Schie­fer­gas-Fracking: Vor­erst kei­ne Pro­be­boh­run­gen

Erd­gas­bran­che drängt Bun­des­re­gie­rung – Wi­der­stand der Län­der

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Nordwest - Von Chris­ti­an Schaud­wet

OS­NA­BRÜCK. Boh­run­gen zur Er­pro­bung des um­strit­te­nen Schie­fer­gas-Frackings sind in Deutsch­land seit Fe­bru­ar per Ge­setz er­laubt. Ob es da­zu kommt, steht je­doch in den Ster­nen. Die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Ex­per­ten­kom­mis­si­on ist noch nicht be­setzt, die Erd­gas­un­ter­neh­men ha­ben noch kei­ne Boh­rung be­an­tragt. Und die Bun­des­län­der sträu­ben sich.

Von den vier Erd­gas-Pro­be­boh­run­gen in öko­lo­gisch sen­si­blen Schie­fer­ge­steins­schich­ten, die ge­setz­lich zu­ge­las­sen sind, wird so bald kei­ne nie­der­ge­bracht. Da­bei tickt die Uhr: Laut Ge­setz sol­len die Boh­run­gen, mit de­nen das un­kon­ven­tio­nel­le Fracking er­forscht wer­den soll, bis 2021 statt­fin­den.

Die Bran­che drängt: „2021 ist nicht mehr weit weg. Es ist an der Zeit, die Ex­per­ten­kom­mis­si­on zu be­set­zen und mit der Ar­beit zu be­gin­nen“, sagt Mar­tin Bach­mann, Chef des Bun­des­ver­bands Erd­gas, Erd­öl und Geo­en­er­gie. Die Bun­des­re­gie­rung sei am Zug. „Sie muss fest­le­gen, was die Zie­le der vier Pi­lot­pro­jek­te sein sol­len.“

Oh­ne Kom­mis­si­on kei­ne Pro­be­boh­rung. Das ein­schlä­gi­ge Ge­setz for­dert, dass Erd­gas­un­ter­neh­men bei den vier Boh­run­gen wis­sen­schaft­lich be­glei­tet wer­den. Sechs Fach­leu­te von wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tu­ten, Lan­des- und Bun­des­be­hör­den sol­len dem Gre­mi­um an­ge­hö­ren, dar­un­ter Ab­ge­sand­te des Um­welt­bun­des­amts, der Bun­des­an­stalt für Geo­wis­sen­schaf­ten und Roh­stof­fe und des Helm­holtz-Zen­trums für Um­welt­for­schung Leip­zig.

Doch ha­ben nach An­ga­ben des zu­stän­di­gen Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­ri­ums noch nicht ein­mal Son­die­run­gen für die Be­set­zung be­gon­nen. Das Mi­nis­te­ri­um war­tet sei­ner­seits dar­auf, dass die Un­ter­neh­men sich re­gen: Es be­ste­he „nach wie vor kein An­lass, mit der Be­nen­nung der Kom­mis­si­on zu be­gin­nen“, weil die Un­ter­neh­men noch kein kon­kre­tes In­ter­es­se an­ge­mel­det hät­ten. Ein wei­te­res Hin­der­nis ne­ben den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­men zwi­schen Bran­che und Bun­des­re­gie­rung bil­den die Bun­des­län­der. Das Ge­setz sieht ei­nen Län­der­vor­be­halt vor: Soll die Me­tho­de test­wei­se an­ge­wen­det wer­den, müss­te das je­wei­li­ge Land zu­stim­men. Bis­her schlie­ßen aber fast al­le Lan­des­re­gie­run­gen Pro­be­boh­run­gen aus.

Schie­fer­gas-Fracking wie an die­ser Bohr­stel­le in den USA soll in Deutsch­land er­probt wer­den.

Fo­to: dpa

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