs­lo­kal ab­sol­viert das Mäd­chen sei­nen „Zu­kunfts­tag“– und das Stadt­ober­haupt ei­nen In­for­ma­ti­ons­be­such.

Emi­li­as en­ga­gier­ter Ein­satz bei die­sem Her­ein­schnup­pern ins Ar­beits­le­ben be­ein­druckt den ho­hen Gast eben­so wie ih­ren „Chef“Cars­ten Lin­ge­mann (37). Vor zwölf Jah­ren hat er das eins­ti­ge „Land­haus am Rub­ben­bruch­see“über­nom­men, in der Fol­ge et­wa 650 000 Eu­ro in­ves­tiert und in ei­nes von we­ni­gen Os­na­brü­cker Lo­ka­len mit gro­ßem Bier­gar­ten im Grü­nen ver­wan­delt.

Die Ter­ras­se bie­tet 120 Gäs­ten Platz, Win­ter­gar­ten und In­nen­be­reich je­weils wei­te­ren 80 Per­so­nen. Für Lin­ge­mann, der auch den Golf­club Dü­te­tal in Wer­sen be­wir­tet, ar­bei­ten ins­ge­samt 30 Be­schäf­tig­te, da­von fünf Aus­zu­bil­den­de. „Der Um­satz ist in den letz­ten drei Jah­ren im Schnitt um zehn Pro­zent ge­stie­gen“, sagt der Chef. Den­noch sorgt er sich um man­che Din­ge, von de­nen er und sei­ne Frau Ja­na dem OB be­rich­ten. Vor al­lem ist es das häu­fi­ge Park­platz-Cha­os auf dem Weg zu ih­rem Re­stau­rant. „Die meis­ten Leu­te fah­ren so weit wie mög­lich an den See, fin­den dann kei­nen Park­platz und keh­ren wie­der um“, be­schreibt Cars­ten Lin­ge­mann die Mi­se­re, wenn auf der schma­len Zu­fahrt nichts mehr vor und zu­rück geht. Da­bei kön­ne man ganz in der Nä­he auf ei­nem Bolz­platz hin­ter dem still­ge­leg­ten Ho­tel-Roh­bau „120 bis 130 Pk­wPark­plät­ze“schaf­fen. Auch der OB be­für­wor­tet dies, nur konn­te er sich im Stadt­rat nicht durch­set­zen. „Ich bin ei­ner von 51“, be­dau­ert Grie­sert.

Die von SPD und Grü­nen do­mi­nier­te Rats­mehr­heit und da­mit die Ver­wal­tung wol­le den Haupt­park­platz für See-Be­su­cher „weit über ei­nen Ki­lo­me­ter ent­fernt am Au­to­bahn­zu­brin­ger“er­rich­ten, be­klagt Cars­ten Lin­ge­mann. Er glau­be nicht, dass vie­le be­reit sei­en, ei­nen so lan­gen Fuß­weg auf sich zu neh­men. Da­her sei die­se Pla­nung ein „Fall für das Schwarz­buch des Bun­des der Steu­er­zah­ler“.

Stadt und Gast­wirts­fa­mi­lie Lin­ge­mann lie­gen schon län­ger im Clinch. Cars­ten Lin­ge­manns Va­ter hat ge­gen die Rück­bau­ver­fü­gung für den vor mehr als zehn Jah­ren als Ho­tel ge­plan­ten Roh­bau auf sei­nem Grund­stück Kla­ge ein­ge­reicht. Dar­über, wie es wei­ter­geht mit dem von vie­len Os­na­brü­ckern als Rui­ne be­zeich­ne­ten Mau­er­werk, wer­den wohl Rich­ter ent­schei­den.

Ein wei­te­res „lei­di­ges The­ma“(Ori­gi­nal­ton Grie­sert) ist das Feh­len ei­ner öf­fent­li­chen Toi­let­te am See. Ei­gent­lich gibt es sie, aber ih­re Tü­ren sind schon lan­ge ver­schlos­sen. Lin­ge­mann lässt da­her auch Nicht-Gäs­te auf sein WC, das aber nicht für Be­hin­der­te ge­eig­net ist. Und schließ­lich der vie­le Müll an man­chen Wo­che­n­en­den und das wil­de Gril­len: Im Brand­fall fürch­tet Lin­ge­mann, dass die Feu­er­wehr we­gen der vie­len Au­tos gar nicht bis zu ihm durch­kommt. Auch hier kann Grie­sert schnel­le Ab­hil­fe nicht ver­spre­chen – auch we­gen ge­setz­li­cher Be­schrän­kun­gen der Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit für städ­ti­sche Mit­ar­bei­ter.

Den­noch hält der Tag des OB-Be­suchs mit wech­sel­haft-kal­tem April­wet­ter auch für die Gast­ge­ber Licht­bli­cke pa­rat: Um ih­ren Wunsch, Ein­kehr­mög­lich­kei­ten an Ra­d­rou­ten in der Stadt bes­ser aus­zu­schil­dern, will sich Grie­sert küm­mern. Und Rad­ler wie an­de­re Gäs­te wol­len die Lin­ge­manns bald mit kos­ten­lo­sem W-Lan oh­ne um­ständ­li­che Pass­wort­ein­ga­be zum län­ge­ren Blei­ben ani­mie­ren. Al­so trotz man­cher Ent­täu­schung tat­säch­lich ein Zu­kunfts­tag am See.

Fo­tos: Jörn Mar­tens

Bli­cken nach vorn: Cars­ten und Ja­na Lin­ge­mann mit Ober­bür­ger­meis­ter Wolf­gang Grie­sert (rechts).

Platz für bis zu 130 Au­tos wä­re nach Ein­schät­zung von Cars­ten Lin­ge­mann auf die­ser Flä­che in der Nä­he sei­nes Lo­kals, die der­zeit als Bolz­platz ge­nutzt wird.

Im Dorn­rös­chen­schlaf: Das einst­mals öf­fent­li­che WC am Rub­ben­bruch­see ist ver­schlos­sen. Vie­le See­be­su­cher ge­hen des­halb in Cars­ten Lin­ge­manns Re­stau­rant aufs Ört­chen.

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