Zu­rück zu den Punk­wur­zeln

Mit „Lau­ne der Na­tur“ver­öf­fent­li­chen Die To­ten Ho­sen nach lan­ger Pau­se neu­es Stu­dio­al­bum

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur - JKP (Warner)

„Lau­ne der Na­tur“nen­nen Die To­ten Ho­sen ihr 14. Stu­dio­al­bum. So­wohl trau­ri­ge als auch lus­ti­ge Songs prä­gen die neue Plat­te, auf die die Fans fünf Jah­re ge­war­tet ha­ben.

Von Tom Bull­mann

OS­NA­BRÜCK. Es star­tet mit ei­nem „Ur­knall“und en­det mit ei­nem ge­sun­ge­nen Ab­schied von ei­nem Band­kol­le­gen: das neue Al­bum der To­ten Ho­sen. Fünf Jah­re ist es her, dass die Düs­sel­dor­fer Trup­pe mit Punk­wur­zeln ihr letz­tes Al­bum „Bal­last der Re­pu­blik“ver­öf­fent­lich­te. Dass jetzt ei­ne lan­ge Zeit ver­ging, bis sie wie­der ins Stu­dio gin­gen, liegt nicht zu­letzt an der Tat­sa­che, dass im Ja­nu­ar 2015 ihr Ma­na­ger Jo­chen Hül­der ge­stor­ben war, der die To­ten Ho­sen zu ei­ner der er­folg­reichs­ten Rock­bands Deutsch­lands ge­macht hat­te. Dann starb im April 2016 auch noch der ehe­ma­li­ge DTH-Schlag­zeu­ger Wolf­gang „Wöl­li“Roh­de. Bei­de Schick­sals­schlä­ge hin­ter­lie­ßen Spu­ren auf dem Al­bum.

„Der Ma­na­ger ist tot, die Koh­le wird ver­brannt… wir wol­len zu­rück auf den Bolz­platz“, singt Cam­pi­no in dem Ope­ner „Ur­knall“. Als woll­ten sich die Ho­sen Frust und Trau­er von der See­le prü­geln, le­gen sie in dem Song los wie ei­ne Speed­me­tal­band. Es ist ein rü­de raus­ge­haue­nes State­ment über das Band­le­ben, den Er­folg und das Be­dürf­nis, zu­rück zu den Wur­zeln zu ge­hen, als man noch un­be­läs­tigt auf den Düs­sel­dor­fer Rhein­wie­sen Fuß­ball spie­len konn­te. Aber „Ur­knall“ist nicht

wirk­lich der Song, mit dem sich die Band von Ma­na­ger Hül­den ver­ab­schie­det. Der heißt näm­lich „Ei­ne Hand­voll Er­de“und ist ein Lied ge­wor­de­ner Be­richt über sei­ne Be­er­di­gung: „Ei­ne Hand­voll Er­de werf ich dir hin­ter­her…“

15 Songs ha­ben An­di, Brei­ti, Cam­pi­no, Kud­del und Vom für das Al­bum aus­ge­sucht, auf das die Fans so lan­ge ge­war­tet ha­ben. Mit „Pop und Po­li­tik“geht die Band, die frü­her als Opel-Gang un­ter­wegs war, so­wohl text­lich als auch mu­si­ka­lisch zu­rück zu ih­ren Punk­wur­zeln.

„Wollt ihr die Welt ver­än­dern, mit eu­rer pein­li­chen Mu­sik?“, nimmt Cam­pi­no be­stimm­ten Kol­le­gen den Wind aus den Se­geln, die mei­nen, mit ih­ren Songs et­was be­wir­ken zu kön­nen. Sich und sei­ne Band schließt er von sei­ner re­fle­xi­ven Be­trach­tung al­ler­dings aus. Die Ein­schät­zung der Wir­kung der DTHMu­sik auf den Fan über­lässt er ge­flis­sent­lich an­de­ren.

Mit ei­nem der ty­pi­schen Sta­di­onge­sän­ge star­tet der Ti­tel­song des Al­bums „Lau­ne der Na­tur“, be­vor er in ei­nen

Reg­gae-in­fi­zier­ten Rhyth­mus ver­fällt. Der nach­denk­li­che Text könn­te ei­ne der Ko­ope­ra­tio­nen von Cam­pi­no mit Rap­per Mar­te­ria sein– bei­de fei­len schon seit ei­ni­gen Jah­ren in­ten­siv ge­mein­sam an Tex­ten. Da­mit das Al­bum nicht zu grüb­le­risch und trau­rig da­her­kommt, wer­den recht lus­ti­ge Songs wie „Wann­see“ein­ge­streut.

Den letz­ten Song auf dem Al­bum singt Wöl­li selbst: „Kein Grund zur Trau­rig­keit“hat­te er zu Leb­zei­ten für ein So­lo­al­bum auf­ge­nom­men.

Die al­ten Auf­nah­men ver­ton­ten die To­ten Ho­sen jetzt neu, um „noch ein letz­tes Mal mit ihm zu­sam­men Mu­sik ge­macht zu ha­ben“.

Re­gel­recht spek­ta­ku­lär ist üb­ri­gens die Co­ver­ge­stal­tung, die im Bü­ro Dirk Ru­dolph ent­stand. Wer ein biss­chen mehr Geld aus­ge­ben will, kann das Al­bum üb­ri­gens im Dop­pel­pack in ei­nem ähn­lich wie das Al­bum auf­ge­mach­ten Schu­ber kau­fen. Er ent­hält das Al­bum „Learning English Les­son 2“und ist die Fort­füh­rung des Pro­jekts, das die Ho­sen

1991 star­te­ten, in­dem sie zu­sam­men mit al­ten Hau­de­gen der Punk-Ära de­ren Klas­si­ker neu in­ter­pre­tier­ten. Wer will nicht bei­spiels­wei­se „Ca­li­for­nia über al­les“hö­ren, das die To­ten Ho­sen mit Jel­lo Biaf­ra von den Dead Ken­ne­dys ein­ge­spielt ha­ben? Oder „No­bo­dy’ s He­ro“mit Ja­ke Burns von den Stiff Litt­le Fin­gers?

Die To­ten Ho­sen: „Lau­ne der Na­tur“,

Prä­sen­tie­ren nach fünf Jah­ren ein neu­es Al­bum: Micha­el Breit­kopf, Andre­as von Holst, Andre­as Fre­ge, Vom Rit­chie und Andre­as Meu­rer (von links). Foto: dpa

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