Hit­zi­ges TV-Du­ell mit har­tem Schlag­ab­tausch

In Frank­reich kämp­fen Le Pen und Ma­cron um Wäh­ler­stim­men – Stich­wahl am Sonn­tag

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

Die TV-De­bat­te der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten Ma­ri­ne Le Pen und Em­ma­nu­el Ma­cron ge­riet zu ei­nem ver­stö­ren­den Schlag­ab­tausch. Ma­cron ging ge­stärkt dar­aus her­vor.

Von Bir­git Hol­zer

PA­RIS. Man kann­te Ma­ri­ne Le Pen schon als ag­gres­si­ve Wahl­kämp­fe­rin, die ih­re Geg­ner mit Hä­me und Ver­ach­tung zu über­zie­hen pflegt. Doch was sich am Mitt­woch­abend vor 16,5 Mil­lio­nen Fern­seh­zu­schau­ern ab­spiel­te, zeig­te, in wel­che Un­tie­fen da­durch das Ni­veau der po­li­ti­schen Dis­kus­si­on in Frank­reich ge­sun­ken ist. Das TV-Du­ell zwi­schen ihr und ih­rem Ri­va­len bei der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wahl, Em­ma­nu­el Ma­cron, ge­riet zu ei­nem chao­ti­schen Aus­tausch von Ge­häs­sig­kei­ten, der kei­nen Ver­gleich von Pro­gram­men zu­ließ.

„Ih­re Ar­gu­men­te sind dop­pelt so alt wie Sie“, griff die Rechts­po­pu­lis­tin Ma­cron per­sön­lich an, den sie wahl­wei­se als „Schätz­chen des Sys­tems und der Eli­ten“, „eis­kal­ten Ge­schäfts­ban­ker“und „Kan­di­da­ten der un­ge­zü­gel­ten Glo­ba­li­sie­rung“, der sich Deutsch­land un­ter­wer­fe, be­zeich­ne­te. „Frank­reich wird so oder so von ei­ner Frau ge­lenkt wer­den: von mir oder Frau Mer­kel“, so Le Pen.

Sys­te­ma­tisch mach­te sie

den 39-Jäh­ri­gen für das Han­deln der so­zia­lis­ti­schen Re­gie­rung ver­ant­wort­lich, der er zwei Jah­re als Wirt­schafts­mi­nis­ter an­ge­hör­te.

Zwar kon­ter­te Ma­cron zu­meist schlag­fer­tig, ließ sich aber auch pro­vo­zie­ren. Wort­reich ging er auf Le Pens An­grif­fe ein, an­statt ge­las­sen über ih­ren pau­scha­len An­schul­di­gun­gen zu ste­hen. Sie ge­be per­ma­nent „Dumm­hei­ten“und „Lü­gen“von sich,

klag­te er, spie­le „auf ab­sto­ßen­de Wei­se“mit den Ängs­ten und der Wut der Men­schen, ste­he für Spal­tung statt Ein­heit: „Ma­dame Le Pen, Frank­reich ver­dient Bes­se­res.“Die bei­den Jour­na­lis­ten, die die De­bat­te ei­gent­lich mo­de­rie­ren soll­ten, zeig­ten sich völ­lig über­for­dert.

Le Pen ver­moch­te ih­re zu­letzt wi­der­sprüch­li­chen Aus­sa­gen über den Ka­len­der ei­nes mög­li­chen Aus­stiegs aus der Eu­ro­zo­ne oder ei­ner Rück­kehr zur Ren­te mit 60 im Fal­le ih­rer Wahl nicht zu er­klä­ren.

In­dem sie stets ih­ren Geg­ner fron­tal an­griff, schien sich die 48-Jäh­ri­ge be­reits in der Op­po­si­ti­on ein­zu­rich­ten. Et­wa zwei Drit­tel der Zu­schau­er hiel­ten ihn am En­de der De­bat­te für den über­zeu­gen­de­ren Kan­di­da­ten.

Nach dem TV-Du­ell wehr­te sich Ma­cron ge­gen Ge­rüch­te über ein Kon­to in ei­nem Steu­er­pa­ra­dies. Die Pa­ri­ser Staats­an­walt­schaft lei­te­te nach ei­ner Kla­ge Vor­er­mitt­lun­gen ein. Das be­stä­tig­ten Jus­tiz­krei­se der Deut­schen Pres­se-Agen­tur am Don­ners­tag in Pa­ris. Le Pen hat­te im In­ter­net kur­sie­ren­de Vor­wür­fe über ein Kon­to auf den Ba­ha­mas am Vor­tag in dem ein­zi­gen TV-Du­ell vor der Wahl kurz auf­ge­nom­men.

Die Stich­wahl am Sonn­tag gilt als Schick­sa­l­ent­schei­dung für Eu­ro­pa. Le Pen will den Eu­ro ab­schaf­fen und ih­re Lands­leu­te über die EU-Mit­glied­schaft ab­stim­men las­sen. Der so­zi­al­li­be­ra­le Ma­cron tritt da­ge­gen mit ei­nem pro-eu­ro­päi­schen Kurs an. Um­fra­gen sa­hen ihn zu­letzt bei 59 bis 60 Pro­zent der Stim­men, Le Pen lag bei 40 bis 41 Pro­zent.

Fo­to: dpa

Ma­cron oder Le Pen? Frank­reich hat am Sonn­tag die Wahl.

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