Kein Re­fe­ren­dum über To­des­stra­fe

Bun­des­re­gie­rung wür­de Ab­stim­mung un­ter Tür­ken in Deutsch­land nicht er­lau­ben

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Politik -

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Schulz legt vor, die Bun­des­re­gie­rung legt nach: Sie stim­men Re­cep Tay­yip Er­do­gan dar­auf ein, dass die in Deutsch­land le­ben­den Tür­ken hier nicht über die Wie­der­ein­füh­rung der To­des­stra­fe in der Tür­kei ab­stim­men könn­ten.

BERLIN. Die Bun­des­re­gie­rung wür­de in Deutsch­land ein von An­ka­ra ver­an­lass­tes Re­fe­ren­dum über die Wie­der­ein­füh­rung der To­des­stra­fe in der Tür­kei un­ter­sa­gen. Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert sag­te am Frei­tag in Berlin: „Es ist po­li­tisch nicht vor­stell­bar, dass wir ei­ner sol­chen Ab­stim­mung in Deutsch­land über ei­ne Maß­nah­me, die un­se­rem Grund­ge­setz und eu­ro­päi­schen Wer­ten klar wi­der­spricht, zu­stim­men wür­den.“

Zu­vor hat­te SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz dem „Spie­gel“ge­sagt: „Falls die tür­ki­sche Re­gie­rung wirk­lich ein Re­fe­ren­dum über die Ein­füh­rung der To­des­stra­fe durch­füh­ren soll­te, muss klar sein: Ei­ne sol­che Ab­stim­mung darf un­ter den in Deutsch­land le­ben­den Tür­kin­nen und Tür­ken nicht statt­fin­den.“Es kön­ne in Deutsch­land nicht über ein In­stru­ment ab­ge­stimmt wer­den,

das den Wer­ten und der Ver­fas­sung des Lan­des wi­der­spre­che. Ei­ne Spre­che­rin des Aus­wär­ti­gen Am­tes er­klär­te, die Po­si­ti­on sei mit Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) ab­ge­stimmt.

Sei­bert sag­te: „Wenn ein an­de­rer Staat hier in Deutsch­land in sei­nen Bot­schaf­ten oder in sei­nen Kon­su­la­ten Wah­len oder Ab­stim­mun­gen durch­füh­ren will, dann ist das ge­neh­mi­gungs­pflich­tig.“Der­zeit ge­be es kei­nen sol­chen An­trag aus der Tür­kei. Des­halb sei das ei­ne hy­po­the­ti­sche Fra­ge, die er üb­li­cher­wei­se nicht be­ant­wor­te.

In die­sem Fall be­ton­te er aber: „Es gibt kei­ne Pflicht,

ei­nem sol­chen An­trag zu­zu­stim­men. Das heißt, die Bun­des­re­gie­rung kann ih­re Ge­neh­mi­gung auch ver­wei­gern. Sie kann ei­ne Ab­stim­mung hier in Deutsch­land un­ter­sa­gen. [...] Ich ge­he da­von aus, dass wir un­se­re recht­li­chen Mit­tel, so et­was zu un­ter­sa­gen, aus­schöp­fen wür­den.“

Der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan hat­te die To­des­stra­fe wäh­rend sei­ner Zeit als Re­gie­rungs­chef 2004 ab­schaf­fen las­sen. Nach dem Putsch­ver­such vom ver­gan­ge­nen Jahr brach­te er mehr­fach ih­re Wie­der­ein­füh­rung ins Spiel, hier­zu reg­te er ein Re­fe­ren­dum an. Zu­letzt konn­ten die in Deutsch­land le­ben­den wahl­be­rech­tig­ten

Tür­ken über die Ein­füh­rung des Prä­si­di­al­sys­tems in der Tür­kei ab­stim­men. Die Mehr­heit der Wäh­ler stimm­te für Er­do­gans Plä­ne.

Der in der Tür­kei in­haf­tier­te „Welt“-Kor­re­spon­dent De­niz Yücel be­klag­te un­ter­des­sen ei­ne „Vor­ver­ur­tei­lung“durch Prä­si­dent Er­do­gan und ver­lang­te ein fai­res Ge­richts­ver­fah­ren. Ein sol­cher Pro­zess kön­ne „gar nicht an­ders en­den als mit ei­nem Frei­spruch“, schrieb Yücel in ei­nem Ar­ti­kel für die „Welt“.

Yücel kri­ti­sier­te, Er­do­gan ha­be ihn „öf­fent­lich vor­ver­ur­teilt und den zu­stän­di­gen Staats­an­wäl­ten und Rich­tern qua­si An­wei­sun­gen er­teilt“. Für die „zi­vi­li­sier­te Welt, al­so je­ne, in der Rechts­staat­lich­keit herrscht“, sei ein sol­cher Vor­gang „be­fremd­lich“, schrieb Yücel in dem Bei­trag, den er sei­nen An­wäl­ten im Ge­fäng­nis dik­tier­te.

Der „Welt“-Kor­re­spon­dent sitzt seit Fe­bru­ar in der Tür­kei we­gen an­geb­li­cher Ter­ror­un­ter­stüt­zung in Haft. Er­do­gan hat ei­ne Aus­lie­fe­rung des deutsch-tür­ki­schen Jour­na­lis­ten in sei­ner Amts­zeit aus­ge­schlos­sen. Er be­zeich­ne­te Yücel wie­der­holt als deut­schen Spi­on und Agen­ten der ver­bo­te­nen Ar­bei­ter­par­tei Kur­dis­tans (PKK). Die Bun­des­re­gie­rung dringt auf ei­ne so­for­ti­ge Frei­las­sung des Deutsch-Tür­ken.

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