Mit dem Wil­len zum Wech­sel

Ernst Gold­beck (Die Lin­ke) im Ge­spräch zur NRW-Wahl

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Westfälische Tagespost -

Der Kampf ge­gen den Ka­pi­ta­lis­mus ist ur­ei­ge­nes An­sin­nen der Lin­ken. Auch Ernst Gold­beck tritt im St­ein­fur­ter Wahl­kreis 83 an, um die­sen Kampf im Nord­rhein-West­fä­li­schen Land­tag nach den Wah­len am 14. Mai zu füh­ren.

Von Jes­si­ca von den Ben­ken

Auf dem Ib­ben­bü­re­ner Wo­chen­markt sprach er über den Wil­len zum Po­li­tik­wech­sel und ge­sell­schaft­li­chen Wan­del.

Ernst Gold­beck ist 64 Jah­re alt, tech­ni­scher An­ge­stell­ter aus dem Berg­bau im Ru­he­stand und le­dig. Der ehe­ma­li­ge Stei­ger wohnt in Ib­ben­bü­ren und ist seit 2009 Vor­sit­zen­der der Frak­ti­on „Die Lin­ke“im Rat der Stadt Ib­ben­bü­ren. „Dort är­ge­re ich ger­ne den Bür­ger­meis­ter“, sagt er im Scherz. Sei­ne we­ni­ge Frei­zeit ver­bringt er ger­ne beim Berg­wan­dern oder Ski­fah­ren in Ös­ter­reich. Auch in der Ib­ben­bü­re­ner In­nen­stadt trifft man ihn häu­fig – am liebs­ten auf dem Wo­chen­markt.

Sei­ne Mo­ti­va­ti­on, sich po­li­tisch zu en­ga­gie­ren, be­schreibt er so: „Po­li­tik, der Be­griff ist ab­ge­lei­tet aus dem Grie­chi­schen ,Po­lis‘ und be­schreibt den Wil­len und die Mög­lich­keit der Men­schen, über ihr Le­ben und ihr Schick­sal zu ent­schei­den, sich ein­zu­mi­schen. Die­ses ist hoch­ak­tu­ell. Wir le­ben in ei­ner Zeit des schein­bar un­ge­brems­ten Kon­sums. Der herr­schen­de Zeit­geist will uns ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen Kon­sum­fä­hig­keit und Stel­lung in der Ge­sell­schaft ver­mit­teln.“Dar­an sei zwei­er­lei falsch: Der Kon­sum­wahn zer­stö­re un­se­re Um­welt und da­mit die Le­bens­grund­la­ge. Man kön­ne und dür­fe Men­schen nicht nach ih­rer wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit ein­ord­nen.

Auf Lan­des­ebe­ne soll­ten in den kom­men­den fünf Jah­ren sei­ner Mei­nung nach meh­re­re po­li­ti­sche Pro­jek­te um­ge­setzt wer­den. Zum ei­nen sei die Ener­gie­wen­de durch die För­de­rung und den ver­mehr­ten Ein­satz re­ge­ne­ra­ti­ver Ener­gie­for­men wei­ter vor­an­zu­trei­ben. „NRW ist noch im­mer fest in der Hand der Ener­gie­rie­sen RWE und Eon. Bei­de Kon­zer­ne er­zie­len mit der För­de­rung und Ver­bren­nung von Koh­le ho­he Ge­win­ne und ha­ben des­halb kein In­ter­es­se am Koh­le­aus­stieg.“Wei­ter sei auch aus der Braun­koh­le ein schnellst­mög­li­cher Aus­stieg zu ver­ein­ba­ren – spä­tes­tens bis 2035.

Zum an­de­ren sei der öf­fent­li­che Per­so­nen­nah­ver­kehr in den länd­li­chen Re­gio­nen kaum ent­wi­ckelt. „Oh­ne Au­to ist man im Müns­ter­land und be­son­ders im Kreis St­ein­furt auf­ge­schmis­sen. Hier be­steht Hand­lungs­be­darf.“Dann stört Gold­beck, dass die Schu­len in NRW ver­gam­meln wür­den. „Durch fal­sche Spar­po­li­tik wur­den In­ves­ti­tio­nen in NRWs Schu­len zu­rück­ge­fah­ren. Die Bil­dungs­aus­ga­ben in NRW sind die nied­rigs­ten in al­len Bun­des­län­dern.“

Dass sich der Kreis St­ein­furt zur Hoch­burg von Lo­gis­tik­stand­or­ten ent­wick­le, be­ob­ach­te er mit Sor­ge. Ge­ra­de die­ser Ge­wer­be­zweig ste­che durch ei­ne ho­he Zahl so­ge­nann­ter Werk­ver­trä­ge bei den Be­leg­schaf­ten und ei­nem im­men­sen Flä­chen­ver­brauch ne­ga­tiv her­vor. „Hier muss um­ge­steu­ert wer­den.“Die Zu­kunft von Ib­ben­bü­ren be­schäf­tigt ihn zu­dem, wenn En­de 2018 die St­ein­koh­le­ze­che schließt. Einst sei­en dort fast 3000 Men­schen be­schäf­tigt ge­we­sen. Der nun er­for­der­li­che Struk­tur­wan­del dür­fe nicht sich selbst über­las­sen blei­ben. Ib­ben­bü­ren ha­be schon jetzt ein lan­des­weit un­ter­durch­schnitt­li­ches Ein­kom­men – im Schnitt 18 000 Eu­ro pro Ein­woh­ner, so Gold­beck. Da­von kön­ne kein Mensch le­ben oder sei­ne Al­ters­ver­sor­gung auf­bau­en. In den Struk­tur­wan­del müs­se der RAG Kon­zern ein­ge­bun­den wer­den, fin­det er und sagt: „Das RWE St­ein­koh­le­kraft­werk muss nach der Ze­chen­schlie­ßung ab­ge­schal­tet wer­den.“Ger­ne wür­de er ein­mal ei­nen Tag in sei­nem Wahl­kreis mit Nor­bert Rö­mer, Frak­ti­ons­chef der SPD im Land­tag, ver­brin­gen. Ihm wür­de er die ab­ge­häng­ten Re­gio­nen im Kreis St­ein­furt zei­gen wol­len.

Auf die Fra­ge nach ei­nem mög­li­chen Ko­ali­ti­ons­part­ner sag­te er: „Ei­gent­lich soll­ten SPD und Grü­ne die ,na­tür­li­chen‘ Ko­ali­ti­ons­part­ner sein. Bei­de Par­tei­en sind je­doch in­halt­lich mei­len­weit da­von ent­fernt, so et­was wie ei­nen Po­li­tik­wech­sel zu wol­len.“Oh­ne den Wil­len zum Po­li­tik­wech­sel – al­so weg von ei­ner nach rein ka­pi­ta­lis­ti­schen Grund­sät­zen aus­ge­rich­te­ten Ge­sell­schaft – wür­den Ko­ali­tio­nen kei­nen Sinn ma­chen. „CDU und FDP kom­men nicht in­fra­ge. Über die AfD möch­te ich hier kein Wort ver­lie­ren. Es wä­re Ver­geu­dung von Ener­gie.“

Ernst Gold­beck will für die Lin­ken in den Land­tag. Auf dem Ib­ben­bü­re­ner Wo­chen­markt tra­fen wir ihn zum Ge­spräch. Dort ist er ger­ne un­ter­wegs und tauscht sich mit den Bür­gern aus. Foto: Jes­si­ca von den Ben­ken

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