Ein ganz spe­zi­el­ler Ho­me Run

New Yor­ker Base­ball-Fan ehrt ver­stor­be­nen Freund auf be­son­de­re Art und ver­streut Asche in Sta­di­en

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel - Mehr ku­rio­se Ge­schich­ten aus der Welt auf noz.de/ver­misch­tes.

Von Thomas Sei­bert

Base­bal­lFans sind treue See­len – wenn auch nicht al­le so weit ge­hen wür­den wie der 56jäh­ri­ge New Yor­ker Tom McDo­nald. Schon als Kind spiel­te McDo­nald Base­ball mit sei­nem bes­ten Freund aus der Nach­bar­schaft, Roy Rie­gel. Spä­ter be­such­ten die bei­den Män­ner als Fans der New York Mets ge­mein­sam zahl­lo­se Spie­le ih­rer Mann­schaft. Nicht ein­mal Rie­gels Tod vor neun Jah­ren konn­te die en­ge Freund­schaft be­en­den.

McDo­nald bat die Fa­mi­lie sei­nes Kum­pels da­mals um ei­nen Teil der Asche von Roy und ver­teilt den Staub seit­her in Base­ball-Sta­di­en in den USA und Ka­na­da. Zu Eh­ren von Rie­gel, ei­nem Klemp­ner, tut er dies auf ganz be­son­de­re Wei­se: Wäh­rend ei­nes Spiels streut McDo­nald ei­ne Por­ti­on Asche in ei­ne Sta­di­on-Toi­let­te und zieht ab.

Dass Base­ball-Fans ih­re Freun­de oder Ver­wand­ten bit­ten, nach ih­rem Tod ih­re Asche auf die Spiel­fel­der be­son­ders be­kann­ter Sta­di­en zu streu­en, ist für man­che Clubs schon lan­ge ein Pro­blem. Der Be­sit­zer ei­nes Be­er­di­gungs­un­ter­neh­mens in Chi­ca­go sag­te der „Chi­ca­go Sun Ti­mes“im ver­gan­ge­nen Jahr, auf dem Ra­sen des le­gen­dä­ren Wrigley-Field-Sta­di­ons der Stadt lä­gen schät­zungs­wei­se meh­re­re Ki­lo mensch­li­che Asche. Doch der Ein­satz von Toi­let­ten ist neu.

Er sei si­cher, dass Roy nichts an­de­res von ihm ge­wollt hät­te, sag­te McDo­nald der „New York Ti­mes“. Schließ­lich sei sein Freund nicht nur ein Base­ball-Fa­na­ti­ker und Klemp­ner ge­we­sen, son­dern auch et­was „wild“. Rie­gels Bru­der Hank be­stä­tig­te der Zei­tung, Roy ha­be sich nie an Re­geln ge­hal­ten. Das mag zu Roys frü­hem Tod im Al­ter von 48 Jah­ren bei­ge­tra­gen ha­ben: Rie­gel starb im April 2008, am Tag des ers­ten Heim­spiels der Mets in der da­ma­li­gen Sai­son.

Rie­gel mag „wild“ge­we­sen sein – doch auch sein Freund McDo­nald, ein pen­sio­nier­ter Mit­ar­bei­ter der New Yor­ker Ver­kehrs­be­trie­be, hat sei­ne ex­zen­tri­schen Zü­ge. Der Samm­ler von Base­ball-An­den­ken und Ver­fas­ser von meh­re­ren Tau­send Ge­dich­ten über Base­ball be­wahrt den Vor­rat mit der Asche sei­nes Kum­pels in ei­ner al­ten Erd­nuss-Do­se auf, die er mit Ti­ckets von Base­ball-Spie­len ver­ziert hat. Vor je­dem neu­en Sta­di­on- und Toi­let­ten­be­such füllt McDo­nald et­was Asche in ein lee­res Fläsch­chen des Schmerz­mit­tels Ad­vil, mit dem er ir­gend­wann im Ver­lauf des Spiels dis­kret im Klo­sett ver­schwin­det. Wenn es sich er­gibt, kann er sich bei der Ge­le­gen­heit auch gleich selbst er­leich­tern – al­ler­dings spült er stets ab, be­vor er die Ad­vil-Fla­sche zückt. Nach ei­ner an­de­ren Re­gel, die er sich bei der Ze­re­mo­nie selbst auf­er­legt hat, muss das be­tref­fen­de Spiel im Gan­ge sein, wenn die Asche in der Schüs­sel ver­schwin­det.

Fo­to: AFP

Wrigley-Field-Sta­di­on in Chi­ca­go.

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