Sinn für neue Ide­en

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - S.lued­de­mann@noz.de

Wäh­rend gro­ße Män­ner Ge­schich­te ma­chen, ha­ben Frau­en da­heim ge­ses­sen, ha­ben mu­si­ziert, ge­stickt, ge­le­sen, so­fern sie denn zum Adel ge­hör­ten. Hier der ak­ti­ve Mann, dort die pas­si­ve Frau – so will es das un­zer­stör­ba­re Kli­schee. Aber passt da­zu nicht auch der An­kauf von 4500 Bü­chern, die Preu­ßens Prin­zes­sin­nen einst in ih­ren zar­ten Hän­den hiel­ten?

Die kla­re Ant­wort: Nein. Si­cher, meist wa­ren es zu je­ner Zeit Män­ner, die Staa-

ten führ­ten, Krie­ge ent­fes­sel­ten, Frie­den schlos­sen. Selbst gro­ße Aus­nah­men wie Habs­burgs Ma­ria The­re­sia schei­nen die Re­gel zu be­stä­ti­gen. Da­bei ha­ben auch die le­sen­den Da­men Ge­schich­te ge­macht.

War­um? Weil sie mit ih­rer Lek­tü­re The­men ge­setzt und mit ih­ren Sa­lons und Krei­sen neue Ide­en be­för­dert ha­ben. Frau­en stel­len die Mehr­heit, wenn es um Men­schen geht, die Bü­cher le­sen. Das ist heute so. Und das trifft auch die Wirk­lich­keit des 18. Jahr­hun­derts zu ei­nem Teil. Da­mals hat sich das ge­sell­schaft­li­che Ge­spräch ent­schei­dend ver­än­dert. Le­se­ge­wohn­hei­ten hat­ten dar­an ent­schei­den­den An­teil – und da­mit die Frau­en. Der Bü­cher­kauf ruft das wie­der ins Ge­dächt­nis. Gut so.

Von Ste­fan Lüd­de­mann

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