„Ein­kauf im In­ter­net könn­te nach­hal­tig sein“

DIL-Chef Heinz zum On­li­ne-Trend

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Wirtschaft - Von Dirk Fis­ser

Wie kau­fen wir in der Zu­kunft un­se­re Le­bens­mit­tel? Der In­ter­ne­trie­se Ama­zon star­tet sein An­ge­bot „Ama­zon Fresh“in Deutsch­land. Im In­ter­view äu­ßert sich Vol­ker Heinz, Chef des Deut­schen In­sti­tuts für Le­bens­mit­tel­tech­nik (DIL) in Quakenbrück, zu den Markt­chan­cen sol­cher On­li­ne-An­ge­bo­te.

In­ter­net­händ­ler wie Ama­zon sto­ßen in das Le­bens­mit­tel­ge­schäft vor. Kommt un­ser Es­sen bald per Post oder Droh­ne?

Der On­li­ne-Han­del hat si­cher­lich vie­les durch­ein­an­der­ge­wir­belt – schau­en wir uns nur den Be­reich des Buch­han­dels an. Das wirft na­tür­lich die Fra­ge auf: Brau­chen wir den klas­si­schen Su­per­markt künf­tig ei­gent­lich noch? Ich sa­ge, es wird ihn wei­ter ge­ben, er wird sich aber ver­än­dern.

On­li­ne-Han­del mit Le­bens­mit­teln ist kei­ne neue Er­fin­dung, war­um hat er sich bis­lang nicht durch­ge­setzt? Das An­ge­bot gibt es hier­zu­lan­de seit min­des­tens zehn Jah­ren. Der Markt­an­teil liegt aber nur bei ei­nem Pro­zent, in En­g­land oder Frank­reich hin­ge­gen bei fünf. Ur­säch­lich da­für ist auch das sehr dich­te Netz an Su­per­märk­ten in Deutsch­land – das ist wirk­lich ein­ma­lig. Sta­tis­tisch ge­se­hen ha­ben es die Deut­schen kaum wei­ter als 500 Me­ter bis zum nächs­ten Su­per­markt. Im länd­li­chen Raum sind es ma­xi­mal drei Ki­lo­me­ter. Das führt da­zu, dass wir Deut­schen un­se­re Ein­käu­fe kaum pla­nen. Wer et­was ver­ges­sen hat, fährt ein­fach noch ein­mal hin. De fac­to sind wir je­den oder je­den zwei­ten Tag im Su­per­markt.

Na­tür­lich fah­ren wir mit dem Au­to hin, nicht et­wa zu Fuß oder mit dem Rad…

… rich­tig! Hier könn­te ein Ar­gu­ment für den On­line­han­del mit Le­bens­mit­teln lie­gen. Der Ein­kauf im In­ter­net könn­te nach­hal­ti­ger sein als der im Ge­schäft.

Mo­ment! Den­ken Sie doch ein­mal an un­ser Kauf­ver­hal­ten bei Be­klei­dung im In­ter­net. Kaum be­stellt, schon zu­rück­ge­schickt oder weg­ge­wor­fen. Was ist dar­an denn nach­hal­tig?

Schon rich­tig. Beim deut­schen Durch­schnitts­ein­kauf von 30 Eu­ro im Su­per­markt ist es mit der Nach­hal­tig­keit na­tür­lich nicht weit hin. Wir müss­ten un­se­re Ein­käu­fe bes­ser pla­nen. Ein biss­chen so wie frü­her die Haus­frau, die den Spei­se­plan der ge­sam­ten Wo­che durch­ge­plant hat­te. Kommt der Lie­fer­wa­gen mit Le­bens­mit­teln nur ein- oder zwei­mal in der Wo­che ist das si­cher­lich nach­hal­ti­ger als un­se­re Kurz­aus­flü­ge in den Su­per­markt – zu­mal der Lie­fer­wa­gen auch vie­le Haus­hal­te ver­sorgt und da­mit vie­le Fahr­ten über­flüs­sig macht. Ent­spre­chen­des Kauf­ver­hal­ten könn­te durch ge­rin­ge­re Lie­fer­kos­ten bei gro­ßen Be­stel­lun­gen ge­för­dert wer­den.

Wel­cher Markt­an­teil ist denn rea­lis­tisch?

Der Markt­an­teil wird sich ver­mut­lich zwi­schen fünf und zehn Pro­zent ein­pen­deln, in­klu­si­ve sol­cher Hy­bridva­ri­an­ten wie Ab­hol­sta­tio­nen oder Lie­fe­rung in den Kof­fer­raum des vorm Bü­ro ge­park­ten Au­tos. Al­so ei­ne re­le­van­te Grö­ße. Für Her­stel­ler er­ge­ben sich da­mit ganz neue Her­aus­for­de­run­gen: Es geht nicht mehr nur dar­um, das Pro­dukt gut ver­packt ins Su­per­markt­re­gal zu be­kom­men. Un­ter­su­chun­gen zei­gen, dass nur die ers­ten zehn an­ge­zeig­ten Pro­duk­te im In­ter­net ge­kauft wer­den, den Rest nimmt der Kun­de nicht wahr. Das ist neu­es Ter­rain für vie­le Le­bens­mit­tel­her­stel­ler.

Wort­füh­rer im O-Ton: Mehr Ge­sprä­che le­sen Sie auf noz.de/in­ter­view

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