Zahl is­la­mis­ti­scher Ge­fähr­der steigt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik - Von Ma­ri­on Trim­born

In Deutsch­land wer­den im­mer mehr is­la­mis­ti­sche Ge­fähr­der re­gis­triert. Der­zeit ken­nen die Si­cher­heits­be­hör­den 657 ge­fähr­li­che Per­so­nen, de­nen man hier­zu­lan­de ei­nen Ter­ror­an­schlag zu­traut. Das geht aus Zah­len des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes (BKA) her­vor, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­lie­gen. Der Trend geht nach oben: En­de Ja­nu­ar wa­ren es erst 570 Ge­fähr­der. Seit Be­ginn des Sy­ri­en-Kon­flikts hat sich die Zahl laut BKA ver­vier­facht.

Rund die Hälf­te hält sich in Deutsch­land auf, et­wa 100 von ih­nen sit­zen in Haft. Vie­le wer­den po­li­zei­lich über­wacht. Da­zu kom­men 388 „re­le­van­te Per­so­nen“, al­so mög­li­che Hel­fer und Un­ter­stüt­zer von ter­ro­ris­ti­schen An­schlä­gen.

Grund für die­sen An­stieg ist laut Si­cher­heits­be­hör­den, dass Fahn­der seit dem An­schlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt im De­zem­ber 2016 durch den Is­la­mis­ten Anis Am­ri ge­nau­er hin­se­hen. Die Fahn­der un­ter­schätz­ten den At­ten­tä­ter fa­tal. Mit ei­nem neu­en Ri­si­ko­be­wer­tungs­sys­tem stu­fen sie das Ge­wal­t­ri­si­ko von Ge­fähr­dern bun­des­weit ein­heit­lich ein. Au­ßer­dem rei­sen im­mer we­ni­ger Is­la­mis­ten mit deut­schem Pass aus, um sich den Kämp­fern der Ter­ror­mi­liz IS in Sy­ri­en oder im Irak an­zu­schlie­ßen, son­dern blei­ben lie­ber in Deutsch­land. Der Kampf des IS ist nicht mehr so at­trak­tiv, seit die Ter­ror­mi­liz mi­li­tä­risch zu­rück­ge­drängt wird.

Ei­ne gro­ße Ge­fahr geht da­bei von is­la­mis­ti­schen Rück­keh­rern mit Kamp­f­er­fah­rung aus. Die Be­hör­den ha­ben der­zeit nach BKA-An­ga­ben mehr als 920 aus­ge­reis­te Per­so­nen re­gis­triert – 20 mehr als En­de Ja­nu­ar. Mehr als 70 da­von ha­ben sich ak­tiv an Kämp­fen be­tei­ligt oder wa­ren in Aus­bil­dungs­camps. Et­wa 145 sind laut BKA in Sy­ri­en oder im Irak ums Le­ben ge­kom­men.

Der Be­griff des Ge­fähr­ders ist recht­lich nicht de­fi­niert. Die Lin­ken-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Ul­la Jelp­ke kri­ti­sier­te: „Das Be­griff­s­cha­os um so­ge­nann­te Ge­fähr­der muss end­lich be­en­det wer­den.“Dass die Da­ten zu Ge­fähr­dern re­gel­mä­ßig an aus­län­di­sche Po­li­zei­be­hör­den und so­gar an das FBI gin­gen, sei „ex­trem frag­wür­dig“.

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