Pa­cken­der „Un­ter Ver­dacht“-Zwei­tei­ler

Nach Dop­pel­fol­ge auf Ar­te nur noch drei Fil­me bis zum En­de der Kri­mi­rei­he

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen - auf noz.de/me­di­en

Erst­mals wur­de ei­ne Fol­ge „Un­ter Ver­dacht“als Zwei­tei­ler pro­du­ziert, den Ar­te an ei­nem Stück aus­strahlt. Die Ge­schich­te um die Su­che nach ei­nem Bom­ben­at­ten­tä­ter ist der An­fang vom En­de ei­ner Aus­nah­me­rei­he.

Von Tom Hei­se

„Du weißt nie, wann du auf­hö­ren musst!“, em­pört sich Dr. Rei­ter (Gerd Ant­hoff) über die un­be­irr­ba­re Dr. Eva Ma­ria Pro­hacek (Sen­ta Ber­ger). Da­bei ist das En­de der in­ter­nen Er­mitt­lun­gen der Kri­mi­nal­rä­tin und ih­res As­sis­ten­ten André Lang­ner (Ru­dolf Krau­se) be­schlos­se­ne Sa­che. Nach­dem erst- und letzt­mals „Un­ter Ver­dacht“als Zwei­tei­ler pro­du­ziert wur­de, den Ar­te an ei­nem Stück aus­strahlt, wird es nur noch drei Fol­gen der seit 2002 lau­fen­den Rei­he ge­ben. Dann ist Schluss, wie Ru­dolf Krau­se im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on be­stä­tig­te. „Zwei sind schon ab­ge­dreht. Und ei­ne letz­te Fol­ge wird es noch ge­ben“, er­klärt Krau­se. Für die Zu­schau­er wür­den al­so mit die­sen drei Fil­men noch ein­ein­halb bis zwei Jah­re ver­ge­hen, bis die mer­ken wür­den, dass „Un­ter Ver­dacht“nicht mehr kom­me. „Für uns aber ist es jetzt bald vor­bei.“

Doch be­vor es so weit ist, er­mit­teln die scharf­sin­ni­ge Pro­hacek und der schlak­si­ge Lang­ner in ei­nem Fall, der mit viel Ac­tion auf­war­tet. Ei­ni­ge Mo­na­te nach ei­nem Bom­ben­an­schlag auf das Ok­to­ber­fest, der zahl­rei­che Men­schen­le­ben ge­kos­tet hat,

taucht ein Vi­deo auf. Es scheint zu be­le­gen, dass es ne­ben dem Selbst­mord­at­ten­tä­ter ei­nen zwei­ten Tä­ter gab. Durch die Auf­nah­men ge­rät auch ein jun­ger tür­kisch­stäm­mi­ger Po­li­zist ins Vi­sier der Er­mitt­ler. Er hat­te sei­nen Pos­ten kurz vor der Ex­plo­si­on ver­las­sen. Dass er lan­ge Jah­re ihr Pfle­ge­kind war, macht die Sa­che für Pro­hacek nicht leich­ter.

Von der be­drü­cken­den Er­öff­nungs­se­quenz bis zum bit­te­ren Fi­na­le ist die von den Au­to­ren Flo­ri­an Iwer­sen und Ste­fan Holtz er­dach­te und von Andre­as Her­zog in­sze­nier­te Fol­ge „Ver­lo­re­ne Si­cher­heit“pa­ckend und se­hens­wert.

Der Ti­tel gilt da­bei auf meh­re­ren Ebe­nen. Zum ei­nen macht die Po­li­tik an­ge­sichts be­vor­ste­hen­der Land­tags­wah­len Druck, der ver­un­si­cher­ten Öf­fent­lich­keit ei­nen Tä­ter zu prä­sen­tie­ren. Zum an­de­ren er­lei­det Pro­hacek im Ver­lauf des Films Schlag­an­fäl­le, die sie ins Kran­ken­haus brin­gen und ih­re Sou­ve­rä­ni­tät be­ein­träch­ti­gen. We­gen ih­rer per­sön­li­chen Ver­wick­lung in den Fall lässt sich die sonst so un­be­stech­li­che Frau so­gar auf ei­nen frag­wür­di­gen De­al ein.

Und dann ist da noch Dr. Claus Rei­ter. Der ewi­ge Op­por­tu­nist, von Eva nicht zum ers­ten Mal als „fei­ges

Schwein“be­zeich­net, sieht sei­ne Fel­le da­von­schwim­men. Sei­ne Frau will die Schei­dung und steckt gleich­zei­tig dem Fi­nanz­amt, dass Rei­ter ei­ne be­trächt­li­che Sum­me Schwarz­geld auf ei­nem Kon­to im Aus­land ha­be. Gran­di­os, wie Gerd Ant­hoff die Ver­zweif­lung ei­nes Man­nes spielt, der um je­den Preis sei­nen Un­ter­gang ver­hin­dern will und da­bei je­des Maß ver­liert.

Die Kom­ple­xi­tät der Ge­schich­te recht­fer­tigt die Um­set­zung als Zwei­tei­ler. Pro­hacek und Lang­ner be­kom­men es nicht nur mit der Po­li­tik, son­dern auch mit LKA, Ver­fas­sungs­schutz, V-Män­nern und ara­bi­scher Di­plo­ma­tie zu tun. Ein glaub­wür­di­ges Sze­na­rio, das un­se­re ge­sell­schaft­li­che Rea­li­tät spie­gelt.

Na­tür­lich gibt es auch wie­der Sze­nen im op­ti­schen Mar­ken­zei­chen der Rei­he – dem Ver­hör­raum. Den gibt es laut Ru­dolf Krau­se so nicht, son­dern „der ist aus Pap­pe und Far­be zu­sam­men­ge­zim­mert in ei­nem klei­nen Raum auf ei­nem In­dus­trie­are­al in Mün­chen. Nicht be­son­ders gla­mou­rös.“Doch in die­sem Raum hat sich für Krau­se et­was er­eig­net, was ihm nach 15 Jah­ren „Un­ter Ver­dacht“als be­son­de­rer Mo­ment in Er­in­ne­rung ge­blie­ben ist. „Wir hat­ten mal ei­ne Ver­hör­sze­ne – es ging um sehr erns­te Sa­chen. Mar­kus Boy­sen war un­ser Ge­gen­über im Ver­hör­raum. Wir wa­ren, nach­dem wir stun­den­lang in die­sem sehr sti­cki­gen Ver­hör­raum sein muss­ten, ein we­nig mür­be ge­kocht. Dann kam noch ei­ne letz­te Auf­nah­me durch den Spie­gel. Man hör­te al­so nicht, was wir sag­ten, son­dern man sah uns nur. Da ha­ben Sen­ta und ich an­ge­fan­gen, nur Quatsch zu er­zäh­len. Wir ha­ben uns herr­lich amü­siert und Trä­nen ge­lacht.“

Soll­ten die letz­ten Fol­gen der Rei­he der­art pa­ckend sein wie der jet­zi­ge Zwei­tei­ler, wird ei­nem der Ab­schied schwer­fal­len. Denn dann gilt nie mehr, was ein Kri­mi­nal­tech­ni­ker der Kri­mi­nal­rä­tin nach ih­rer Rück­kehr aus dem Kran­ken­haus zu­ruft: „Pro­hacek is back!“

Un­ter Ver­dacht – Ver­lo­re­ne Si­cher­heit, Ar­te, 20.15 Uhr und 21.45 Uhr

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Fo­to: ZDF/Bar­ba­ra Bau­riedl

Su­chen nach ei­nem Bom­ben­at­ten­tä­ter: Dr. Eva Ma­ria Pro­hacek (Sen­ta Ber­ger) und André Lang­ner (r., Ru­dolf Krau­se). Dr. Claus Rei­ter (Gerd Ant­hoff) treibt wäh­rend­des­sen sein ei­ge­nes Spiel.

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