Glossar

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Reportage - dpa

Ge­schlos­se­ne ve­nero­lo­gi­sche Sta­ti­on: Ve­nero­lo­gie ist die Leh­re der se­xu­ell über­trag­ba­ren Krank­hei­ten. In die ge­schlos­se­nen Sta­tio­nen soll­ten zu DDRZei­ten Ge­schlechts­kran­ke zwangs­ein­ge­wie­sen wer­den, die sich an­de­ren Be­hand­lungs­for­men wi­der­setz­ten. Tat­säch­lich wur­den auch Ge­sun­de dort fest­ge­hal­ten. Ziel war ne­ben dem Kampf ge­gen Go­nor­r­hö und Sy­phi­lis die Er­zie­hung zur „so­zia­lis­ti­schen Per­sön­lich­keit“.

Trans­port­po­li­zei: Die Bahn­po­li­zei in der DDR. Trans­port­po­li­zis­ten brach­ten häu­fig an Bahn­hö­fen her­um­hän­gen­de jun­ge Frau­en in ge­schlos­se­ne ve­nero­lo­gi­sche Sta­tio­nen.

HwG-Per­son: So wur­den in der DDR Men­schen ge­nannt, die häu­fig wech­seln­de Ge­schlechts­part­ner hat­ten oder de­nen das un­ter­stellt wur­de. Als HwG-Per­so­nen ge­führ­te Frau­en gal­ten als „drin­gend Krank­heits­ver­däch­ti­ge“. Die Be­hör­den wie­sen sie be­son­ders oft zwangs­wei­se in Sta­tio­nen für Ge­schlechts­krank­hei­ten ein.

Fie­ber­sprit­zen: Die Sprit­zen wur­den in ge­schlos­se­nen Sta­tio­nen nach Be­rich­ten oft oh­ne Er­klä­rung ver­ab­reicht. Sie wa­ren me­di­zi­ni­sche Hilfs­mit­tel und soll­ten schlum­mern­de Krank­hei­ten zum Aus­bruch brin­gen. Pa­ti­en­tin­nen be­ka­men da­durch Schüt­tel­frost, Kopf­schmer­zen und Er­bre­chen.

Sy­phi­lis: Die bak­te­ri­el­le In­fek­ti­ons­krank­heit wird meist beim Sex über­tra­gen. Die Krank­heit führt unbehandelt zu Ge­schwü­ren, Haut­aus­schlä­gen und Schleim­haut­ent­zün­dun­gen. Oft Jah­re nach der In­fek­ti­on bil­den sich Kno­ten in Or­ga­nen und Kno­chen. Sind ein­mal Ner­ven und Ge­hirn be­fal­len, kann es zu Läh­mun­gen und Seh­stö­run­gen kom­men. Sy­phi­lis ist seit den 50er-Jah­ren mit An­ti­bio­ti­ka heil­bar.

Go­nor­r­hö (auch Trip­per): Ei­ne der häu­figs­ten se­xu­ell über­trag­ba­ren Krank­hei­ten. Ei­ne In­fek­ti­on kann zu Ent­zün­dun­gen und unbehandelt auch zu Un­frucht­bar­keit füh­ren. Seit Mit­te der 1940er-Jah­re kann Go­nor­r­hö bin­nen St­un­den mit An­ti­bio­ti­ka ge­heilt wer­den. Trotz­dem wur­den Kran­ke in der DDR wo­chen­lang in ge­schlos­se­nen Sta­tio­nen be­han­delt. Heu­te ha­ben vie­le Bak­te­ri­en­stäm­me, die Go­nor­r­hö ver­ur­sa­chen, An­ti­bio­ti­kaRe­sis­ten­zen ent­wi­ckelt.

Fo­to: dpa

Schenk­te den Op­fern Glau­ben: die Mit­grün­de­rin des Ver­eins „Zeit-Ge­schich­te(n) e.V.“, Hei­di Boh­ley, vor dem Ge­bäu­de der ehe­ma­li­gen Po­li­kli­nik Mit­te in Hal­le (Saa­le).

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