Mel­ler we­gen Mor­des ver­ur­teilt

Straf­maß fällt mit 14,5 Jah­ren hö­her als er­war­tet aus – An­schlie­ßen­de Si­che­rungs­ver­wah­rung an­ge­ord­net

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Osnabrücker Land -

We­gen Mor­des ist am Frei­tag ein 40-jäh­ri­ger Mel­ler vor dem Land­ge­richt Os­na­brück ver­ur­teilt wor­den. Der Mann muss für 14,5 Jah­re ins Ge­fäng­nis.

Von Chris­ti­na Eich­sta­edt-Wies­mann

Der An­ge­klag­te hat­te im Au­gust 2016 ei­nen 45-Jäh­ri­gen ge­tö­tet, weil er da­von aus­ging, dass der Mann ein Ver­hält­nis mit sei­ner Freun­din hat. Die Freun­din hat­te sich En­de Ju­li von dem An­ge­klag­ten ge­trennt und woll­te auch nicht mehr – wie zu­vor ge­plant – mit ihm zu­sam­men­zie­hen. Sie kam bei Freun­den un­ter, zu de­nen auch das spä­te­re Op­fer zähl­te.

Nach­dem die Po­li­zei schon En­de Ju­li we­gen Hand­greif­lich­kei­ten aus­rü­cken muss­te, es­ka­lier­te die Si­tua­ti­on in der Nacht auf den 2. Au­gust. Der Tä­ter er­blick­te sei­ne Freun­din in der Woh­nung des 45-Jäh­ri­gen, trat die Ter­ras­sen­tür ein und stach so­fort mit ei­nem mit­ge­brach­ten Mes­ser auf sein Op­fer ein. Der Schwer­ver­letz­te schlepp­te sich noch auf die Stra­ße und rief um Hil­fe. In den Ar­men sei­nes Bru­ders ver­lor er dann das Be­wusst­sein und starb nach meh­re­ren Re­ani­ma­tio­nen und Ope­ra­tio­nen Ta­ge spä­ter im Kran­ken­haus.

Der Staats­an­walt hat­te 13,5 Jah­re we­gen Mor­des ge­for­dert, die Ver­tei­di­ge­rin der Ne­ben­kla­ge, die die ehe­ma­li­ge Freun­din ver­trat, 14 Jah­re. Der Ver­tei­di­ger woll­te ei­ne Ver­ur­tei­lung we­gen Tot­schlags und ei­ne Stra­fe, die nicht hö­her als acht Jah­re aus­fal­len soll­te.

Doch die Kam­mer ent­scheid auf 14,5 Jah­re we­gen Mor­des. Denn das Ge­richt sah es als er­wie­sen an, dass der Mel­ler heim­tü­ckisch und „aus nie­de­ren Be­weg­grün­den“ge­han­delt ha­be, als er auf den ver­meint­li­chen Ne­ben­buh­ler ein­stach. Schuld­er­hö­hend rech­ne­te das Ge­richt an, dass der Tä­ter sich nicht um sein Dro­gen- und Al­ko­hol­pro­blem ge­küm­mert ha­be und in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach straf­recht­lich in Er­schei­nung ge­tre­ten war – un­ter an­de­rem we­gen Kör­per­ver­let­zung.

Ein Gut­ach­ter hat­te an ei­nem der vor­he­ri­gen Ver­hand­lungs­ta­ge an­ge­ge­ben, dass der Mel­ler kein Psy­cho­path im klas­si­schen Sin­ne sei, aber durch­aus psy­cho­pa­tho­lo­gi­sche Zü­ge auf­wei­se. So se­he sich der 40-Jäh­ri­ge stets als Op­fer. Aus Be­stra­fun­gen und Haft­stra­fen, die sein Ver­hal­ten nach sich zie­he, ler­ne er nicht, gab der Gut­ach­ter an. Letz­te­res wie­der­um ist ein Grund, wes­halb das Ge­richt für den Mel­ler zu­dem die Si­che­rungs­ver­wah­rung an­ord­ne­te, denn der Tä­ter wird, so hat­te es auch der Gut­ach­ter be­stä­tigt, als ge­fähr­lich für die All­ge­mein­heit an­ge­se­hen.

„Es tut mir leid, mehr ha­be ich nicht zu sa­gen“, nutz­te der ver­ur­teil­te Mann die Chan­ce für ein letz­tes Wort im Rah­men der Ver­hand­lung. Bin­nen ei­ner Wo­che kann er ge­gen das Ur­teil Re­vi­si­on ein­rei­chen.

Das Bild zeigt Plöt­zen, auch Rot­au­ge ge­nannt. Der Spei­se­fisch ist vor al­lem in der ost­eu­ro­päi­schen Kü­che be­liebt. Un­klar ist, wie vie­le der ver­un­rei­nig­ten Fi­sche noch im Um­lauf sind. Foto: imago/Bernd Frie­del

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