In­ten­si­ve und bild­ge­wal­ti­ge Ro­man­ver­fil­mung

Fan­ta­sy-Aben­teu­er „Sie­ben Mi­nu­ten nach Mit­ter­nacht“

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Film -

Von Frank Jür­gens

OS­NA­BRÜCK. Was für ein Alb­traum. Die Er­de bebt, Höl­len­schlün­de tun sich auf. Der jun­ge Co­nor (Le­wis MacDou­gall) ver­sucht noch, die Hand sei­ner über dem Ab­grund bau­meln­den Mut­ter fest­zu­hal­ten. Doch dann ent­glei­tet sie ihm.

Der Alb­traum sym­bo­li­siert Co­nors rea­le Ver­lust­ängs­te. Sei­ne Mut­ter ist ster­bens­krank. Hoff­nung auf Ret­tung ist nur der letz­te Stroh­halm, an den er sich klam­mert. Da nimmt plötz­lich um sie­ben Mi­nu­ten nach Mit­ter­nacht der ge­wal­ti­ge Baum in sei­ner Nach­bar­schaft ei­ne mons­trö­se mensch­li­che Gestalt an. Drei Ge­schich­ten wol­le er Co­nor er­zäh­len. Da­nach sei der Jun­ge mit sei­ner Ge­schich­te an der Rei­he – ei­ner ver­dräng­ten Wahr­heit, der er sich end­lich stel­len müs­se, um Er­lö­sung zu fin­den.

„A Mons­ter Calls“, so der Ori­gi­nal­ti­tel, ist oh­ne je­de Über­trei­bung ein klei­nes Meis­ter­werk. Vi­su­ell über­rascht der gleich­nis­haf­te Film von Re­gis­seur Juan An­to­nio Bayo­na mit ei­ner ge­lun­ge­nen

Mi­schung aus sur­rea­lem Ex­pres­sio­nis­mus und bei­na­he schon schmerz­haft nüch­ter­nen Bil­dern, die Co­nors Per­spek­ti­ve sei­ner schwe­ren Le­bens­pha­se zwi­schen Schul­ty­ran­nen, ster­ben­der Mut­ter und ei­ner sich be­droh­lich ver­än­dern­den Le­bens­wirk­lich­keit be­schrei­ben. Das Dreh­buch und die Ro­man­vor­la­ge da­zu stam­men von Patrick Ness – nach ei­ner Idee der 47-jäh­ri­gen ver­stor­be­nen Schrift­stel­le­rin Si­ob­han Dowd.

Als größ­te Über­ra­schung er­weist sich Nach­wuchs­dar­stel­ler MacDou­gall, des­sen in­ten­si­ves Spiel schlicht­weg

über­wäl­tigt. Wie er die kom­plett aus dem Lot ge­ra­te­ne Ge­fühls­welt sei­ner Fi­gur zwi­schen Wut und Ver­zweif­lung, Hoff­nung und Re­si­gna­ti­on bis zur schmerz­haf­ten Er­lö­sung meis­tert, ist er­staun­lich. Tra­gisch: kurz vor Be­ginn der Dreh­ar­bei­ten ver­starb MacDou­galls Mut­ter nach lan­ger Krank­heit.

„Sie­ben Mi­nu­ten nach Mit­ter­nacht“. GB/E/Ka­na­da/USA 2017. R: Juan An­to­nio Bayo­na. D: Le­wis MacDou­gall, Si­gour­ney Wea­ver, Fe­li­ci­ty Jo­nes, To­by Keb­bell. Lauf­zeit: 109 Min., ab 12. Ci­ne­ma-Ar­thouse.

Ein Fest für die Sin­ne mit un­ge­wöhn­li­chen Prot­ago­nis­ten: „Sie­ben Mi­nu­ten nach Mit­ter­nacht“. Foto: Stu­dio­ca­nal

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