Exis­tenz­ängs­te am Ber­li­ner Platz

Aus­bau ver­är­gert Ge­wer­be­trei­ben­de in Bü­ren

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Ge­wer­be­trei­ben­de an Bü­rens Ber­li­ner Platz fürch­ten um ih­re Exis­tenz. Der Platz wird ab kom­men­den Mon­tag, 8. Mai, für die gut vier­mo­na­ti­ge Sa­nie­rung ge­sperrt. Ein­gän­ge sind le­dig­lich zu Fuß er­reich­bar.

Bau­be­ginn ist im Zu­fahrts­be­reich. Ab dem Ka­nal­de­ckel, dem ein­zi­gen Re­gen­was­ser­ab­fluss auf dem Platz, setzt die Bau­fir­ma den Bau­zaun so, dass Ge­schäf­te und Ein­gang zum Miets­haus er­reich­bar blei­ben. Vier bis fünf Stell­plät­ze in Pra­xis­nä­he, zwei an der Schul­stra­ße, blei­ben er­hal­ten für Pa­ti­en­ten.

Das, so die Bü­re­ner Un­ter­neh­mer, sei ent­ge­gen den Ver­spre­chen aus der Ver­wal­tung, den Platz ab­schnitts­wei­se um­zu­bau­en. Emo­tio­nal dis­ku­tier­ten sie beim Orts­ter­min mit Bür­ger­meis­ter Rai­ner Lam­mers, Bau­amts­mit­ar­bei­tern und Rein­hard Ster­mann, Se­ni­or­chef der Met­tin­ger Bau­fir­ma „Pflas­ter­bau­ma­nu­fak­tur“.

Die Ge­wer­be­trei­ben­den wa­ren über­aus ver­är­gert über die für sie seit dem In­fo­schrei­ben we­ni­ge Ta­ge vor Baustart kom­plett neue Si­tua­ti­on. Sor­gen um Um­satz­ein­brü­che und die Ein­schrän­kung des Lie­fer­ver­kehrs trei­ben sie um. Al­lein drei­mal pro Tag wer­de das Ge­schäft „Schrei­ben und Schen­ken“sei­ner Frau San­dra von Lie­fe­ran­ten an­ge­fah­ren, be­rich­tet In­go Büch­ner. „Et­wa 80 bis 90 Pro­zent un­se­rer Stamm­kun­den kom­men hier­her, weil sie die Ge­schäf­te di­rekt an­fah­ren kön­nen“, sagt er. „Hät­ten wir das ge­wusst, hät­ten wir nicht vor ei­nem hal­ben Jahr den La­den über­nom­men. Jetzt fängt es ge­ra­de an zu lau­fen.“Wei­te­re In­ves­ti­tio­nen wür­den zu­rück­ge­stellt und die Ent­wick­lung ab­ge­war­tet.

Apo­the­ke­rin An­ke Marx hat ge­ra­de erst ei­ne wei­te­re Mit­ar­bei­te­rin ein­ge­stellt. „Wir sind ei­ne ,Dri­ve-in-Apo­the­ke‘ und auf gu­te Er­reich­bar­keit an­ge­wie­sen. Wenn die Kun­den feh­len, fal­len auch Ar­beits­plät­ze weg. Es geht um un­se­re Exis­tenz“, sagt sie. Die Ge­wer­be­trei­ben­den hät­ten viel Zeit in­ves­tiert, um in Sit­zun­gen den Kom­mu­nal­po­li­ti­kern die Si­tua­ti­on klar­zu­ma­chen; lei­der er­folg­los.

Deut­lich wur­de feh­len­de Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Ver­wal­tung und Un­ter­neh­mern. „Ih­nen war klar, dass nicht ab­schnitts­wei­se aus­ge­baut wird, nur uns An­lie­gern nicht“, schimpft An­ke Marx und kri­ti­siert, dass man sich auf die Zu­sa­ge der Ge­mein­de nicht ha­be ver­las­sen kön­nen.

All­ge­mein­me­di­zi­ner Dr. Andre­as Kreit­ling-Tho­mas star­te­te ei­nen Ver­such, doch noch ei­nen zwei­ge­teil­ten Aus­bau der Park­flä­che zu er­wir­ken. Rein­hard Ster­mann er­klär­te, dass der Aus­bau in zwei Ab­schnit­ten er­fol­gen wer­de: „Die Be­rei­che vor den Ge­schäf­ten stel­len wir dann fer­tig, wenn ein Teil der Park­plät­ze wie­der be­fahr­bar ist. Das wird vor­aus­sicht­lich En­de Ju­li sein.“

Wei­ter­hin er­klär­te der Fach­mann, dass die Bau­stel­le ei­nen nicht zu un­ter­schät­zen­den Platz­be­darf ha­be für Werk­zeug­con­tai­ner, Bau­fahr­zeu­ge so­wie Flä­chen für Bau­stof­fe. Es sei zwar mach­bar, den Platz in ins­ge­samt drei Ab­schnit­ten zu sa­nie­ren, da­bei ent­stün­den je­doch er­heb­li­che Mehr­kos­ten.

„Mit klei­ne­ren Ge­rä­ten schaf­fen wir täg­lich we­ni­ger. Auch kön­nen wir dann nicht mit der er­for­der­li­chen Qua­li­tät ar­bei­ten. Naht­stel­len sind im­mer pro­ble­ma­tisch. Wird der Park­platz in drei Bau­ab­schnit­te ge­teilt, ent­ste­hen Mehr­kos­ten von 25 bis 30 Pro­zent. Die Bau­zeit wür­de sich au­ßer­dem um rund zwei Mo­na­te ver­län­gern.“Bau­amts­lei­te­rin Erns­te La­ge: As­trid Hick­mann (links) bie­tet den Un­ter­neh­mern die Un­ter­stüt­zung der Ver­wal­tung an.

As­trid Hick­mann: „Un­ser Haupt­ar­gu­ment für die­se Pla­nung war die un­ge­kürz­te Bau­zeit.“Ins­ge­samt kos­te die Sa­nie­rung rund 380 000 Eu­ro. Für ei­nen ab­schnitts­wei­sen Park­platz­bau kä­men dann 100 000 Eu­ro da­zu.

Er­geb­nis des Ge­sprä­ches: Der Platz bleibt für et­wa drei Mo­na­te ge­sperrt. Die Ver­wal­tung ge­steht aber auch klei­ne Kom­pro­mis­se zu: „Hum­pen“-Che­fin An­ne To­glou wird nach wie vor don­ners­tags be­lie­fert. Um der West­fa­len-Apo­the­ke ent­ge­gen­zu­kom­men, soll das Park­ver­bot an der Stra­ße Bren­dels­moor

hin­ter der Apo­the­ke teil­wei­se auf­ge­ho­ben wer­den. Au­ßer­dem sol­len die Ge­wer­be­trei­ben­den am Ber­li­ner Platz mit Wer­bung im Wo­chen­blatt un­ter­stützt wer­den und Stell­flä­chen in der Nä­he wäh­rend der Ge­schäfts­zei­ten den Kun­den der Ge­wer­be­trei­ben­den am Ber­li­ner Platz vor­be­hal­ten sein.

„Die Ängs­te um un­se­re Exis­tenz räumt das aber nicht aus“, re­sü­miert In­go Büch­ner.

Die Dis­kus­sio­nen zum Ber­li­ner Platz in Bü­ren le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/lot­te

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