Ein Job wie je­der an­de­re?

Tech­ni­sche Be­ru­fe bei der Bun­des­wehr

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Jobwelt - Tech­ni­ker und IT-Spe­zia­lis­ten zum Ein­satz.

Lan­des­ver­tei­di­gung, Aus­lands­ein­sät­ze, Lo­gis­tik und War­tung: So groß wie die Auf­ga­ben der Bun­des­wehr ist auch ihr Per­so­nal­be­darf. Be­son­ders be­gehrt sind zur­zeit IT-Fach­kräf­te und Tech­ni­ker – ger­ne auch oh­ne Di­enst­grad und Uni­form.

Von To­bi­as Han­raths

BERLIN/KÖLN. „Mach, was wirk­lich zählt!“: Mit sol­chen Sprü­chen macht die Bun­des­wehr seit ei­ni­ger Zeit auf Be­rufs­mög­lich­kei­ten bei Heer, Ma­ri­ne und Luft­waf­fe auf­merk­sam. Seit der Ab­schaf­fung der Wehr­pflicht kommt der Nach­wuchs schließ­lich nicht mehr au­to­ma­tisch. Die Bun­des­wehr muss nun wie je­der an­de­re Ar­beit­ge­ber um Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter wer­ben.

Doch ist die Bun­des­wehr tat­säch­lich ein ganz nor­ma­ler Ar­beit­ge­ber? Zu­min­dest be­steht sie längst nicht nur aus Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten. Von de­nen gibt es zwar je­de Men­ge: Rund 170 000 sind zur­zeit in In- und Aus­land tä­tig – von der Ma­ri­ne bis zum Sa­ni­täts­dienst. Da­zu kom­men aber noch 88 000 zi­vi­le An­ge­stell­te. Sie ar­bei­ten vor al­lem in der so­ge­nann­ten Wehr­tech­nik und in der Ver­wal­tung.

Die Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten in Zi­vil und in Uni­form sind viel­sei­tig: Sie rei­chen vom Fach­an­ge­stell­ten für Bä­der-Be­trie­be über den Gärt­ner bis zum Kran­ken­pfle­ger. Das zeigt ein klei­ner Streif­zug auf der On­li­ne­sei­te der Bun­des­wehr. Be­son­ders häu­fig ver­tre­ten sind tech­ni­sche Be­ru­fe – wie An­la­genoder In­dus­trie­me­cha­ni­ker, Mecha­tro­ni­ker oder Elek­tro­ni­ker.

Die Wer­be­kam­pa­gne stellt Jobs der In­for­ma­ti­ons­tech­nik in den Mit­tel­punkt: „Deutsch­lands Frei­heit wird auch im Cy­ber­raum ver­tei­digt“- zum Bei­spiel von so­ge­nann­ten IT-Sol­da­ten oder zi­vi­len IT-Sys­te­m­elek­tro­ni­kern. Ha­cken für die Lan­des­ver­tei­di­gung? Im Prin­zip schon. „Die Bun­des­wehr braucht Ha­cker be­zie­hungs­wei­se IT-Spe­zia­lis­ten, um sich in der Cy­ber-Do­mä­ne rich­tig auf­zu­stel­len“, sagt Sven Her­pig von der Stif­tung Neue Ver­ant­wor­tung, Think Tank für die Ge­sell­schaft im tech­no­lo­gi­schen Wan­del. Di­rek­ter for­mu­liert: Krie­ge könn­ten künf­tig auch in Da­ten­net­zen statt­fin­den.

Ha­cker­an­grif­fe ab­weh­ren

Ganz neu ist das für die Bun­des­wehr nicht. „Die de­fen­si­ven Ka­pa­zi­tä­ten da­für hat­te die Bun­des­wehr schon im­mer“, sagt Her­pig. Ein Hub­schrau­ber oder ei­ne Fre­gat­te et­wa be­ste­hen heu­te aus vie­len Com­pu­ter- und Elek­tro­nik­sys­te­men. Die­se müs­sen ge­war­tet und ge­schützt wer­den. Ge­ra­de wer­den die­se Ka­pa­zi­tä­ten zen­tral in der Ein­heit „Cy­ber- und In­for­ma­ti­ons­raum“(CIR) zu­sam­men­ge­führt. Zu­nächst Auch beim Luft­waf­fen­füh­rungs­kom­man­do sol­len dort 13 500 Sol­da­ten Ha­cker­an­grif­fe al­ler Art ab­weh­ren.

„In der Zu­kunft ist es denk­bar, dass die­se de­fen­si­ven Fä­hig­kei­ten über den Schutz ei­ge­ner Sys­te­me hin­aus­ge­hen wer­den“, er­klärt Her­pig dass die Bun­des­wehr im Ernst­fall et­wa ein­ge­setzt wird, um kri­ti­sche In­fra­struk­tur wie Kraft­wer­ke zu schüt­zen. Noch sei un­ge­klärt, ob die­se Auf­ga­be eher zi­vi­le Or­ga­ni­sa­tio­nen über­neh­men.

Und un­klar sei auch, ob die Bun­des­wehr da­für das Per­so­nal fin­det. Schließ­lich macht der Fach­kräf­te­man­gel der IT-Bran­che auch hier nicht halt: Rund 1800 zi­vi­le und mi­li­tä­ri­sche Jobs für IT-Spe­zia­lis­ten sind laut Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um zur­zeit nicht be­setzt. Bei der Su­che nach den bes­ten Fach­kräf­ten ha­be die Bun­des­wehr viel Kon­kur­renz, er­klärt Her­pig: „Ich kann mir gut vor­stel­len, dass sie da ver­schie­de­ne Aus­bil­dungs­und Re­kru­tie­rungs­mo­del­le aus­pro­biert.“

Wie im Un­ter­neh­men

Da­zu ge­hört zum Bei­spiel ein Mas­ter-Stu­di­en­gang für Cy­ber-Sicherheit an der Bun­des­wehr-Uni­ver­si­tät in Mün­chen. An Bun­des­wehr-Unis kann in der Re­gel nur stu­die­ren, wer ein Abi oder Fach­abi mit­bringt und sich min­des­tens für 13 Jah­re als Sol­da­tin oder Sol­dat ver­pflich­tet. Wer ei­ne Aus­bil­dung als Sol­dat ma­chen will und bis­lang noch kei­nen Be­rufs­ab­schluss hat, muss sich min­des­tens 9 Jah­re ver­pflich­ten.

Die zi­vi­le Aus­bil­dung funk­tio­niert da­ge­gen wie in ei­nem Un­ter­neh­men. In­ter­es­sen­ten kön­nen sich „bei der Bun­des­wehr ganz nor­mal be­wer­ben“, er­klärt ein Spre­cher der Bun­des­wehr in Köln. Auch der Ablauf – mit Pra­xis­pha­sen und Be­rufs­schul­be­su­chen – ist wie in der Wirt­schaft. „Bei der zi­vi­len Aus­bil­dung gibt es for­mell kei­ne Un­ter­schie­de zur Aus­bil­dung an­ders­wo. Sie schrau­ben als Ge­rä­te­me­cha­ni­ker viel­leicht an Hub­schrau­bern her­um, die es im zi­vi­len Le­ben nicht gibt“, so der Bun­des­wehr-Spre­cher. Ar­beits­zei­ten, Aus­bil­dungs­dau­er und auch die Ab­schluss­prü­fung sei­en an­sons­ten gleich. Es ist al­so kein Pro­blem, sich mit dem Ab­schluss von der Bun­des­wehr an­ders­wo zu be­wer­ben.

Die Be­zah­lung rich­tet sich nach den gän­gi­gen Ta­rif­ver­trä­gen Tech­ni­ker braucht die Bun­des­wehr bei­spiels­wei­se zur War­tung von Hub­schrau­bern und an­de­ren Fahr­zeu­gen. im öf­fent­li­chen Di­enst. Ge­nau hier könn­te für die Bun­des­wehr ein Pro­blem bei der Su­che nach den bes­ten IT-Fach­kräf­ten lie­gen, sagt Her­pig. Denn wer ei­nen Ba­che­lor in In­for­ma­tik hat, be­kom­me in der frei­en Wirt­schaft ver­mut­lich deut­lich lu­kra­ti­ve­re An­ge­bo­te.

Fürs Geld al­lein geht al­so ver­mut­lich nie­mand zur Bun­des­wehr – schon gar nicht als Zi­vi­list. Viel­leicht zielt die ak­tu­el­le Wer­be­kam­pa­gne des­halb auf an­de­re Wer­te ab – auf „das, was wirk­lich zählt“.

Kri­tik an Wer­bung

An der Form der Wer­bung gibt es aber auch viel Kri­tik, zum Bei­spiel von der Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW). Sie be­klagt, dass sich die Bun­des­wehr ge­zielt auch an Schü­ler und Schul­ab­gän­ger un­ter 18 Jah­ren rich­te. Ein wei­tes Pro­blem sei der In­halt: „Die Wer­be­kam­pa­gne der Bun­des­wehr er­weckt den Ein­druck, dass es da um ein ka­me­rad­schaft­li­ches Ad­ven­ture-Camp geht“, sagt Il­ka Hoff­mann, Lei­te­rin des Vor­stands­be­reichs Schu­le bei der GEW. An­de­re Aspek­te des Be­rufs­fel­des wür­den da­bei aus­ge­blen­det. „Für uns ist die Bun­des­wehr kein Job wie je­der an­de­re – son­dern ein Job, in dem es eben auch um Krieg, Tod und Ster­ben geht.“

der Bun­des­wehr kom­men Foto: De­cas­tro/Bun­des­wehr

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