So­zi­al­wahl – Bis En­de Mai wird ge­wählt

Bun­des­weit wäh­len 51 Mil­lio­nen Ver­si­cher­te ih­re eh­ren­amt­li­chen Ver­tre­ter

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

Noch bis zum 31. Mai ha­ben 51 Mil­lio­nen Rent­ner und Ver­si­cher­te in Deutsch­land die Ge­le­gen­heit, bei der So­zi­al­wahl die Ar­beit der Kran­ken-, Pfle­ge-, Ren­ten- und Un­fall­ver­si­che­rung mit­zu­ge­stal­ten. Doch was ge­nau ge­wählt wird und wie wich­tig die Stimm­ab­ga­be ist, bleibt vie­len ein Rät­sel. Wir ha­ben die wich­tigs­ten In­for­ma­tio­nen zu­sam­men­ge­tra­gen.

Seit über 30 Jah­ren en­ga­giert sich Hu­bert Al­bers aus Wal­len­horst für das Kol­ping­werk in der so­zia­len Selbst­ver­wal­tung. Als or­dent­li­ches Mit­glied der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund ver­tritt er die In­ter­es­sen von Ver­si­cher­ten und Rent­nern. Mehr­mals im Jahr nimmt Al­bers bis­her an den Ver­tre­ter­ver­samm­lun­gen oder den Sit­zun­gen des Aus­schus­ses für „Haus­halt und Fi­nan­zen“teil. Doch jetzt will der 70Jäh­ri­ge kür­zer­tre­ten. „In mei­nem Al­ter soll­te man für die Jün­ge­ren Platz ma­chen“, sagt der ehe­ma­li­ge Elek­tro­tech­ni­ker mit ei­nem Lä­cheln auf den Lip­pen.

Dass er und an­de­re jah­re­lang die In­ter­es­sen vie­ler Ver­si­cher­ten ver­tre­ten und wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen in den So­zi­al­ver­si­che­run­gen be­ein­flusst ha­ben, ist vie­len Wahl­be­rech­tig­ten nicht be­wusst. Vie­ler­orts wer­den die Wahl­un­ter­la­gen kur­zer­hand ent­sorgt, das Recht auf Ein­fluss­nah­me un­ge­nutzt lie­gen ge­las­sen. Bei der ver­gan­ge­nen Wahl im Jahr 2011 lag die Wahl­be­tei­li­gung le­dig­lich bei 30 Pro­zent.

Seit 1953 ist die So­zi­al­wahl fes­ter Be­stand­teil der Mit­be­stim­mung und stellt nach der Bun­des­tags- so­wie Eu­ro­pa­wahl den dritt­größ­ten Wah­l­ent­scheid auf Bun­des­ebe­ne dar. Al­le sechs Jah­re wer­den die ein­zel­nen Ver­tre­ter­ver­samm­lun­gen be­zie­hungs­wei­se Par­la­men­te der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund, der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Saar­land so­wie der Er­satz­kas­sen Bar­mer, TK, DAK-Ge­sund­heit, KKH und HKK ge­wählt, die sich aus Ver­si­cher­ten und Ar­beit­ge­bern zu­sam­men­set­zen.

Selbst­ver­wal­tung

Die eh­ren­amt­li­chen Ver­tre­ter, auch Selbst­ver­wal­ter ge­nannt, en­ga­gie­ren sich in Par­la­ments­sit­zun­gen und ver­schie­de­nen Aus­schüs­sen, ent­schei­den un­ter an­de­rem über die Ver­wen­dung der ge­leis­te­ten Bei­trä­ge.

Bei der So­zi­al­wahl stel­len zum Bei­spiel Ge­werk­schaf­ten und an­de­re Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen, die so­zi­alund be­rufs­po­li­ti­sche Zie­le ver­tre­ten, ih­re Kan­di­da­ten in Lis­ten auf. Die Wahl­be­rech­tig­ten ge­ben dann ih­re Stim­me für ei­ne der zwölf Lis­ten ab, die 2017 zur Wahl ste­hen. Je mehr Stim­men ei­ne Lis­te er­hält, des­to mehr Sit­ze kann sie in den Par­la­men­ten mit ih­ren Kan­di­da­ten be­set­zen. Au­ßer­dem kön­nen Ver­si­cher­te ei­ge­ne „Freie Lis­ten“auf­stel­len, wenn sie die da­für not­wen­di­ge Zahl an Un­ter­stüt­zern nach­wei­sen. Wahl­be­rech­tigt sind Ver­si­cher­te und Ren­ten­emp­fän­ger, die am 1. Ja­nu­ar 2017 das 16. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben.

Die ge­wähl­ten Ver­tre­ter ent­schei­den un­ter an­de­rem über Haus­hal­te, die An­pas­sung von Leis­tun­gen oder Zu­satz­bei­trä­ge bei den Kas­sen. In den Wi­der­spruchs­aus­schüs­sen, in de­nen seit 2011 auch Hu­bert Al­bers ver­tre­ten ist, wird im Ein­zel­fall ge­prüft, ob dem Wi­der­spruch ei­nes Ver­si­cher­ten ge­gen die Ent­schei­dung ei­ner Kran­ken­kas­se statt­ge­ge­ben wird. Au­ßer­dem wer­den so­ge­nann­te Ver­si­cher­ten­be­ra­ter ein­ge­setzt, die Hil­fe­su­chen­den vor Ort für ei­ne per­sön­li­che Be­ra­tung zur Ver­fü­gung ste­hen. „Bei der So­zi­al­wahl kön­nen Ver­si­cher­te ihr Recht auf Mit­ge­stal­tung wahr­neh­men und ihr de­mo­kra­ti­sches Grund­recht gel­tend ma­chen“, sagt Hu­bert Al­bers.

Ge­wählt wird per Brief, Wahl­ur­nen gibt es nicht. Via Post wur­den die Wahl­un­ter­la­gen zwi­schen dem 25. April und dem 4. Mai an die Haus­hal­te ver­schickt, Stich­tag ist der 31. Mai. Da es sich um ei­ne Ur­wahl han­delt, kann es sein, dass Wahl­be­rech­tig­te zwei Wahl­brie­fe be­kom­men.

Ein Kreuz­chen

Pro Stimm­zet­tel dür­fen Wäh­ler nur ein Kreuz­chen ma­chen. Die­ser muss an­schlie­ßend in den bei­lie­gen­den ro­ten Um­schlag ge­steckt und kann kos­ten­los zu­rück­ge­schickt wer­den.

Mit­glie­der der Bar­mer er­hal­ten ih­re Un­ter­la­gen erst An­fang Sep­tem­ber, da die Bar­mer und die Deut­sche BKK An­fang des Jah­res fu­sio­nier­ten. Bei ih­nen en­det die Frist am 4. Ok­to­ber. Zwei Wo­chen nach dem En­de der Wahl­frist sol­len al­le Stim­men aus­ge­zählt sein. Die Er­mitt­lung er­folgt nach dem Ver­hält­nis­wahl­recht.

Fo­to: dpa

51 Mil­lio­nen Ver­si­cher­te ha­ben die Mög­lich­keit, bei der So­zi­al­wahl ih­re Stim­me ab­zu­ge­ben.

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