„Sound­track zum Le­ben“

Kon­zert in Hal­le: Fu­ry in the Slaught­er­hou­se-Mit­grün­der Kai Win­gen­fel­der über die ak­tu­el­le Tour­nee

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Al­le fünf Jah­re seit ih­rer Tren­nung fei­ert die Band Fu­ry in the Slaught­er­hou­se ein „Klas­sen­tref­fen“: Das Sex­tett tritt in Ori­gi­nal­be­set­zung in Han­no­ver auf. Zum 30. Band­ju­bi­lä­um wur­de das Tref­fen zu ei­ner Tour­nee aus­ge­wei­tet. Wir spra­chen mit dem Band­mit­be­grün­der Kai Win­gen­fel­der über die enor­me Re­so­nanz auf die Li­ve­shows und das ak­tu­el­le Al­bum.

Von Tom Bull­mann

Das ers­te „Fu­ry-Klas­sen­tref­fen“im Ju­ni 2013 war schon er­folg­reich. Sie spiel­ten auf der Han­no­ve­ra­ner Ex­po-Pla­za vor 25 000 Be­su­chern. In die­sem Jahr ha­ben Sie das Er­geb­nis of­fen­bar über­trof­fen. Stimmt. Dies­mal hat­ten wir die Tui-Are­na ge­bucht. Die war nach 24 St­un­den zwei­mal aus­ge­bucht. Da­mit hat­ten wir beim bes­ten Wil­len nicht ge­rech­net. Al­so ha­ben wir uns ent­schlos­sen, ei­nen wei­te­ren Ter­min an­zu­be­rau­men. Jetzt ha­ben wir im März drei Kon­zer­te ge­ge­ben, und al­le wa­ren aus­ver­kauft.

Was be­deu­tet das in Zah­len?

Ins­ge­samt wa­ren das 36 000 Zu­schau­er. Of­fen­bar ist un­se­re Mu­sik doch für mehr Leute, als wir dach­ten, der Sound­track zum Le­ben. Das, was wir mit un­se­rer Mu­sik zu sa­gen hat­ten und auch noch ha­ben, fehlt den Leu­ten wohl. Als wir vor ei­ni­ger Zeit für un­se­re Kon­zer­te ge­probt ha­ben, ist uns der Song „When God Goes Ho­me“wie­der ein­ge­fal­len. In dem san­gen wir 1993 von „mad dogs in the go­vern­ment“. Heute

gibt es in Trumps Re­gie­rung ei­nen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, der den Spitz­na­men „Mad Dog“trägt: Ja­mes N. Mat­tis.

Sie mei­nen, dass der Song vi­sio­när war.

Das hört sich zwar blöd an, aber ir­gend­wie ist es so. Im­mer­hin ha­ben wir uns da­mals Ge­dan­ken über Po­li­tik und Ge­sell­schaft ge­macht und die in un­se­re Songs ver­packt. Heute spricht je­der dar­über, dass es kei­ne Wer­te mehr gibt. Kä­the Koll­witz hat ein­mal ge­sagt: Künst­ler sind das Ba­ro­me­ter ei­ner Ge­sell­schaft. Da­her pas­sen wir wohl in ei­ne Zeit, in der nichts mehr si­cher ist und

nur noch „al­ter­na­ti­ve Fak­ten“zäh­len.

Das hört sich gut an, kann aber nicht der ein­zi­ge Grund für Ih­ren im­men­sen ak­tu­el­len Er­folg sein. Nein, si­cher nicht. Die Leute wis­sen auch, dass wir ei­ne gu­te Li­ve-Band sind. Sie ha­ben nicht ver­ges­sen, dass un­se­re Kon­zer­te im­mer et­was Be­son­de­res wa­ren. Wie­der an­de­re kom­men zu uns, weil sie sich mal wie­der jung füh­len möch­ten. Be­vor al­ters­be­ding­te Be­we­gungs­schwie­rig­kei­ten ein­set­zen, wol­len sie noch mal rich­tig Rock ’ n’ Roll ma­chen. (Er lacht.)

Mit dem Gi­tar­ris­ten Chris­tof St­ein-Schnei­der ha­ben Sie sich ei­ne Zeit lang ja nicht so gut ver­stan­den. Das stimmt. Aber er war mit mir und mei­nem Bru­der im­mer die trei­ben­de Kraft der Band. Als wir sie ge­grün­det ha­ben, wohn­ten wir zu­sam­men, ha­ben Ses­si­ons ge­macht und bald fest­ge­stellt, dass wir ein gu­tes Song­wri­ter-Team sind. Und das funk­tio­niert heute noch.

Rich­tig, auf dem ak­tu­el­len Best-of-Al­bum sind sechs neue Songs, die Sie zu­sam­men ge­schrie­ben ha­ben.

Ja, wir ha­ben uns zu­sam­men­ge­setzt, und so­fort war al­les

wie­der da: der Spaß, die Ide­en. Und al­les oh­ne Stress. Beim ers­ten Song fing das schon an: Wir ha­ben auf dem Bo­den ge­le­gen und uns schlapp ge­lacht.

Ist es ei­ne Art Mit­tel­al­ters­weis­heit, die sie wie­der zu­sam­men­ge­bracht hat?

Es hat ein biss­chen da­von. Aus die­sem Grund wer­de ich gern äl­ter: Man wird läs­si­ger, der Stress wird we­ni­ger.

Ist es denn dann ei­ne Art Al­ters­vor­sor­ge, die sie jetzt mit den aus­ver­kauf­ten Kon­zer­ten ein­fah­ren?

Es wä­re Lü­ge, wenn ich be­haup­ten wür­de, dass uns Geld nicht in­ter­es­siert. Aber wir ha­ben Fa­mi­li­en, und wir sind Mu­si­ker, die von ih­rer Mu­sik le­ben. Und wenn es jetzt mal ei­nen klei­nen war­men Re­gen gibt, dann fin­de ich das in Ord­nung. Ich glau­be, das ha­ben wir uns ver­dient. Und so viel wird das auch nicht: Als un­ser Fi­nanz­amt von un­se­ren Li­veAk­ti­vi­tä­ten ge­hört hat, wur­den un­se­re Vor­aus­zah­lun­gen er­höht, be­vor wir über­haupt Geld ein­ge­nom­men ha­ben.

Fu­ry in the Slaught­er­hou­se li­ve im Ger­ry We­ber Sta­di­on, Hal­le, Frei­tag, 21. Ju­li, Ti­ckets un­ter: ger­ry­we­ber-world.de

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