Viel Ex­pe­ri­men­tier­freu­de

N-tv bie­tet mit in­ter­es­san­ten For­ma­ten Al­ter­na­ti­ven zu den Talk­shows von ZDF und ARD

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Medien / Fernsehen - Von Hen­drik St­ein­kuhl

Wer ger­ne po­li­ti­sche Talk­shows an­schaut, muss sich nicht auf ARD und ZDF be­schrän­ken las­sen: Seit vie­len Jah­ren bie­tet n-tv vie­le in­ter­es­san­te Ge­sprächs­for­ma­te.

Ei­gent­lich müss­te die Rol­len­ver­tei­lung im n-tv-Talk „So! Mun­cu!“um­ge­kehrt sein. Wer noch weiß, wie in­tel­li­gent Fried­rich Küp­pers­busch sei­ne Gäs­te in der ARD-Sen­dung „Pri­vat­fern­se­hen“durch den Wolf ge­dreht hat, be­kommt Nost­al­gie-An­fäl­le, wenn Küp­pers­busch aus dem Off zu sei­nem Mo­de­ra­tor spricht.

Die Idee, ihn als gött­li­che Stim­me mit ei­ni­gem Hall zu sei­nem stets den Kopf em­por­re­cken­den Host re­den zu las­sen, wird zwar Küp­pers­buschs Stel­lung im Mo­de­ra­to­ren-Olymp ge­recht, ist aber trotz­dem ziem­lich schräg. Sie passt aber zu dem Cha­rak­ter die­ser Show, in der das Cha­os Pro­gramm ist.

Da­für ga­ran­tiert Ser­dar So­mun­cu, der die Pro­vo­ka­ti­on zum Selbst­zweck er­ho­ben hat. Nach ei­ner Sen­dung, in der er die CSUStaats­se­kre­tä­rin Do­ro­thee Bär ent­we­der stell­ver­tre­tend für die Re­gie­rungs­po­li­tik be­schimpft oder lä­cher­lich an­ge­schmach­tet hat, be­klag­te sich so­gar So­mun­cus Freund Jan Böh­mer­mann, der eben­falls zu Gast war, in sei­nem Pod­cast „Fest & Flau­schig“über So­mun­cu.

Die Selbst­ge­fäl­lig­keit und Un­ver­schämt­heit, mit der So­mun­cu auf­tritt, ist für die ei­nen nur schwer zu er­tra­gen – aber sehr vie­le Zu­schau­er lie­ben ihn auch da­für. Und wer Spaß dar­an hat, da­bei zu­zu­se­hen, wie das Talk­show-For­mat de­kon­stru­iert wird, un­ter an­de­rem da­durch, dass So­mun­cu zwi­schen­durch plötz­lich auf­steht und von sei­ner Band be­glei­tet an­fängt zu sin­gen, für den ist die an je­dem letz­ten Frei­tag im Mo­nat um 22.15 Uhr aus­ge­strahl­te Show ge­nau das Rich­ti­ge.

Für die Ex­pe­ri­men­tier­freu­de maß­geb­lich ver­ant­wort­lich sind Fried­rich Küp­pers­busch und sei­ne Pro­duk­ti­ons­fir­ma. Die Da­men und Her­ren von „pro­bo­no TV“be­stü­cken n-tv schon seit Jah­ren mit Talk­sen­dun­gen. Die un­zwei­fel­haft bes­te und er­folg­reichs­te war „Maisch­ber­ger“, die über sechs Jah­re lief und ins­ge­samt auf mehr als 1200 Sen­dun­gen kam.

Das Set­ting von „Maisch­ber­ger“war so sim­pel wie be­ste­chend: Ein Mo­de­ra­tor be­fragt ei­nen Gast. Das Glei­che macht seit Kur­zem auch Lou­is Klam­roth, des­sen Ge­sicht deut­lich be­kann­ter ist als sein Na­me. Denn Klam­roth spiel­te als Kind die Haupt­rol­le in Sön­ke Wort­manns „Das Wun­der von Bern“. Und Klam­roths Film-Va­ter Pe­ter Loh­mey­er ist auch sein rich­ti­ger Va­ter.

Der mitt­ler­wei­le 27-Jäh­ri­ge hat nach dem Abitur Po­li­tik­wis­sen­schaf­ten stu­diert und ar­bei­tet nun als Jour­na­list – und seit Kur­zem auch als Mo­de­ra­tor. „Klam­roths Kon­ter“heißt das For­mat. Nach den ers­ten Aus­ga­ben, in de­nen Klam­roth Jens Spahn, Chris­ti­an Lin­der und Diet­mar Bartsch be­fragt hat, darf man fest­stel­len, dass sich das Ex­pe­ri­ment mit dem ehe­ma­li­gen Kin­der­star ge­lohnt hat. Zwar merkt man Klam­roth die feh­len­de Ka­me­ra-Er­fah­rung noch an, und Chris­ti­an Lind­ner ver­such­te auch im­mer wie­der, den Mo­de­ra­tor zu ver­un­si­chern und pro­bier­te ei­nen Rol­len­tausch („Herr Klam­roth, kei­ne Phra­sen bit­te“) –, aber der 27-Jäh­ri­ge ließ sich da­von über­haupt nicht aus der Ru­he brin­gen und stell­te wei­ter, harm­los drein­bli­ckend, sei­ne oft sehr schar­fen Fra­gen.

War­um die Show al­ler­dings im Schalt­raum des Ber­li­ner Kraft­werks auf­ge­zeich­net wer­den muss und Mo­de­ra­tor und Gast die ers­ten Fra­gen und Ant­wor­ten beim Gang in den Schalt­raum aus­tau­schen, er­schließt sich nicht. Ei­nen fes­ten Sen­de­platz hat „Klam­roths Kon­ter“üb­ri­gens nicht.

Der letz­te Neu­zu­gang in der Run­de der von pro­bo­no pro­du­zier­ten n-tv-Tal­ker heißt Tors­ten Knip­pertz. Sein For­mat „Jetzt Knip­pertz“ist nichts an­de­res als die Fort­füh­rung von „Schrei­ber vor Ort“– der Sen­dung, die we­gen Con­stan­tin Schrei­bers Wech­sel zur ARD nicht mehr fort­ge­setzt wird.

Das Kon­zept be­steht dar­aus, dass der Mo­de­ra­tor nicht nur mit sei­nen Gäs­ten über ein The­ma spricht, son­dern ei­ni­ge von ih­nen vor­her auch be­sucht und sich al­lei­ne mit ih­nen aus­tauscht. Mot­to, na­tür­lich: ganz nah dran sein an den Men­schen und ih­ren Pro­ble­men. Bis­lang gab es erst ei­ne Aus­ga­be von „Jetzt Knip­pertz“, zum The­ma in­ne­re Si­cher­heit in NRW, mit spe­zi­el­lem Fo­kus auf Woh­nungs­ein­brü­chen. Die Sen­dung war durch­aus ge­fäl­lig, ob n-tv wei­te­re Aus­ga­ben pro­du­zie­ren wird, ist al­ler­dings noch nicht ganz klar.

Fo­to: n-tv

Spricht nicht nur mit sei­nen Gäs­ten über ein The­ma, son­dern be­sucht sie vor­her auch: Tors­ten Knip­pertz.

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