Le Pen darf auf vie­le Stim­men hof­fen

Os­na­brü­cker Wis­sen­schaft­le­rin er­lebt mor­gen die Stich­wahl in Fran­zö­sisch-Gua­ya­na

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück -

Frank­reich grenzt im Wes­ten und im Os­ten an den At­lan­tik – aus der Ko­lo­ni­al­zeit üb­rig ge­blie­be­ne Über­see-Dé­par­te­ments ma­chen es mög­lich. Die Os­na­brü­cke­rin Na­ta­scha Ueck­mann er­lebt den Wahl­kampf der­zeit im süd­ame­ri­ka­ni­schen Fran­zö­sisch-Gua­ya­na mit.

Von Tho­mas Wüb­ker

OS­NA­BRÜCK/CAY­ENNE. Gua­de­lou­pe und Mar­ti­ni­que in der Ka­ri­bik, Mayot­te und La Ré­uni­on im In­di­schen Oze­an so­wie Fran­zö­si­schGua­ya­na, das nörd­lich von Bra­si­li­en liegt, sind die Über­see-Dé­par­te­ments Frank­reichs. Fran­zö­sisch-Gua­ya­na ist in Eu­ro­pa vor al­lem we­gen der Ra­ke­ten­ab­schuss-Ba­sis in Kou­rou be­kannt. Von dort flie­gen die eu­ro­päi­schen Aria­ne-Ra­ke­ten ins Wel­tall.

Für Na­ta­scha Ueck­mann sind an­de­re Grün­de aus­schlag­ge­bend für ih­ren Auf­ent­halt in Fran­zö­sisch-Gua­ya­na. Sie ist Do­zen­tin für Li­te­ra­turund Kul­tur­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät Bre­men und im Zu­ge ei­nes Eras­mus-Gast­do­zen­ten-Aus­tau­sches an der Uni­ver­sité de Gu­ya­ne in der Haupt­stadt Cay­enne. Die Os­na­brü­cke­rin gibt dort Lehr­ver­an­stal­tun­gen zum trans­kul­tu­rel­len Thea­ter in Frank­reich und zu schwar­zen Hu­ma­nis­musund Al­te­ri­täts­kon­zep­ten. Wahl­kampf in der Ex-Ko­lo­nie: Im De­zem­ber schau­ten Em­ma­nu­el Ma­cron und Ma­ri­ne Le Pen bei­de im Über­see-Dé­par­te­ment Fran­zö­sisch-Gua­ya­na vor­bei, um für ih­re Po­li­tik zu wer­ben.

Wenn Ueck­mann frei hat, schaut sie sich in dem Land um. „Die Men­schen ha­ben hier mas­si­ve Pro­ble­me mit Ar­beits­lo­sig­keit und feh­len­der In­fra­struk­tur wie Man­gel an Schu­len und Kran­ken­häu­sern“, sagt sie in ei­nem Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on, das per Sky­pe ge­führt wird. Sie be­rich­tet au­ßer­dem, dass von der Be­völ­ke­rung die Einwanderung aus dem an­de­ren, eng­lisch­spra­chi­gen Gua­ya­na so­wie aus Su­ri­nam, Bra­si­li­en und Hai­ti als die Qu­el­le die­ser Miss­stän­de an­ge­se­hen wird. Da­her kön­ne Ma­ri­ne Le Pen bei der ent­schei­den­den Stich­wahl am Sonn­tag auch in Fran­zö­sisch-Gua­ya­na mit Zu­lauf rech­nen.

Die Wahl­pla­ka­te der Rechts­po­pu­lis­tin wa­ren dann auch die ein­zi­gen, die Na­ta­scha Ueck­mann in Fran­zö­sisch-Gua­ya­na ent­deckt

hat. Ein Mann an der Re­zep­ti­on ih­res Ho­tels hat ihr er­zählt, dass das Flug­zeug, das die Wer­be­mit­tel ih­res Ri­va­len Em­ma­nu­el Ma­cron ins Land brin­gen soll­te, we­gen ei­nes Ge­ne­ral­streiks nicht lan­den konn­te.

Die meis­ten Men­schen in dem Land in­for­mie­ren sich über das In­ter­net, so Ueck­mann. „Vie­le hät­ten hier ger­ne den Lin­ken Je­an-Luc Mé­len­chon als Sie­ger ge­se­hen. Die meis­ten Men­schen leh­nen Ma­crons Po­li­tik ab.“Mé­len­chon hat­te im ers­ten Wahl­gang die meis­ten Stim­men in Fran­zö­sisch-Gua­ya­na be­kom­men; dicht ge­folgt von Le Pen. Bei den Wah­len zum EU-Par­la­ment vor drei Jah­ren er­hielt Le Pens Par­tei, der Front Na­tio­nal, 14 Pro­zent der Stim­men.

Im März und April wur­de Fran­zö­sisch-Gua­ya­na von lan­des­wei­ten Pro­tes­ten,

Streiks und Stra­ßen­blo­cka­den er­schüt­tert. Der Start ei­ner Aria­ne-5-Ra­ke­te muss­te ver­scho­ben wer­den. Vie­le Gua­ya­ne­sen pro­tes­tier­ten ge­gen die auf­wen­di­ge Fi­nan­zie­rung des Ra­ke­ten­pro­gramms. Sie for­dern laut Me­dien­be­rich­ten mehr Geld für die Be­kämp­fung der Kri­mi­na­li­tät und der Ar­beits­lo­sig­keit, de­ren Quo­te bei 22 Pro­zent liegt. Sie streik­ten zu­dem für die Ver­bes­se­rung des Ge­sund­heits­sys­tems und des Bil­dungs­sek­tors so­wie für die Na­ta­scha Ueck­mann

Re­for­mie­rung der So­zi­al­ver­si­che­rung.

Vie­le Gua­ya­ne­sen wol­len am Sonn­tag ei­nen lee­ren Stimm­zet­tel ab­ge­ben. „Da­zu wur­de wohl auch wäh­rend des Streiks er­mu­tigt, um Frank­reichs Po­li­tik Wi­der­stand ent­ge­gen­zu­set­zen“, sagt Ueck­mann. Der lee­re Stimm­zet­tel soll Pro­test aus­drü­cken, ist aber na­tür­lich un­gül­tig. Vie­le Pro­gno­sen sa­gen vor­aus, dass ei­ne ge­rin­ge Wahl­be­tei­li­gung – und eben auch un­gül­ti­ge Stim­men – eher Ma­ri­ne Le Pen nüt­zen als Em­ma­nu­el Ma­cron. Front-Na­tio­nal-Wäh­ler gin­gen be­stän­dig zur Wahl, heißt es. So könn­ten wo­mög­lich auch Stim­men aus Fran­zö­sisch-Gua­ya­na da­zu bei­tra­gen, dass ei­ne Prä­si­den­tin an die Macht kommt, de­ren Par­tei das Er­be des al­ten fran­zö­si­schen Ko­lo­ni­al­reichs noch im­mer hoch­hält.

ar­bei­tet als Gast­do­zen­tin an der Uni de Gu­ya­ne. Foto: Ueck­mann

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