Wenn der Geh­steig ab­schüs­sig ist

Ak­ti­on der Heil­päd­ago­gi­schen Hil­fe de­mons­triert all­täg­li­che Hin­der­nis­se

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrück - Und sei­nen Stadt­tei­len auf www.noz.de/os

Ei­ne Ah­nung be­kom­men, wie es ist, blind, taub oder geh­be­hin­dert zu sein – das war jetzt vor der Men­sa Wes­ter­berg mög­lich bei ei­ner Ak­ti­on der Heil­päd­ago­gi­schen Hil­fe Os­na­brück (HHO). „Wir ge­stal­ten un­se­re Stadt“lau­te­te das Mot­to.

Von Vin­cent Buß

OS­NA­BRÜCK. Im Kon­text des jähr­li­chen Pro­test­ta­ges zur Gleich­stel­lung von Men­schen mit Be­hin­de­rung, der am 5. Mai be­gan­gen wird, bot die HHO ver­schie­de­ne Ak­tio­nen zum Mit­ma­chen an.

Hö­he­punkt war ein Roll­stuhl­par­cours mit Hin­der­nis­sen, die nur auf den ers­ten Blick rea­li­täts­fern wa­ren. Un­ter ei­ner Art Hoch­sprung­hür­de durch­zu­fah­ren si­mu­lier­te et­wa den Weg, den Roll­stuhl­fah­rer oft in äl­te­ren Su­per­märk­ten zu­rück­le­gen. Denn statt durch das für sie un­pas­sier­ba­re Dreh­kreuz müs­sen sie den Durch­gang für Ein­kaufs­wa­gen be­nut­zen.

„Wir wol­len die Men­schen da­für sen­si­bi­li­sie­ren, wie schwie­rig es sein kann, mit Be­hin­de­rung durch die Stadt zu kom­men“, er­klär­te Pe­tra Ma­this­ke, die selbst im Roll­stuhl sitzt. Die Vor­sit­zen­de des Be­hin­der­ten­fo­rums Os­na­brück be­treu­te den Par­cours. Wei­te­re Hin­der­nis­se stan­den für Bord­stein­kan­ten, Holz­brü­cken und Bür­ger­stei­ge mit Ge­fäl­le, wie sie laut Ma­this­ke bei­spiels­wei­se an der Mö­ser­stra­ße zu fin­den sind. Ei­nen Bür­ger­steig mit Ge­fäl­le Gar nicht so ein­fach . . .

Auch der Blin­den­stock konn­te ge­tes­tet wer­den. Die größ­te Hil­fe beim Zu­recht­fin­den bot da­bei das Blin­den­leit­sys­tem, wie es bei­spiels­wei­se auch an Bus­hal­te­stel­len ver­wen­det wird: Aus dem Pflas­ter her­vor­ste­hen­den Li­ni­en gilt es zu fol­gen, Nop­pen ru­fen zur Vor­sicht auf. Ei­gent­lich ein gu­tes Sys­tem, sag­te Ma­this­ke – wä­ren die Li­ni­en vor der Men­sa nicht mit Fahr­rä­dern zu­ge­stellt.

Das Fa­zit der Be­su­che­rin Ka­trin Tietz: „Kör­per­lich war der Roll­stuhl an­stren­gen­der, psy­chisch das Blind­sein.“Ge­nau die­se Er­fah­run­gen sind si­mu­lier­te die­ses Hin­der­nis, das Be­su­che­rin Ka­trin Tietz im Roll­stuhl über­win­den muss­te.

laut Ma­this­ke wich­tig: „Man be­kommt ei­nen Blick für die Pro­ble­me und kann an­de­re dar­auf hin­wei­sen.“Bar­rie­re­frei­heit ist eben mehr, als le­dig­lich Roll­stuhl­fah­rern Hin­der­nis­se aus dem Weg zu räu­men.

Os­na­brück hält Pe­tra Ma­this­ke in die­sem Punkt für mit­tel­mä­ßig, „aber die Stadt gibt sich Mü­he“. Denn die Ver­wal­tung be­ra­te sich bei mög­li­chen Maß­nah­men mit dem Be­hin­der­ten­fo­rum, was nicht selbst­ver­ständ­lich sei. Das Pro­blem lie­ge meist in man­geln­den fi­nan­zi­el­len Mit­teln. Ihr größ­ter Wunsch

an die Stadt­pla­ner: ein ebe­ner Weg zum Über­que­ren von Markt- und Dom­platz. „Das wä­re auch gut für Kin­der­wa­gen und Stö­ckel­schu­he“, fin­det sie. „De­sign für al­le“nennt sich das.

Be­treut wur­de die Ver­an­stal­tung von an­ge­hen­den Hei­l­er­zie­hungs­pfle­gern des Be­rufs­bil­dungs­werks Os­na­brü­cker Land, ge­för­dert von der Ak­ti­on Mensch. Der Os­na­brü­cker Künst­ler Hea­ven fun­gier­te als Mo­de­ra­tor.

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vor der Men­sa Wes­ter­berg folg­te Be­su­cher To­bi­as Von­hö­ne, be­glei­tet vom Künst­ler Hea­ven.

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