„Os­na­brück“in deut­scher Fas­sung

Hélène Ci­xous stellt Über­set­zung ih­res Bu­ches bei Le­sung im Frie­dens­saal vor

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Kultur Regional - Hélène Ci­xous: Os­na­brück, Pas­sa­gen Ver­lag, 200 Sei­ten

Von An­ne Rei­nert

Die Er­kennt­nis klingt über­ra­schend: „Os­na­brück ist ein fran­zö­si­sches Wort.“Was die fast 80-jäh­ri­ge Hélène Ci­xous da wie­der­gibt, ist ih­re kind­li­che Per­spek­ti­ve auf den Stadt­na­men. Ge­hört hat sie den ihr da­mals un­be­kann­ten Be­griff aus dem Mund ih­rer Mut­ter, die in Os­na­brück zur Welt kam und mit 19 Jah­ren vor den Na­zis aus Deutsch­land flie­hen muss­te. Zeit­le­bens ver­spür­te Ci­xous’ Mut­ter ei­ne Sehn­sucht nach ih­rer Ge­burts­stadt.

Die Ver­bin­dung von Hélène Ci­xous und Os­na­brück mag über­ra­schen. Die Fran­zö­sin ist in ih­rem Hei­mat­land ei­ne be­kann­te Schrift­stel­le­rin und gilt als Vor­den­ke­rin des Fe­mi­nis­mus. Sie wur­de 1937 im al­ge­ri­schen Oran ge­bo­ren und kam Mit­te der 50er-Jah­re nach Frank­reich, wo sie ein Zen­trum für fe­mi­nis­ti­sche Leh­re grün­de­te.

In ih­ren Schrif­ten be­fasst Ci­xous sich oft mit ih­ren Wur­zeln. War das zu­nächst ih­re al­ge­ri­sche Her­kunft vä­ter­li­cher­seits, wid­me­te sie sich 1999 zum ers­ten Mal der Bio­gra­fie ih­rer Mut­ter. „Os­na­brück“nann­te sie das Buch.

18 Jah­re spä­ter ist es mit fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung der Boh­nen­kamp-Stif­tung ins Deut­sche über­setzt wor­den. Hélène Ci­xous stell­te die deut­sche Fas­sung mit Über­set­ze­rin Es­t­her von der Os­ten und Ro­ma­nis­tik­pro­fes­so­rin Andrea Grewe von der Uni­ver­si­tät Os­na­brück im Frie­dens­saal des Rat­hau­ses vor.

Ci­xous und von der Os­ten la­sen aus dem Buch, das die vie­len Fa­cet­ten von Eva Ci­xous, der Mut­ter, er­kun­det – die Au­to­rin auf Fran­zö­sisch, die Über­set­ze­rin auf Deutsch. Im Ge­spräch mit Grewe er­zähl­te Hélène Ci­xous von die­ser Ge­schich­te. Und das auf ih­re un­nach­ahm­li­che, poe­ti­sche Wei­se, in der sie die Din­ge um­kreist und in ein über­ra­schend neu­es Licht setzt.

Ih­ren kur­zen Auf­ent­halt hat Ci­xous ge­nutzt, um un­ter an­de­rem den Ni­ko­lai­ort zu be­su­chen, wo ih­re Groß­mut­ter 1882 ge­bo­ren wur­de. Sie sei viel­leicht das ers­te jü­di­sche Ba­by ge­we­sen, das in Os­na­brück ge­bo­ren wur­de, so Hélène Ci­xous. Denn bis 1880 durf­ten Ju­den die Stadt nur mit ei­ner Er­laub­nis durch­que­ren. Die äl­te­ren Ge­schwis­ter der Groß­mut­ter wa­ren noch im han­no­ver­schen Raum zur Welt ge­kom­men.

Auch in an­de­ren Tex­ten hat Ci­xous sich li­te­ra­risch mit Os­na­brück be­schäf­tigt, auch nach ih­rem Be­such in der Frie­dens­stadt vor zwei Jah­ren. Und es könn­te wie­der pas­sie­ren, wie sie an­deu­tet. Das Pu­bli­kum im voll be­setz­ten Frie­dens­saal könn­te da­bei zu Fi­gu­ren in ei­nem Buch wer­den, sag­te sie.

In ih­rem Buch „Os­na­brück“er­zählt Hélène Ci­xous die Le­bens­ge­schich­te ih­rer Mut­ter, die in Os­na­brück zur Welt kam. Foto: Par­ton

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