Al­le sind sich ei­nig: Osnabrück braucht mehr Kli­ma­schutz

We­nig Kon­tro­ver­sen bei Po­di­ums­dis­kus­si­on mit Ver­tre­tern der Rats­frak­tio­nen – Ein­fluss­mög­lich­keit der Kom­mu­ne be­grenzt

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Kommt der Kli­ma­schutz zu kurz? Zu ei­ner Dis­kus­si­on un­ter die­sem Ti­tel ha­ben die „Lo­ka­le Agen­da 21“und der Bei­rat des städ­ti­schen Mas­ter­plans „100 Pro­zent Kli­ma­schutz“jetzt ins Rat­haus ein­ge­la­den. Ver­tre­ter der Rats­frak­tio­nen dis­ku­tier­ten dort mit dem Pu­bli­kum.

Die Ant­wort auf die ti­tel­ge­ben­de Fra­ge stand für die Teil­neh­mer der Dis­kus­si­on be­reits vor Be­ginn fest: Ja, der Kli­ma­schutz kommt in Osnabrück noch im­mer zu kurz. Bei­spiel: Ge­bäu­de­sa­nie­rung: Die Sa­nie­rungs­ra­te lie­ge in Osnabrück der­zeit bei le­dig­lich ei­nem Pro­zent. „Der Mas­ter­plan ,Kli­ma­schutz‘ sieht aber ei­ne Ra­te von drei Pro­zent vor“, sag­te Ve­re­na Käm­mer­ling (CDU) bei ih­rem Ein­gangs­state­ment und stell­te so­gleich die Fra­ge: „Wie kom­men wir da­hin, dass die Haus­be­sit­zer ak­tiv wer­den?“

Kon­tro­ver­sen gab es we­ni­ge un­ter den Ver­tre­tern der Rats­frak­tio­nen, die sich auf dem Po­di­um ein­ge­fun­den hat­ten. Al­le Par­tei­en aus dem Rat wa­ren ver­tre­ten, mit Aus­nah­me der Link­s­par­tei, die sich aus zeit­li­chen Grün­den ha­be ent­schul­di­gen las­sen, wie Tho­mas Po­lew­sky mit­teil­te. Der Spre­cher der „Lo­ka­len Agen­da 21“mo­de­rier­te die zwei­stün­di­ge Ver­an­stal­tung ge­mein­sam mit sei­ner Mit­strei­te­rin Eli­sa­beth Mi­chel.

Drei Fra­gen stan­den im Mit­tel­punkt, zu de­nen die Ver­tre­ter aus der Kom­mu­nal­po­li­tik je­weils kurz ih­re Po­si­ti­on dar­leg­ten, be­vor das Pu­bli­kum in der zwei­ten Hälf­te Über Fra­gen des Kli­ma­schut­zes dis­ku­tier­ten (sit­zend, von links) Stef­fen Grü­ner (BOB), Tho­mas Haar­mann (FDP), Ul­rich Hus (SPD), Ve­re­na Käm­mer­ling (CDU), Vol­ker Ba­jus (Grü­ne) und Han­nes Ja­nott (UWG/Pi­ra­ten) mit dem Pu­bli­kum im Rats­sit­zungs­saal. Tho­mas Po­lew­sky (ste­hend) mo­de­rier­te.

des Abends wei­te­re Fra­gen und An­re­gun­gen for­mu­lie­ren konn­te. Die Dis­kus­sio­nen dreh­ten sich in der Fol­ge um Vor­schlä­ge zur Stei­ge­rung

der Sa­nie­rungs­ra­te, um Maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung des Ver­kehrs­mi­xes und schließ­lich auch um die kom­mu­na­len Ein­fluss­mög­lich­kei­ten, den Kli­ma­schutz in In­dus­trie, Han­del und Ge­wer­be zu för­dern.

Beim letz­ten Punkt, so wa­ren sich al­le Dis­ku­tan­ten ei­nig, ge­be es auf kom­mu­na­ler Ebe­ne nur we­ni­ge Ein­fluss­mög­lich­kei­ten wie bei­spiels­wei­se die För­de­rung von Netz­wer­ken zum Er­fah­rungs­aus­tausch hin­sicht­lich der Kli­ma­schutz­maß­nah­men ein­zel­ner Fir­men. Ge­nannt wur­de auch die Ein­rich­tung ei­nes be­trieb­li­chen Mo­bi­li­täts­ma­nage­ments, an dem sich meh­re­re Un­ter­neh­men be­tei­li­gen kön­nen. Hier sol­le die Kom­mu­ne ent­spre­chen­de Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen und ei­ne in­tel­li­gen­te Ci­ty-Lo­gis­tik un­ter­stüt­zen, wie Stef­fen Grü­ner (BOB) dar­leg­te.

Auf gro­ßes In­ter­es­se vor al­lem bei Ul­rich Hus (SPD) stieß die Fra­ge ei­nes Gas­tes zur en­er­ge­ti­schen Ge­bäu­de­sa­nie­rung: Er woll­te wis­sen, war­um die mit ei­ner sol­chen Maß­nah­me meist ein­her­ge­hen­de Miet­erhö­hung ei­gent­lich auch dann wei­ter fort­be­ste­he, wenn sich die Sa­nie­rung nach ei­ni­gen Jah­ren für den Ei­gen­tü­mer be­reits amor­ti­siert ha­be.

Wie schwer es ist, ei­nen Kon­sens auf kom­mu­na­ler Ebe­ne zu fin­den, um bei­spiels­wei­se den An­teil des ÖPNV am Ver­kehrs­mix zu er­hö­hen, leg­te Hus mit ei­nem Bei­spiel aus Sutt­hau­sen und Holz­hau­sen dar: Zwi­schen den be­nach­bar­ten Stadt­tei­len von Osnabrück und Georgsmarienhütte ver­lau­fe ei­ne Ta­rif­gren­ze, so­dass vie­le Holz­hau­ser mit dem Au­to nach Sutt­hau­sen kä­men, um von dort aus per Bahn oder Bus wei­ter nach Osnabrück zu fah­ren. „Die Städ­te schaf­fen es hier nicht, sich zu ei­ni­gen“, be­dau­er­te der SPD-Po­li­ti­ker. Ve­re­na Käm­mer­ling for­der­te, die Li­ni­en­füh­rung der Bus­se in Osnabrück so zu über­ar­bei­ten, dass Pend­ler aus je­dem Stadt­teil be­quem und schnell zum Haupt­bahn­hof ge­lan­gen könn­ten.

Nach zwei St­un­den en­de­te die Dis­kus­si­on, die Teil des „The­men­jah­res Kli­ma­stadt“ist. Die nächs­te Dia­log­mög­lich­keit zur Ver­kehrs­wen­de be­ginnt am Di­ens­tag, 16. Mai, um 19 Uhr im Rat­haus. The­ma: „Tschüss, Ma­ma­ta­xi“. Dann wer­den auch Kin­der dar­le­gen, wie für sie die Si­tua­ti­on vor den Schu­len ist, wenn sie und ih­re Mit­schü­ler von den El­tern mit dem Au­to zum Un­ter­richt ge­bracht wer­den.

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