DDR-Schi­ka­ne ge­gen Frau­en

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Reportage -

Ge­setz­lich wa­ren Frau­en in der DDR gleich­be­rech­tigt. Trotz­dem do­mi­nier­ten Män­ner vie­le Hier­ar­chi­en. Frau­en, die nicht ins Bild ei­ner „so­zia­lis­ti­schen Per­sön­lich­keit“pass­ten, und Op­po­si­tio­nel­le wa­ren wie­der­holt De­mü­ti­gun­gen und Miss­hand­lun­gen in Kli­ni­ken aus­ge­setzt – aber nicht nur dort:

Frau­en­gefäng­nis: Be­rüch­tigt war die Burg Ho­hen­eck im erz­ge­bir­gi­schen Stoll­berg, in der Frau­en un­ter men­schen­un­wür­di­gen Be­din­gun­gen in­haf­tiert wur­den. In dem über­be­leg­ten Zucht­haus, das für 600 Ge­fan­ge­ne kon­zi­piert war, sa­ßen Mit­te der 1970er-Jah­re 1600 Frau­en ein. Von ins­ge­samt rund 24 000 Häft­lin­gen war rund ein Drit­tel po­li­tisch ver­folgt. Re­gime­geg­ne­rin­nen und Re­pu­blik­flücht­lin­ge wur­den in ei­ne Zel­le mit Schwer­ver­bre­che­rin­nen ge­steckt, um sie zu ter­ro­ri­sie­ren. Es kam zu Über­grif­fen von Wär­te­rin­nen und Mit­ge­fan­ge­nen. Zu­dem muss­ten In­sas­sin­nen Zwangs­ar­beit ma­chen.

Kin­des­ent­zug: We­gen po­li­ti­scher De­lik­te – et­wa ver­such­ter Re­pu­blik­flucht und so­ge­nann­ter Staats­ver­leum­dung – nahm der Staat El­tern ih­re Kin­der weg. Of­fi­zi­el­le Stel­len ord­ne­ten für die Mäd­chen und Jun­gen Ad­op­ti­on an, steck­ten sie in Pfle­ge­fa­mi­li­en und Hei­me. Wenn jun­ge, al­lein­er­zie­hen­de Müt­ter als „aso­zi­al“ein­ge­stuft wur­den, konn­ten sie ihr Recht zur Er­zie­hung ver­lie­ren.

Pro­sti­tu­ti­on: Pro­sti­tu­ier­te, aber auch Frau­en mit an­geb­lich häu­fig wech­seln­den Ge­schlechts­part­nern, für die das Wort „HwG-Per­so­nen“ge­prägt wur­de, muss­ten mit mo­ra­li­scher Ab­leh­nung kämp­fen. Sie pass­ten nicht ins Ge­sell­schafts­bild. Für die Füh­rung der Staats­par­tei SED wa­ren sie Pro­to­ty­pen weib­li­cher „Aso­zia­ler“. 1968 wur­de Pro­sti­tu­ti­on un­ter Stra­fe ge­stellt. Gleich­zei­tig nutz­te die DDR-Ge­heim­po­li­zei Sta­si die Frau­en als in­of­fi­zi­el­le Mit­ar­bei­te­rin­nen.

Fa­mi­liä­re Ge­walt: Der So­zia­lis­mus sieht sich als fried­lie­ben­des Staats­ge­bil­de. Ge­walt wur­de aus dem öf­fent­li­chen Raum zu­rück­ge­drängt. Wis­sen­schaft­ler der Uni Bie­le­feld schrei­ben, das Pro­blem ha­be sich al­ler­dings in den häus­li­chen Raum ver­la­gert. Es ha­be „kei­ne kon­struk­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung“mit Ag­gres­sio­nen in der Fa­mi­lie ge­ge­ben. Po­li­zei und Jus­tiz hät­ten re­gel­mä­ßig nicht ein­ge­grif­fen, wenn es um Ge­walt in Be­zie­hun­gen ge­gan­gen sei.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.