Mehr Geld für Di­gi­tal­stra­te­gie ge­for­dert

Mu­se­ums­bund wird 100: Mit­glie­der ste­hen vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur -

Die Mu­se­en in Deutsch­land for­dern mehr Geld, um sich für das di­gi­ta­le Zeit­al­ter fit zu ma­chen. Zum 100-jäh­ri­gen Be­ste­hen des Deut­schen Mu­se­ums­bunds sag­te des­sen Prä­si­dent Prof. Eck­art Köh­ne (50), In­ter­net und so­zia­le Me­di­en sei­en die gro­ße Zu­kunfts­chan­ce für Mu­se­en. „Wir er­rei­chen da­mit auch Men­schen, die sonst nicht zu uns kom­men, weil wir sie zu Hau­se ab­ho­len kön­nen.“

Al­ler­dings ge­be es für die neu­en Auf­ga­ben kein Geld. „Nach den Jah­ren des Ab­schmel­zens und Spa­rens gibt es bei den meis­ten In­sti­tu­tio­nen kei­ne Re­ser­ven mehr. Wir sind am En­de un­se­rer Mög­lich­kei­ten an­ge­langt“, sag­te Köh­ne. Da­bei sei die Ent­wick­lung di­gi­ta­ler Stra­te­gi­en mit viel per­so­nel­lem und tech­ni­schem Auf­wand ver­bun­den. „Hier muss es zu­sätz­li­che Hil­fe ge­ben, die sich nicht in schö­nen Ein­zel­pro­jek­ten er­schöpft. Wir brau­chen dau­er­haf­te Un­ter­stüt­zung.“Dass das In­ter­net mit sei­nen mas­sen­haf­ten In­for­ma­tio­nen die Mu­se­en ver­drän­gen könn­te, glaubt der Ver­bands­prä­si­dent nicht. „Wer sich im welt­wei­ten Netz in­for­miert, tut das am bes­ten auf den Sei­ten, die von Pro­fis wie den Mu­se­en ge­macht wer­den“, sagt er. „Au­ßer­dem er­set­zen we­der der Brock­haus frü­her noch das In­ter­net heu­te den Um­gang mit den Ori­gi­na­len. Die Wir­kung ei­nes Ge­mäl­des, die Grö­ße ei­nes Wal-Ske­letts oder die Au­then­ti­zi­tät ei­nes Gra­bungs­fun­des las­sen sich nur im di­rek­ten Kon­takt wirk­lich er­le­ben.“

Trotz­dem müs­sen sich die Mu­se­en sei­ner An­sicht nach stär­ker um Pro­fil und Sicht­bar­keit be­mü­hen. „Un­se­re Ge­sell­schaft ist im Um­bruch. Durch Mi­gra­ti­on, mo­der­ne Tech­no­lo­gi­en und ge­än­der­te Wis­sen­s­an­for­de­run­gen kom­men neue Her­aus­for­de­run­gen auf uns zu. Ge­ra­de da soll­ten die Mu­se­en be­wusst zur öf­fent­li­chen Mei­nungs­bil­dung bei­tra­gen und ih­re Rol­le in der Ge­sell­schaft wahr­neh­men.“

Ins­ge­samt gibt es in Deutsch­land rund 6500 Häu­ser, vie­le in öf­fent­li­cher Trä­ger­schaft, rund die Hälf­te wird eh­ren­amt­lich ge­führt. „Selbst in klei­nen Or­ten, wo es kei­nen Tan­te-Em­ma-La­den mehr gibt, kei­ne Post­fi­lia­le und kei­nen Bä­cker, fin­det sich meis­tens noch ein Mu­se­um, das die lo­ka­len Samm­lun­gen zeigt und das kul­tu­rel­le Brauch­tum der Re­gi­on be­wahrt“, sagt Köh­ne. „Die­se Rol­le hal­ten wir für sehr wich­tig.“

Bei der Jah­res­ta­gung, die vom 7. bis 10. Mai in der Staats­bi­blio­thek in Berlin statt­fin­det, ste­hen die­se The­men ganz oben auf der Ta­ges­ord­nung. Zum Auf­takt wird am Sonn­tag in ei­nem Fest­akt im Deut­schen His­to­ri­schen Mu­se­um das 100-jäh­ri­ge Be­ste­hen des Ver­bands ge­fei­ert. Als Gäs­te wer­den rund 400 Mu­se­ums­ex­per­ten so­wie Ver­tre­ter aus Po­li­tik und Kul­tur er­war­tet. Al­lein in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren hat sich die Zahl der Ver­bands­mit­glie­der von 2000 auf gut 3000 er­höht. „Wir sind ein Ver­band, der stark wächst. Wir sind auf ei­nem gu­ten Weg“, sagt Köh­ne.

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