Songs und State­ments

Bernd Be­ge­mann in der Klei­nen Frei­heit

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional -

Von Mat­thi­as Liedt­ke

Mehr als drei ex­zes­si­ve St­un­den lang zeig­te sich der „elek­tri­sche Lie­der­ma­cher“als Be­ses­se­ner sei­ner Kunst, die da­rin be­steht, the­ra­peu­ti­sche Lie­der für je­de Ge­le­gen­heit und Le­bens­si­tua­ti­on zu schrei­ben. Ins­be­son­de­re die ver­flix­te Lie­be bringt Bernd Be­ge­mann, der kein „ro­man­ti­scher Narr“sein will, mit Songs wie „Zwei­mal zwei­te Wahl“oder „Nichts er­reicht au­ßer dir“auf den Punkt. Da­bei haucht, ächzt und schreit er ins Mi­kro­fon, ru­dert wild mit den Ar­men, um die Gäs­te sei­ner „Show“zum „Lärm­ma­chen“zu ani­mie­ren, spielt Pe­ter Kraus- und Smiths-Co­ver an („Tiger“und „Big­mouth“) und er­zählt zwi­schen­durch im­mer wie­der ra­de­bre­chen­de Ge­schich­ten. Die Sai­ten sei­ner E-Gi­tar­re zupft er mal en­er­gisch hart und mal sanft und lei­se, et­wa bei der „deut­schen Hym­ne oh­ne Re­frain“.

Dem Pu­bli­kum so au­then­tisch nah zu sein wie Jo­na­than Rich­man, sich da­bei aber gleich­zei­tig so di­ven­haft un­nah­bar zu ge­ba­ren wie Bob Dy­lan: Die­sen ei­gent­lich un­mög­li­chen Spa­gat be­herrscht Bernd Be­ge­mann wie kein Zwei­ter. Die iro­ni­schen Zu­spit­zun­gen und bit­ter­bö­se zy­ni­schen bis herz­zer­rei­ßend poe­ti­schen Po­in­ten in sei­nen Tex­ten und State­ments las­sen ihn wie ein Mor­ris­sey deut­scher Zun­ge er­schei­nen, dem der Trou­ba­dour mit der selbst dia­gnos­ti­zier­ten „ver­gif­te­ten Stim­me“in der Klei­nen Frei­heit at­tes­tiert, eben­so „ge­häs­sig“zu sein wie er selbst. Mit den Text­zei­len „Ich bleib noch ein biss­chen im Baum, ihr könnt ru­hig schon mal oh­ne mich ab­hau­en“be­gann Bernd Be­ge­mann den Abend. Als er St­un­den spä­ter auch aus dem ver­meint­lich letz­ten Song gleich noch ei­ne gan­ze Hand­voll mach­te, wa­ren trotz­dem die meis­ten ge­blie­ben.

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