Schwe­re Vor­wür­fe aus Lon­don

The­re­sa May macht EU schwe­re Vor­wür­fe

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Krach zwi­schen Lon­don und Brüs­sel: Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May hat EU-Ver­tre­tern am Mitt­woch vor­ge­wor­fen, mit Dro­hun­gen die bri­ti­sche Par­la­ments­wahl am 8. Ju­ni be­ein­flus­sen zu wol­len. Na­men nann­te sie aber nicht.

Groß­bri­tan­ni­en will raus aus der EU. So viel steht fest. Doch um die De­tails dürf­te es noch ei­ne Men­ge Streit ge­ben. Und die Ner­ven lie­gen schon jetzt ei­ni­ger­ma­ßen blank.

Vor den Brex­it-Ver­hand­lun­gen wird die Ton­la­ge schrill. Die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May warf Ver­tre­tern der Eu­ro­päi­schen Uni­on am Mitt­woch vor, Ein­fluss auf die für den 8. Ju­ni ge­plan­ten Un­ter­haus-Wah­len neh­men zu wol­len. Zu­dem woll­ten ei­ni­ge ein Schei­tern der Ge­sprä­che über den EU-Aus­tritt ih­res Lan­des.

EU-Chef­un­ter­händ­ler Mi­chel Bar­nier warn­te sei­ner­seits vor der Il­lu­si­on, dass der Brex­it schmerz­frei sei und rasch ver­ein­bart wer­den kön­ne. Er stel­le sich auf höchst kom­pli­zier­te Ver­hand­lun­gen ein. An­lass des zwi­schen EU-Part­nern un­ge­wöhn­lich schar­fen Schlag­ab­tauschs war un­ter an­de­rem ein Be­richt der „Fi­nan­ci­al Ti­mes“, wo­nach die EU Groß­bri­tan­ni­en beim Brex­it mehr als 100 Mil­li­ar­den Eu­ro in Rech­nung stel­len könn­te – ei­ne Zahl, die al­ler­dings von der EU nicht be­stä­tigt wur­de.

Groß­bri­tan­ni­en lehnt die Zah­lung ho­her Sum­men ab. Brex­it-Mi­nis­ter Da­vid Da­vis be­ton­te, sein Land be­zah­le nur das, wo­zu es ge­setz­lich ver­pflich­tet sei, und „nicht das, was die EU will“. Im bri­ti­schen Fern­seh­sen­der ITV sag­te er: „Wir sind kei­ne Bitt­stel­ler.“

Zu­dem hat­ten In­for­ma­tio­nen aus der EU-Kom­mis­si­on in Lon­don Em­pö­rung aus­ge­löst, wo­nach May sich Il­lu­sio­nen über po­si­ti­ve Aspek­te des Brex­it ma­che und „in ei­ner an­de­ren Ga­la­xie“le­be. „Es gibt ei­ni­ge in Brüs­sel, die nicht wol­len, dass die­se Ver­hand­lun­gen Er­folg ha­ben“, sag­te May am Mitt­woch. „Die Ver­hand­lungs­po­si­ti­on der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on hat sich ver­här­tet. Von eu­ro­päi­schen Po­li­ti­kern und Be­am­ten wur­den Dro­hun­gen ge­gen Groß­bri­tan­ni­en aus­ge­sto­ßen.“Die Äu­ße­run­gen sei­en ge­zielt so ge­setzt wor­den, dass sie die Par­la­ments­wahl be­ein­fluss­ten, sag­te May.

Die 27 blei­ben­den Län­der der Eu­ro­päi­schen Uni­on hat­ten bei ei­nem Son­der­gip­fel am Sams­tag ih­re Leit­li­ni­en für die Brex­it-Ver­hand­lun­gen ver­ab­schie­det. Am Mitt­woch leg­te EU-Chef­un­ter­händ­ler Bar­nier dann auf die­ser Grund­la­ge ei­nen For­de­rungs­ka­ta­log für die ers­te Ver­hand­lungs­pha­se vor.

Die wich­tigs­ten Zie­le: Zu­erst sol­len die Be­din­gun­gen der Tren­nung ge­klärt wer­den, dar­un­ter die Fi­nanz­fra­gen, Ga­ran­ti­en für die rund 3,2 Mil­lio­nen EU-Bür­ger in Groß­bri­tan­ni­en so­wie die 1,2 Mil­lio­nen Bri­ten im Rest der EU und die Fra­ge, wie die künf­ti­ge EU-Gren­ze zu Nord­ir­land mög­lichst durch­läs­sig ge­stal­tet wer­den kann. May will da­ge­gen so­fort auch über die künf­ti­ge Part­ner­schaft bei­der Sei­ten re­den.

Bar­nier er­läu­ter­te, dass er für die EU-Bür­ger in Groß­bri­tan­ni­en weit­rei­chen­de Rech­te si­chern will, et­wa das Auf­ent­halts­recht, Zu­gang zum Ar­beits­markt, zur Ge­sund­heits­ver­sor­gung und zum Bil­dungs­sys­tem.

Bür­ger der üb­ri­gen 27 EUStaa­ten müss­ten nach dem Brex­it in Groß­bri­tan­ni­en wei­ter­le­ben kön­nen wie heu­te. Die Rech­te sol­len vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof ein­klag­bar sein – was für Groß­bri­tan­ni­en kaum ak­zep­ta­bel ist. Bar­nier be­harr­te zu­dem dar­auf, dass das Land für al­le fi­nan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen ge­ra­de­ste­hen müs­se, die es als EU-Land ein­ge­gan­gen sei. „Es han­delt sich we­der um ei­ne Be­stra­fung noch um ei­ne Aus­tritt­steu­er“, be­ton­te er. „Wir müs­sen die Rech­nun­gen be­glei­chen, nicht mehr und nicht we­ni­ger.“

Bar­nier kün­dig­te an, die EU wer­de „mit küh­lem Kopf und lö­sungs­ori­en­tiert“in die Ver­hand­lun­gen ge­hen. Der Fran­zo­se warn­te Lon­don aber da­vor, den Start der Ge­sprä­che zu ver­zö­gern. Sie müss­ten nach der vor­ge­zo­ge­nen Neu­wahl am 8. Ju­ni so schnell wie mög­lich be­gin­nen, sag­te er: „Die Uhr tickt.“May kün­dig­te an, sie wer­de in den Ge­sprä­chen „ei­ne ver­dammt schwie­ri­ge Frau“sein. Ein Es­sen zwi­schen Juncker und May ver­gan­ge­ne Wo­che ver­lief nach Me­dien­be­rich­ten schwie­rig. Die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“be­rich­te­te un­ter dem Ti­tel „Das de­sas­trö­se Brex­it-Din­ner“, Juncker sei nun „zehn­mal skep­ti­scher als zu­vor“zum Aus­gang der Brex­it-Ver­hand­lun­gen.

Fo­to: dpa

Auf dem Weg zur Queen: die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May.

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