Nah am Mo­dell

Ra­g­nar Gi­schas mit neu­en Ar­bei­ten im Kunst-Quar­tier

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Von Tom Bull­mann „Ge­trennt von der Welt“. Fo­to­gra­fie von Ra­g­nar Gi­schas,

Die Re­duk­ti­on der Pro­duk­ti­ons­mit­tel be­treibt der Fo­to­graf Ra­g­nar Gi­schas. War er frü­her mit ei­ner hoch­wer­ti­gen Spie­gel­re­flex­ka­me­ra un­ter­wegs, um sei­ne Por­trät- und Akt­fo­to­gra­fi­en an­zu­fer­ti­gen, so hat er sich jetzt ei­ne ganz ein­fa­che Sys­tem­ka­me­ra zu­ge­legt. „Die ha­be ich güns­tig bei Ebay er­wor­ben“, sagt er und schwärmt von den Vor­tei­len.

Der Ap­pa­rat ha­be kei­nen Su­cher, son­dern ein Dis­play. So kön­ne er ar­bei­ten, oh­ne die Ka­me­ra als Dis­tanz schaf­fen­des Ob­jekt zwi­schen sich und sei­nen Mo­del­len zu ha­ben. Es füh­re da­zu, dass die Au­gen der Frau­en, die er fo­to­gra­fiert, nicht mehr so sehr in den Fo­kus rück­ten wie frü­her. Au­ßer­dem sei er be­weg­li­cher, kön­ne spon­ta­ner ar­bei­ten, und wenn ein­mal Un­schär­fen in den Fo­tos ent­ste­hen, weil die Mes­sung in dem Ap­pa­rat nicht so ex­akt ist, dann kön­ne er dem Re­sul­tat durch­aus Rei­ze ab­ge­win­nen.

Tat­säch­lich sind die ak­tu­el­len Ar­bei­ten des Fo­to­gra­fen auf­grund sei­ner Ar­beits­wei­se ei­ner­seits sehr nah am Mo­dell, auf­grund der grob­kör­ni­gen Struk­tur der Bil­der und eben leich­ter Un­schär­fen ent­steht je­doch ein un­wirk­li­cher Ein­druck. Vi­el­leicht hat Gi­schas sei­ne Aus­stel­lung im BBK-Kunst-Quar­tier auch aus die­sem Grund „Ge­trennt von der Welt“ge­nannt. Am bes­ten passt der Ti­tel auf die Frau­en­por­träts, die er in sei­nem Stu­dio in ei­nem Kot­ten im Os­na­brü­cker Land fotografierte. Hin­ter Fens­tern mit Spros­sen, an de­nen der Kitt schon brü­chig wird und die Far­be ab­blät­tert, po­sie­ren die Frau­en, bli­cken hin­aus in ei­ne Welt, die ih­nen fremd er­scheint.

Aber es ist auch ein be­stimm­ter Typ Frau, der sich von Ra­g­nar Gi­schas fo­to­gra­fie­ren lässt. Aben­teu­er­li­che Tä­to­wie­run­gen, Pier­cings und ei­ne eher dunk­le Au­ra hin­ter­las­sen den Ein­druck, als woll­ten sie sich mit ih­rem Aus­se­hen von an­de­ren Men­schen ab­gren­zen. Und si­cher­lich ist es ein freie­rer Um­gang mit ih­ren Kör­pern und die Su­che nach Auf­merk­sam­keit, die sie da­zu bringt, für den Fo­to­gra­fen Mo­dell zu ste­hen.

Gi­schas ge­lingt es, die Dis­tanz zwi­schen ihm und den Frau­en ab­zu­bau­en. Die Fo­tos zeu­gen von dem Ver­trau­en, das sie ihm in der spe­zi­el­len Si­tua­ti­on des Ab­lich­tens ent­ge­gen­brin­gen. Er ins­ze­niert nicht, son­dern lässt ei­ne At­mo­sphä­re ent­ste­hen, in der sie sie selbst sein kön­nen. Auch wenn das nicht ganz in der rea­len Welt ist.

BBK-Kunst-Quar­tier (Bier­stra­ße 33): 5. Mai (Er­öff­nung um 19 Uhr) bis 25. Mai, Di. – Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–16 Uhr, In­fos un­ter www.bbk-os­nabru­eck.de

Wei­te­re Re­zen­sio­nen zu ak­tu­el­len Aus­stel­lun­gen le­sen Sie auf noz.de/kul­tur-re­gio­nal

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