Fo­kus auf Gym­nas­tik und Tem­po

OSC-Box­trai­ner Ja­no­cha pflegt ei­ge­nen Stil – Nur ein Fünf­tel der Kämp­fer im Wett­kampf

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Lokalsport - Von Fre­de­rik Kath­mann

Auch wenn Heinz Ja­no­cha mitt­ler­wei­le 49 Jah­re alt ist, lässt es sich der Box­trai­ner des Os­na­brü­cker SC wei­ter­hin nicht neh­men, je­de Trai­nings­ein­heit selbst mit­zu­ma­chen – an im­mer­hin vier Ta­gen pro Wo­che.

Ja­no­cha be­wegt sich in leicht ge­duck­ter Box­hal­tung durch die Turn­hal­le an der Land­wehr­stra­ße. Er gibt Tipps und ruft mit fes­ter Stim­me die nächs­te Übung für die Grup­pe von gut 30 Ama­teur­bo­xern aus: „De­ckung hoch, Hüf­te krei­sen!“Er reiht sich ein in den Kreis und macht vor. Nach gut 30 Mi­nu­ten des Trai­nings sind die Sport­ler schon or­dent­lich ins Schwit­zen ge­kom­men – Ja­no­cha auch.

Ja­no­cha ist li­zen­zier­ter Trai­ner und bie­tet in sei­ner Ab­tei­lung Box­fit­ness und Box­trai­ning an. „Es ist in Ord­nung, wenn man bei uns mit­macht, aber nie Box­hand­schu­he an­zie­hen möch­te“, er­klärt Ja­no­cha, „nie­mand wird da­zu ge­zwun­gen, im Wett­kampf zu bo­xen“. Das passt zu sei­nem be­son­de­ren Trai­nings­stil. Der Fo­kus liegt auf Schnel­lig­keit, Gym­nas­tik und Aus­dau­er – Fit­ness­übun­gen, die den gan­zen Kör­per trai­nie­ren. Die klas­si­sche Box­schu­le ge­hört aber auch da­zu, und wer will, kann leich­tes Spar­ring ma­chen. „Kei­ne an­de­re Schu­le setzt so auf Gym­nas­tik. Ich ge­he da­mit mei­nen ei­ge­nen Weg“, sagt Ja­no­cha. „Die­ses Trai­ning ha­be ich selbst ent­wi­ckelt. Es ist mein ei­ge­nes Pro­gramm, das auf lang­jäh­ri­ger Er­fah­rung auf­baut.“

Nicht je­der Trai­ner hält sei­nen Schwer­punkt für sinn­voll, doch Ja­no­cha ist selbst­si­cher: „Schnel­lig­keit ist das A und O in je­der Kampf­sport­art.“Die Er­fol­ge sei­ner Schü­ler ge­ben ihm recht: Ei­ni­ge Nie­der­sach­sen­meis­ter­ti­tel und auch ein Halb­fi­na­le bei Deut­schen Meis­ter­schaf­ten wa­ren dar­un­ter. Da­bei boxt nur ein knap­pes Fünf­tel sei­ner Sport­ler über­haupt im Wett­kampf, die gro­ße Mehr­heit will ein­fach nur von Ja­no­chas Er­fah­rung als „Fit­ma­cher“pro­fi­tie­ren.

Seit elf Jah­ren ist Ja­no­cha beim Os­na­brü­cker Sport­club (OSC). Er hat mit dem Se­gen der Ver­eins­füh­rung die Boxab­tei­lung auf­ge­baut. Der ge­lern­te Ma­schi­nen­schlos­ser, auf­ge­wach­sen in der Schin­kela­ner Kreuz­stra­ße, war selbst in­ter­na­tio­nal bo­xen­der Ama­teur. Die als Sport­ler prä­gends­te Zeit er­leb­te er als Halb­schwer­ge­wicht­ler in der Aus­wahl­mann­schaft der Bun­des­wehr, ge­noss das täg­li­che Bo­xen un­ter An­lei­tung haupt­be­ruf­li­cher Trai­ner und mit star­ker Kon­kur­renz. Nach sei­ner Zeit bei der Bun­des­wehr schlug Ja­no­cha ei­nen un­er­war­te­ten Pfad ein. Auf dem zwei­ten Bil­dungs­weg ging es an die Os­na­brü­cker Uni­ver­si­tät. Er stu­dier­te Er­zie­hungs­wis­sen­schaf­ten, doch er blieb sei­nem Sport treu und be­trieb ihn wei­ter. Er bau­te ein An­ge­bot für kos­ten­lo­ses Box­trai­ning im Os­na­brü­cker Haus der Ju­gend auf und wid­me­te sich in sei­ner Ar­beit als Street­wor­ker den an­geb­lich hoff­nungs­lo­sen Fäl­len. „Ich muss­te mei­ne Fer­tig­kei­ten nie in mei­nem All­tag an­wen­den“, er­zählt Ja­no­cha, „aber es hat mich selbst­si­cher ge­macht. Bo­xen hat mir die Über­zeu­gung ge­ge­ben, nicht zu­rück­zu­wei­chen, auch wenn die Si­tua­ti­on schwie­rig ist.“

Aus sei­ner Zeit als Street­wor­ker hat Ja­no­cha auch Er­fah­run­gen für sei­ne heu­ti­ge Trai­nings­ar­beit ge­won­nen. Er kennt die Kraft kla­rer Re­geln, die den Um­gang für al­le leich­ter ma­chen. Wer das Trai­ning miss­braucht, das Ge­lern­te auf der Stra­ße nutzt, fliegt raus – oh­ne Kom­pro­mis­se. Ja­no­cha hat ei­ne kla­re Li­nie.

Und doch ist sei­ne Trai­nings­grup­pe kei­ne EinMann-Show, er muss nicht al­le Fä­den in der Hand hal­ten. Zu sei­nem An­satz ge­hört es, die Ver­ant­wor­tung auf vie­le Schul­tern zu ver­tei­len. Er­fah­re­ne Teil­neh­mer wer­den als Ko-Trai­ner ein­ge­bun­den, küm­mern sich um die Grup­pe, or­ga­ni­sie­ren im Hin­ter­grund und sprin­gen ein, wenn Ja­no­cha doch ein­mal nicht kann. Ei­ner sei­ner KoTrai­ner ist Do­mi­nik Pet­ten­paul. Er ist seit acht Jah­ren da­bei und voll des Lo­bes für sei­nen Trai­ner: „Er schafft es, al­le mit­zu­neh­men. Er pflegt ein Grup­pen­den­ken in ei­nem Ein­zel­sport.“Für Pet­ten­paul ist das ein­zig­ar­tig. „Heinz ist ein Uni­kat!“

Bo­xen ist für Ja­no­cha bunt. Sei­ne Trai­nings­grup­pe ist ge­mischt, ein gu­tes Drit­tel sind Frau­en. „Wir ha­ben hier al­les, vom Chef­arzt bis zum Schü­ler. Und doch sind wir ei­ne ho­mo­ge­ne Trup­pe. Je­der hält sich an un­se­re Re­geln“, sagt Ja­no­cha. Reich wird Ja­no­cha als Ama­teur­trai­ner nicht, aber das ist auch nicht sein An­lie­gen. Er will dem Bo­xen, dem Sport, den er liebt, das Ne­ga­tiv­image neh­men, Men­schen durch das Trai­ning zu­sam­men­brin­gen. „Ich ma­che das nicht we­gen des Gel­des“, sagt Ja­no­cha, „Ich bin Idea­list. Ge­nau das hier ist ein­fach mein Ding.“

Fo­to: Micha­el Grün­del

Prat­zen­trai­ning mit Ron­ja Tank: Voll in sei­nem Ele­ment ist „Uni­kat“Heinz Ja­no­cha in der OSC-Hal­le auf dem ehe­ma­li­gen Ge­län­de der Land­wehr­ka­ser­ne.

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