Von der Ley­ens loya­le Li­be­ros

BUN­DES­WEHR-SKAN­DAL Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en steht un­ter Druck. Nach ei­nem Be­such in der Ka­ser­ne in Ill­kirch ver­spricht sie for­cier­te Auf­klä­rung, übt Kri­tik – und ver­tei­digt die Mehr­heit der Sol­da­ten. Os­na­brü­cker seit 2003 an ih­rer Seit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Einblicke - Von Bea­te Ten­fel­de

Die Bun­des­wehr ist an­fäl­lig für Af­fä­ren – das hat bis­her noch je­dem Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter zu schaf­fen ge­macht. War­um soll­te die am­tie­ren­de Res­sort­che­fin Ur­su­la von der Ley­en ver­schont blei­ben? Mit Re­kru­ten-Miss­hand­lun­gen muss­te sich selbst der all­seits ge­lob­te Pe­ter Struck (SPD) her­um­schla­gen.

Aber der ak­tu­el­le Fall des Of­fi­ziers, mut­maß­li­chen Be­trü­gers und Ter­ror­ver­däch­ti­gen Fran­co A. er­reicht ei­ne neue Di­men­si­on, soll­ten sich Hin­wei­se auf ein brau­nes Netz­werk in der Bun­des­wehr ver­dich­ten. Von der Ley­en wird des­halb mehr und mehr zur Selbst­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin – und ver­lässt sich da­bei wie im­mer auf lang­jäh­ri­ge Ver­trau­te.

Die ha­ben der ehr­gei­zi­gen CDU-Po­li­ti­ke­rin im­mer schon zur Vor­wärts-Ver­tei­di­gung ge­ra­ten. Ei­ner, der seit Be­ginn ih­rer Mi­nis­ter­kar­rie­re als Staats­se­kre­tär an ih­rer Sei­te steht, ist Gerd Hoo­fe. Heu­te ist der 1955 ge­bo­re­ne Os­na­brü­cker im Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ne­ben Pres­se­spre­cher Jens Flos­dorff ei­ner ih­rer wich­tigs­ten Kri­sen­ma­na­ger.

Schon im März 2003 war der Ju­rist Hoo­fe und da­ma­li­ge Land­ratstell­ver­tre­ter im Kreis Os­na­brück zu von der Ley­en ge­wech­selt, die im Ka­bi­nett von Chris­ti­an Wul­ff bis No­vem­ber 2005 das nie­der­säch­si­sche Mi­nis­te­ri­um für So­zia­les, Frau­en, Fa­mi­lie und Ge­sund­heit über­nahm. Flos­dorff kam in Han­no­ver als Vi­ze-Pres­se­spre­cher hin­zu. Hoo­fe und Flos­dorff gin­gen mit, als die Christ­de­mo­kra­tin im No­vem­ber 2005 nach Ber­lin wech­sel­te und bis De­zem­ber 2009 in der ers­ten von Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ge­führ­ten Re­gie­rung als Bundesfamilienministerin fun­gier­te. Hoo­fe wie Flos­dorff zo­gen mit, als die Nie­der­säch­sin von An­fang 2010 bis De­zem­ber 2013 das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les führ­te.

In al­len Mi­nis­te­ri­en zeig­te von der Ley­en aus­ge­präg­te Nei­gung zu me­dia­ler Ver­mark­tung, sie konn­te char­mant und ge­win­nend, aber gleich­zei­tig auch kühl kal­ku­lie­rend und hart sein. 2013 wur­de von der Ley­en als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin erst als „Mut­ter der Kom­pa­nie“be­lä­chelt. Die wie ei­ne Kon­zern­che­fin agie­ren­de Po­li­ti­ke­rin zeig­te aber Durch­set­zungs­kraft in dem schwer zu füh­ren­den Res­sort, in dem ihr Vor­gän­ger Thomas de Mai­ziè­re ge­schei­tert war.

Scha­den­freu­de?

Doch 2014 er­wie­sen sich die durch jah­re­lan­ge Fehl­pla­nung und Miss­ma­nage­ment er­zeug­ten Ma­te­ri­al­pro­ble­me der Trup­pe als so groß, dass Deutsch­land sei­ne Bünd­nis­zu­sa­gen an die Na­to nicht ein­hal­ten konn­te. In ei­nem Kri­sen­fall wä­re die Bun­des­wehr nicht in der La­ge ge­we­sen, die zu­ge­sag­ten Flug­zeu­ge und Hub­schrau­ber be­reit­zu­stel­len. Das räum­te von der Ley­en un­ge­schönt ein, nicht oh­ne auf die Feh­ler der Vor­gän­ger zu ver­wei­sen.

Die­se Art, Feh­ler und Kri­sen von sich fern­zu­hal­ten, brach­te der Mi­nis­te­rin vie­le Fein­de. Gut mög­lich, dass man­cher Scha­den­freu­de hegt we­gen der aku­ten Pro­ble­me der 58-Jäh­ri­gen. Hoo­fe und Flos­dorff, von der Ley­ens Li­be­ros, agie­ren im Kri­sen­mo­dus – und stüt­zen die Mi­nis­te­rin im Ab­wehr­kampf.

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