Prinz Phi­lip geht mit 95 in Ren­te

Im Schat­ten der Queen: Ein Le­ben zwi­schen La­chern, Kon­tro­ver­sen und Skan­da­len

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel -

Der 95-jäh­ri­ge Prinz Phi­lip wird sich künf­tig aus der Öf­fent­lich­keit zu­rück­zie­hen und ab Herbst kei­ne of­fi­zi­el­len Ter­mi­ne mehr wahr­neh­men. Roya­le In­si­der hat­ten an­ge­sichts sei­nes ho­hen Al­ters be­reits mit solch ei­nem Schritt ge­rech­net, und doch ist es ei­ne Über­ra­schung.

Von Ka­trin Pribyl

LON­DON. Nein, die Queen ist nicht tot. Sie lebt. Und auch ih­rem Ehe­mann Prinz Phi­lip geht es bis auf die im Al­ter üb­li­chen Zip­per­lein so weit gut. Nach­dem in der Nacht von Mitt­woch auf Don­ners­tag die Nach­richt die Run­de mach­te, dass der Bucking­ham-Pa­last al­le Mit­ar­bei­ter, ver­streut in den roya­len Schlös­sern und An­we­sen im gan­zen Land, zu ei­nem drin­gen­den Tref­fen zu­sam­men­ge­ru­fen hat­te, ex­plo­dier­te in den so­zia­len Netz­wer­ken die Spe­ku­la­ti­ons­bla­se.

Ist ei­ner der bei­den ver­stor­ben? Über­gibt Kö­ni­gin Eliz­a­beth II. das Zep­ter an Thron­fol­ger Prinz Charles? Über­haupt: Wie steht es um die Ge­sund­heit des 91-jäh­ri­gen Staats­ober­haupts? Hys­te­rie und Pa­nik dran­gen in al­le Ecken die­ser Welt.

Das Bou­le­vard­blatt „The Sun“er­klär­te auf des­sen Home­page den Her­zog von Edin­burgh kurz­zei­tig und ver­se­hent­lich gar für tot und frag­te: „Wer war Prinz Phi­lip?“Um 11 Uhr gab es dann die Ent­war­nung der Royals: Der 95-jäh­ri­ge Ehe­mann der Kö­ni­gin geht in Ren­te. Ab Herbst wird er kei­ne of­fi­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen mehr wahr­neh­men und ha­be da­für die vol­le Un­ter­stüt­zung der Queen, hieß es in dem State­ment. Die Ent­schei­dung traf er of­fen­bar ganz per­sön­lich, nach­dem er schon vor sechs Jah­ren an­ge­kün­digt hat­te, kür­zer­tre­ten zu wol­len, die­sen Wunsch aber kaum um­setz­te.

Was auf der In­sel auf die er­lö­sen­de Nach­richt folg­te, war ein fast spür­ba­res Auf­at­men bei den roya­len An­hän­gern und Jour­na­lis­ten, be­vor die Lo­bes­hym­nen ein­setz­ten. Phi­lip sei ei­ne „In­spi­ra­ti­on“und ein „Cha­rak­ter­kopf “, der ein „be­mer­kens­wer­tes Le­ben“ge­führt ha­be, hul­dig­ten Weg­ge­fähr­ten und Po­li­ti­ker den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten, prie­sen sein Pflicht­be­wusst­sein, sei­ne Auf­op­fe­rung für die Öf­fent­lich­keit und sei­nen „ein­zig­ar­ti­gen Stil“im Um­gang mit den roya­len Auf­ga­ben. „Es ist sehr trau­rig, aber wir kön­nen ihm al­le dank­bar sein“, fass­te ein Bri­te die Stim­mung vie­ler Lands­leu­te zu­sam­men.

Der Prinz­ge­mahl, der mit der Krö­nung sei­ner Frau sei­ne ak­ti­ve Kar­rie­re bei der Ma­ri­ne auf­gab, füll­te nicht nur fast sie­ben Jahr­zehn­te die Be­glei­ter­rol­le aus, stets ei­nen Schritt hin­ter und im Schat­ten von Eliz­a­beth II. Er sorg­te auch mit sei­nem tro­cke­nen eng­li­schen Hu­mor – nicht we­ni­ge wür­den ihn als ra­ben­schwarz be­zeich­nen – re­gel­mä­ßig für La­cher, manch­mal für Auf­re­ger, mit­un­ter gar für mit­tel­schwe­re Skan­da­le. Um po­li­ti­sche Kor­rekt­heit scher­te er sich sel­ten und lös­te so man­che Kon­tro­ver­se aus. Er sei miss­ver­stan­den wor­den, ent­schul­dig­te sich der kau­zi­ge Her­zog dann ger­ne.

Tat­säch­lich wur­de er oft „miss­ver­stan­den“. Wäh­rend der Re­zes­si­on 1981 et­wa em­pör­te er die Na­ti­on, als er sag­te: „Al­le ha­ben ge­sagt, wir soll­ten mehr Frei­zeit ha­ben. Jetzt be­schwe­ren sie sich, dass sie ar­beits­los sind.“Schluss­end­lich ver­zie­hen ihm die Bri­ten je­doch im­mer, und die Queen nann­te ihn ein­mal lie­be­voll ih­ren „Halt in all den Jah­ren“.

Erst am Mitt­woch­nach­mit­tag er­öff­ne­te er ei­ne Tri­bü­ne in ei­nem Cri­cket­club und kün­dig­te sich selbst mit sei­ner Lieb­lings­be­zeich­nung an: „Sie se­hen jetzt den er­fah­rens­ten Ge­denk­ta­fel-Ent­hül­ler der Welt“, scherz­te er, be­vor er rou­ti­niert an der Kor­del des Vor­hangs zog und so die Schrift­pla­ket­te zum Vor­schein brach­te – wie un­zäh­li­ge Ma­le zu­vor. Ins­ge­samt mehr als 22000 So­lo-Ter­mi­ne und 637 Aus­lands­rei­sen ab­sol­vier­te er und hielt fast 5000 Re­den. Es han­de­le sich um „das En­de ei­ner Ära“, mein­te die Pres­se ges­tern in Über­ein­stim­mung. Und das wie­der­um klang wie ein emo­tio­na­ler Ab­schied.

Fo­tos: dpa (2), imago/ZU­MA/Keysto­ne

Fast 70 Jah­re lang im Di­enst der Kro­ne, stets im Schat­ten der Queen, jetzt geht Prinz Phi­lip in den Ru­he­stand: Auch wenn er mit sei­ner tro­cke­nen Art das ein oder an­de­re Mal für Auf­re­ger und Kopf­schüt­teln sorg­te, lie­ben ihn die Bri­ten für sei­nen ein­zig­ar­ti­gen Hu­mor, sein Pflicht­be­wusst­sein und sein En­ga­ge­ment.

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