Schock­bil­der aus Mast­stäl­len

Tier­recht­ler ver­öf­fent­li­chen Auf­nah­men von to­ten und ver­letz­ten Tie­ren in der Re­gi­on

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Gleich aus meh­re­ren Stäl­len der Tier­hal­tungs­hoch­burg We­ser-Ems ha­ben Tier­rechts­ak­ti­vis­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen heim­lich ge­dreh­te Auf­nah­men ver­öf­fent­licht. Zu se­hen sind ver­letz­te oder to­te Tie­re. Das Echo fällt ge­mischt aus, ein Land­wirt räumt Feh­ler ein.

Von Dirk Fis­ser und Ma­ri­on Trim­born

Ak­ti­vis­ten hat­ten meh­re­re Ka­me­ras in ei­ner gro­ßen Hähn­chen­mast­an­la­ge na­he Mep­pen im Land­kreis Ems­land ver­steckt und die Auf­nah­men an­schlie­ßend der Or­ga­ni­sa­ti­on „Ani­mal Equa­li­ty“(AE) über­ge­ben. Die ver­öf­fent­lich­te sie auf ih­rer In­ter­net­sei­te und spiel­te sie der RTL-Sen­dung Stern TV zu. Ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum sah so am Mitt­woch­abend, wie Mit­ar­bei­ter des Groß­be­trie­bes mit 224000 Mast­plät­zen kran­ke oder ver­letz­te Kü­ken un­sach­ge­mäß tö­ten, in ei­nem Fall wird ein Tier tot­ge­tre­ten.

„Das ist vor­ge­kom­men. Da­zu ste­he ich“, sag­te der Be­triebs­lei­ter auf An­fra­ge un­se­rer

Re­dak­ti­on zu der Sze­ne. Die Mit­ar­bei­ter sei­en ab­ge­mahnt und ge­schult wor­den. „So et­was darf nicht pas­sie­ren, und so et­was wird nicht wie­der pas­sie­ren.“Sein Be­trieb sei noch nie in Sa­chen Tier­schutz be­an­stan­det wor­den, ver­si­cher­te der Ems­län­der. Er ha­be ei­nen An­walt ein­ge­schal­tet und prüft nun, ju­ris­tisch ge­gen die Tier­rechts­ak­ti­vis­ten

vor­zu­ge­hen. Er wirft ih­nen zu­dem vor, Auf­nah­men ma­ni­pu­liert zu ha­ben und et­wa ein le­ben­des Kü­ken in ei­ne so­ge­nann­te Ka­da­ver­ton­ne ge­legt zu ha­ben. Die Ak­ti­vis­ten wie­der­um ha­ben nach ei­ge­nen An­ga­ben Anzeige ge­gen den Mast­be­trieb und das Ve­te­ri­när­amt des Land­krei­ses Ems­land ge­stellt.

Erst we­ni­ge Ta­ge zu­vor hat­te die Tier­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta Bil­der aus Schwei­ne­stäl­len ver­öf­fent­licht, auch hier­un­ter meh­re­re Stäl­le aus der Re­gi­on We­ser-Ems. Zu se­hen sind kran­ke, ver­letz­te oder to­te Tie­re. Die Be­trie­be neh­men an der so­ge­nann­ten Initia­ti­ve Tier­wohl von Land­wirt­schaft, Fleisch­ver­ar­bei­tern und Han­del teil und er­hal­ten für bes­se­re Hal­tungs­be­din­gun­gen mehr Geld.

Die In­ter­es­sen­ge­mein­schaft der Schwei­ne­hal­ter (ISN) stell­te sich auf Nach­fra­ge vor die be­trof­fe­nen Be­trie­be. Ge­zeig­te Ver­let­zun­gen wie Na­bel- und Ho­den­brü­che trä­ten in je­der Form von Hal­tungs­sys­tem auf, so Karl­Heinz Töl­le von der ISN. „Dass es sich hier um Tie­re han­delt und in der Bio­lo­gie lei­der nicht im­mer al­les glatt­läuft, wird schein­bar in kei­ner Wei­se ak­zep­tiert“, kri­ti­sier­te er die Tier­rechts­ak­ti­vis­ten. „Es ent­ste­hen Bil­der, die nicht der Bil­der­buch­ro­man­tik von Tier­hal­tung ent­spre­chen, be­son­ders wenn man sie un­ter nächt­li­chen Licht­be­din­gun­gen auf­nimmt“, so Töl­le.

Un­ter­des­sen sah sich die Ver­brau­cher­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Food­watch in ih­rer Kri­tik an der ak­tu­el­len Tier­hal­tung be­stä­tigt. Ge­schäfts­füh­rer Mar­tin Rü­cker sag­te: „Wir ha­ben ei­nen fa­ta­len Wett­be­werb, der auf dem Rü­cken der Tie­re aus­ge­tra­gen wird.“Er for­der­te eu­ro­pa­weit gül­ti­ge ge­setz­li­che Re­geln für best­mög­li­che Hal­tungs­be­din­gun­gen und Ziel­vor­ga­ben für Tier­ge­sund­heit.

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