Xa­vier Nai­doo pro­vo­ziert mit Pro­test-Song

Kri­sen­tref­fen mit Mann­heims OB

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Weltspiegel - Mehr Ar­ti­kel auf noz.de/po­li­tik

Seit Ta­gen sorgt Sän­ger Xa­vier Nai­doo mit sei­ner merk­wür­di­gen Wel­t­an­schau­ung für ho­he Em­pö­rungs­wel­len in den so­zia­len Me­di­en – wie­der ein­mal. Aus­lö­ser ist der Song „Ma­rio­net­ten“, der auf dem neu­en Al­bum „MannHeim“der Söh­ne Mann­heims er­schie­nen ist.

Von Sven Me­chel­hoff und Mar­cus Ta­cken­berg

OS­NA­BRÜCK/MANNHEIM. Der Song­text von „Ma­rio­net­ten“pro­vo­ziert in der Tat mit Ge­dan­ken und Aus­sa­gen, die ein de­mo­kra­ti­sches Ver­ständ­nis Nai­doos ver­mis­sen las­sen. Un­ter an­de­rem heißt es dort: „Wie lan­ge wollt ihr noch Ma­rio­net­ten sein? Seht ihr nicht, ihr seid nur Steig­bü­gel­hal­ter“und mit Adres­se an die Po­li­ti­ker: „Als Volks-in-die-Fres­se-Ver­tre­ter stoßt ihr an eu­re Gren­zen“und „Wenn ich so ei­nen in die Fin­ger krieg, dann reiß ich ihn in Fet­zen. Und da hilft auch kein Ver­ste­cken hin­ter Pa­ra­gra­fen und Ge­set­zen.“Und wei­ter: „Tei­le eu­res Volks nen­nen euch schon Hoch- be­zie­hungs­wei­se Volks­ver­rä­ter.“

Mann­heims Ober­bür­ger­meis­ter Pe­ter Kurz (SPD) wirft der Band „an­ti-staat­li­che Aus­sa­gen“vor und ver­langt ei­ne Er­klä­rung. Der Po­li­ti­ker ha­be die Ein­la­dung der Söh­ne Mann­heims zu ei­nem Tref­fen „mög­lichst in den nächs­ten Ta­gen“an­ge­nom­men, hieß es. Den ge­nau­en Ter­min woll­ten bei­de Sei­ten nicht mit­tei­len.

Band-Mit­glied und Sän­ger Henning Weh­land kom­men­tier­te die Auf­re­gung um das Lied am Ran­de des Tour­starts vor we­ni­gen Ta­gen: „Ich ver­ste­he das Lied als Ap­pell zum Nach­den­ken dar­über, dass Po­li­tik oft miss­braucht wird. Und da wol­len wir – mit zu­ge­ge­ben über­zeich­ne­ten Wor­ten– auf­ru­fen, et­was da­ge­gen zu tun.“Der Song sei si­cher­lich pro­vo­ka­tiv und zu­ge­spitzt, mein­te auch Band-Mit­glied Rolf Stahl­ho­fen. „Ich kann ver­ste­hen, dass da man­che auf­schrei­en. Aber das Lied ist kein Auf­ruf zur Ge­walt, es ist ein Auf­ruf zum Dia­log“, sag­te der Sän­ger.

Im­mer wie­der wird Xa­vier Nai­doo vor­ge­wor­fen, Ver­schwö­rungs­theo­ri­en und An­ti-Ame­ri­ka­nis­mus zu för­dern so­wie den Reichs­bür­gern na­he­zu­ste­hen. 2011 hat­te er im ARD-Mor­gen­ma­ga­zin in Reichs­bür­ger-Rhe­to­rik er­klärt: „Wir sind nicht frei. Wir sind im­mer noch ein be­setz­tes Land.“Die rechts­po­pu­lis­ti­schen so­ge­nann­ten Reichs­bür­ger er­ken­nen Deutsch­land in sei­ner heu­ti­gen Form nicht als sou­ve­rä­nen Staat an.

Am Tag der Deut­schen Ein­heit 2014 sprach Xa­vier Nai­doo vor Reichs­bür­gern in Berlin. Dort ver­brei­te­te er un­ter an­de­rem sei­ne An­sicht zu den An­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber in New York: „Wer als Wahr­heit hin­ge­nom­men hat, was da er­zählt wur­de, der hat ei­nen Schlei­er vor den Au­gen.“Um den An­schlag ran­ken sich ver­schie­de­ne Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. So zum Bei­spiel, dass die Tür­me be­wusst ge­sprengt wur­den, der An­schlag ab­sicht­lich nicht ver­hin­dert wur­de oder statt Flug­zeu­gen ei­ne US-Ra­ke­te ins World Tra­de Cen­ter ein­ge­schla­gen sei. Xa­vier Nai­doo

Der Na­me Xa­vier Nai­doo ist zu­dem in ne­ga­ti­ver Wei­se mit dem Eu­ro­vi­si­on Song Con­test (ESC) ver­bun­den. Der für den Wett­be­werb ver­ant­wort­li­che Nord­deut­sche Rund­funk (NDR) woll­te Xa­vier Nai­doo 2015 als Kan­di­da­ten ent­sen­den, zog sei­ne No­mi­nie­rung nach hef­ti­ger öf­fent­li­cher Kri­tik aber wie­der zu­rück.

An­fang der Wo­che ha­ben die Söh­ne Mann­heims ih­re Tour­nee durch Deutsch­land, Ös­ter­reich, Lu­xem­burg und die Schweiz ge­star­tet. Zum Tour­auf­takt spiel­te das Künst­ler­kol­lek­tiv aus rund 20 Mu­si­kern das Lied „Ma­rio­net­ten“al­ler­dings nicht.

Die Welt der Reichs­bür­ger:

Foto: dpa

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