Wie der Kon­sum das Ge­sicht ei­ner Stra­ße ver­än­dert

Aus­stel­lung über die Gro­ße Stra­ße in Os­na­brück um 1900

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Auf www.noz.de/os

„Wa­ren, Welt und Wirt­schafts­wun­der. Die Gro­ße Stra­ße in Os­na­brück um 1900“hat Rolf Spil­ker sei­ne Aus­stel­lung zum Wan­del von Os­na­brücks Ein­kaufs­mei­le ge­nannt und ist da­für in die Ar­chi­ve des Bau­am­tes ge­stie­gen, um dort wah­re Schät­ze zu ent­de­cken.

In den Jahr­zehn­ten vor dem Ers­ten Welt­krieg führ­te die rasch fort­schrei­ten­de In­dus­tria­li­sie­rung zu ei­nem ra­san­ten Wachs­tum der Städ­te und zu ei­ner bis da­hin nicht ge­kann­ten tem­po­rei­chen Ve­rän­de­rung ge­sell­schaft­li­cher Zu­sam­men­hän­ge. Vor al­lem der Wan­del hin zu ei­ner Mas­sen­kon­sum­ge­sell­schaft ge­stal­te­te das Ant­litz der Städ­te neu. In Os­na­brück ist die­ser Wan­del in der Gro­ßen Stra­ße be­son­ders auf­fäl­lig. Der Lei­ter des Mu­se­ums In­dus­trie­kul­tur, Rolf Spil­ker, hat die­sen Wan­del in ei­ner Aus­stel­lung nach­voll­zo­gen, die ab Sonn­tag im Ma­ga­zin­ge­bäu­de am Süber­weg zu se­hen ist.

Spil­ker ist in die Ar­chi­ve der Bau­ver­wal­tung ge­stie­gen und hier auf Zeich­nun­gen und Bau­an­trä­ge ge­sto­ßen, die ak­ten­kun­dig ma­chen, wie die Welt der Wirt­schaft ins­be­son­de­re des Ein­zel­han­dels auf die zum Teil re­vo­lu­tio­nä­ren Ve­rän­de­run­gen re­agier­te. Nach der Durch­sicht der Ak­ten ist sich Spil­ker si­cher: „Die Stadt weiß gar nicht, wel­chen Schatz sie da hat.“Und in der Tat: An­hand der Bau­zeich­nun­gen lässt sich für ei­ne Viel­zahl der Ge­bäu­de in der Gro­ßen Stra­ße nach­voll­zie­hen, wie sie von ih­ren Ei­gen­tü­mern den sich ver­än­dern­den Ver­hält­nis­sen an­ge­passt wur­den. Am au­gen­fäl­ligs­ten: Die „Wa­ren, Welt und Wirt­schafts­wun­der“ist ab Sonn­tag im Ma­ga­zin­ge­bäu­de am Süber­weg zu se­hen.

Aus vor­mals klei­nen Woh­nungs­fens­tern wer­den gro­ße Glas­fron­ten, in de­nen sich das Wa­ren­sor­ti­ment der Händ­ler treff­lich prä­sen­tie­ren lässt. Gab es bis in die 1850er-Jah­re in der Gro­ßen Stra­ße über­wie­gend Wohn­häu­ser, wan­del­te sich das Bild in­ner­halb we­ni­ger Jahr­zehn­te – aus ein­fa­chen Wohn­häu­sern wur­den Kon­sum­tem­pel.

Es war die in­dus­tri­el­le Pro­duk­ti­on, die es er­mög­lich­te, dass vie­le Gü­ter für die brei­te Be­völ­ke­rung er­schwing­lich wur­den und für de­ren Ver­tei­lung an­ge­mes­se­ne Or­te ge­fun­den wer­den muss­ten. Die­se eta­blier­ten sich mit den Kauf- und Wa­ren­häu­sern nach und nach in den In­nen­städ­ten. Und nicht nur das: Mit ih­nen und durch sie ent­stand ei­ne zen­trums­bil­den­de In­fra­struk­tur, die das Bild der Städ­te und das all­täg­li­che Le­ben der Men­schen maß­geb­lich präg­te.

Das Mu­se­um kom­bi­niert in sei­ner neu­es­ten Aus­stel­lung die Plä­ne der um die Jahr­hun­dert­wen­de ent­ste­hen­den Kauf- und Wa­ren­häu­ser mit den hin­ter den oft­mals pracht­vol­len Fas­sa­den feil­ge­bo­te­nen Wa­ren.

„Wir neh­men die Be­su­cher in der Aus­stel­lung an die Hand und füh­ren sie vom Ne­u­markt durch die Gro­ße Stra­ße bis zum Ni­ko­lai­ort“, sagt Spil­ker. Auf dem Weg sind ne­ben dem bau­li­chen Wan­del der Gro­ßen Stra­ße wei­te­re Ve­rän­de­run­gen skiz­ziert. So do­ku­men­tiert sich die neue Funk­ti­on der Gro­ßen Stra­ße als in­ner­städ­ti­sches Zen­trum un­ter an­de­rem in der Tat­sa­che, dass sie die ein­zi­ge Stra­ße war, in der zwei Stra­ßen­bahn­li­ni­en un­ter­wegs wa­ren. Auch war es die noch jun­ge Os­na­brü­cker Ein­kaufs­mei­le, die, be­dingt durch ih­ren wach­sen­den Hun­ger nach Strom, un­ter an­de­rem für die Be­leuch­tung der Schau­fens­ter, aber auch für die abend­li­chen Ein­kaufs­bumm­ler die Stadt ver­an­lass­te, ein ers­tes Elek­tri­zi­täts­werk zu bau­en.

Er­öff­net wird die Aus­stel­lung „Wa­ren, Welt und Wirt­schafts­wun­der. Die Gro­ße Stra­ße um 1900“, zu der es auch ei­nen Ka­ta­log gibt, am Sonn­tag, 7. Mai, um 11 Uhr im Ha­se­schacht­ge­bäu­de des Mu­se­ums In­dus­trie­kul­tur am Fürs­ten­au­er Weg 171.

Zu se­hen ist die Aus­stel­lung im Ma­ga­zin­ge­bäu­de am Süber­weg bis zum 1. Ok­to­ber mitt­wochs bis sonn­tags von 10 bis 18 Uhr.

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