Die Un­wis­sen­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite - Von Dirk Fis­ser d.fis­ser@noz.de

Aus dem glei­chen Grund, wie Ver­brau­cher bei Le­bens­mit­teln be­vor­zugt zum Schnäpp­chen grei­fen, ist die Em­pö­rung über heim­lich ge­film­te Sze­nen aus Stäl­len stets groß: Die Mehr­heit der Ge­sell­schaft hat sich von der Pro­duk­ti­on der Le­bens­mit­tel tie­ri­schen Ur­sprungs ent­fernt. In der Le­bens­wirk­lich­keit der al­ler­meis­ten Men­schen fin­det der frü­hes­te Kon­takt mit Nah­rung im Su­per­markt statt – luft­dicht ver­packt und oft­mals ver­ar­bei­tet. Um­so grö­ßer ist der Schreck, wenn das durch die Er­näh­rungs­bran­che selbst be­feu­er­te Zerr­bild der Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on mit der Rea­li­tät kol­li­diert – et­wa durch un­ge­schön­te Auf­nah­men aus Stäl­len.

Die Agrar­bran­che be­geht häu­fig den Feh­ler und setzt das ge­sell­schaft­li­che Nicht­wis­sen gleich mit ei­ner Dul­dung der Pro­duk­ti­ons­me­tho­den. Und wun­dert sich ob die­ser fal­schen An­nah­me über die Em­pö­rung. Die Ant­wort auf die zum Teil si­cher­lich ge­schür­te Ve­r­un­si­che­rung muss Trans­pa­renz lau­ten. Das be­deu­tet zu er­klä­ren, dass nicht je­des to­te Schwein im Stall Op­fer ei­nes Tier­rechts­ver­sto­ßes ge­wor­den ist. Das be­deu­tet aber auch, Pro­ble­me ein­zu­ge­ste­hen, statt zu leug­nen.

Und am En­de müs­sen die Fleisch­pro­du­zen­ten eben­falls er­ken­nen, dass nicht nur Ve­ge­ta­ri­er und Ve­ga­ner, son­dern ein grö­ße­rer Teil der Ge­sell­schaft die ak­tu­el­len Pro­duk­ti­ons­me­tho­den ab­lehnt. Auch wenn es vie­le der­zeit noch nicht wis­sen.

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