Die un­be­kann­ten Sei­ten des Fritz Wolf

Aus­stel­lungs­vor­be­rei­tun­gen zum 100. Ge­burts­tag des gro­ßen Os­na­brü­cker Ka­ri­ka­tu­ris­ten lau­fen an – Hof­fen auf Mit­hil­fe

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Sonderseite Fritz Wolf -

„Ich bin ein Os­na­brü­cker!“Der Mann, der dies 1999 nach ei­nem hal­ben Jahr­hun­dert als Bür­ger der Ha­se­stadt von sich sag­te, war der da­mals frisch ge­kür­te Grün­kohl­kö­nig des Ver­kehrs­ver­eins Os­na­brück: der Ka­ri­ka­tu­rist Fritz Wolf.

Von Her­mann Qu­ecken­stedt

Der ge­bür­ti­ge Müh­lei­mer hat­te zu die­ser Zeit nicht nur die Po­li­tik, Wirt­schaft und Ge­sell­schaft der al­ten Bun­des­re­pu­blik mit spit­zer Fe­der aufs Korn ge­nom­men, son­dern zu­dem die klei­nen Schwä­chen und Un­zu­läng­lich­kei­ten der Men­schen sei­ner neu­en Hei­mat lie­be­voll be­glei­tet.

Für die Neue Os­na­brü­cker Zei­tung, die in die­sem Jahr ihr 50-jäh­ri­ges Be­ste­hen fei­ert, bil­de­ten die Wolf’ schen Ka­ri­ka­tu­ren ein prä­gen­des Stil­ele­ment. Mit sei­nen „Bil­dern aus der Pro­vinz“für die Zeit­schrif­ten „stern“und „bri­git­te“bau­te sich Wolf zu­dem ei­ne über­re­gio­na­le Fan­ge­mein­de auf.

Gro­ße Fan­ge­mein­de

„Fritz Wolf liebt die Pro­vinz, denn er lebt gern in Os­na­brück. Er könn­te in Mün­chen, Berlin oder Hamburg woh­nen – sei­ne Ge­schich­ten, die er er­zählt, wür­den nicht viel an­ders sein: Pro­vinz ist über­all“, schrieb Wolfs Ge­gen­über beim „stern“, Er­hard Kort­mann. Und so sind es denn vor al­lem die­se „Ste­no­gram­me un­se­rer Schwä­chen“, die den Wolf’ schen Ka­ri­ka­tu­ren ei­nen fast zeit­lo­sen Cha­rak­ter ge­ben.

Am 7. Mai wä­re Fritz Wolf 99 Jah­re alt ge­wor­den. Zum 100. Ge­burts­tag ih­res Na­mens­pa­trons be­rei­ten die Fritz Wolf-Stif­tung (die von der Stadt Os­na­brück, der Uni­ver­si­tät Os­na­brück und der Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung ge­tra­gen wird) so­wie die Fritz Wolf - Ge­sell­schaft mit Un­ter­stüt­zung des Ver­kehrs­ver­eins Os­na­brück ein at­trak­ti­ves Ju­bi­lä­ums­pro­gramm vor, in des­sen Mit­tel­punkt un­ter dem Ar­beits­ti­tel „Fritz Wolf und Os­na­brück“die viel­fäl­ti­gen Be­zie­hun­gen und Ver­net­zun­gen des Ka­ri­ka­tu­ris­ten in sei­ner Wahl­hei­mat ste­hen wer­den. Da­bei sol­len vor al­lem je­ne Wer­ke ge­wür­digt wer­den, die die­ser et­wa für den Kir­chen­bo­ten, über den VfL oder zu be­son­de­ren An­läs­sen von Ver­ei­nen, Freun­den und Be­kann­ten zu Pa­pier ge­bracht hat. „Ol­le use“pfleg­ten nicht nur die Os­na­brü­cker Lai­schaf­ten bei ih­ren Sch­nat­gän­gen an den Grenz­stei­nen ih­rer Mar­ken aus­zu­ru­fen, son­dern die­ser al­te Aus­spruch war der Na­me von Fritz Wolfs Lieb­lings­knei­pe und taucht wie­der­holt in sei­nen Zeich­nun­gen auf. Fritz Wolf kam im Ju­li 1949 nach Os­na­brück, wo er zu ei­ner fes­ten Grö­ße wur­de. Von sei­ner Kunst wie sei­nem Kön­nen über­zeugt, bat ihn man­cher Ein­hei­mi­sche um ein Blatt zu be­son­de­rem An­lass.

Da­zu ge­hör­te auch der jun­ge Set­zer Fer­di­nand Gös­mann in der Dru­cke­rei Fromm, der als „Sturm­schar­füh­rer“der ka­tho­li­schen Ju­gend um ei­ne Zeichnung für ei­ne Wohl­tä­tig­keits­ak­ti­on nach­such­te. Selbst­ver­ständ­lich er­füll­te Fritz Wolf die­sen Wunsch, wie hek­to­gra­fier­te Flug­blät­ter be­le­gen. Fast täg­lich lie­fer­te er bald sei­ne zeich­ne­ri­schen Kom­men­ta­re zu­nächst bei den Re­dak­teu­ren der Neu­en Ta­ges­post und seit 1967 bei der Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung ab. Wie das Le­ben und der Zeit­geist so spie­len: Nach er­folg­ter Zei­tungs­pro­duk­ti­on lan­de­ten die Ka­ri­ka­tu­ren oft im Pa­pier­korb. Gleich­wohl lässt sich im Zei­tungs­ar­chiv der Neu­en OZ das Schaf­fen des Ka­ri­ka­tu­ris­ten lü­cken­los ver­fol­gen – ge­druckt ist ge­druckt... Weil Lieb­ha­ber der Wolf’ schen Ka­ri­ka­tu­ren die­se Ori­gi­na­le teil­wei­se aus den Pa­pier­kör­ben ret­te­ten, ha­ben ei­ni­ge sei­ner frü­hen Ar­bei­ten der 1950er- und 1960er-Jah­re über­dau­ert. Da­mals druck­te die Neue Ta­ges­post ne­ben po­li­ti­schen Bild­kom­men­ta­ren je­den Sams­tag un­ter dem Ti­tel „Klei­ne Os­na­brü­cker Wo­chen­schau“ei­ne Ka­ri­ka­tur, mit der Fritz Wolf zu­meist die städ­ti­sche Po­li­tik auf die Schip­pe nahm.

Ori­gi­na­le im Pa­pier­korb

Für ein Ju­bi­lä­um des von Wolf hoch­ge­schätz­ten TuS Nah­ne steu­er­te er sei­ne Ge­dan­ken zum Sport­be­trieb als Ka­ri­ka­tu­ren bei: vier von ih­nen er­warb Api Nie­mann, der da­ma­li­ge Vor­sit­zen­de der be­nach­bar­ten SV Ra­sen­sport. Fritz und Edith Wolf wohn­ten auf des­sen ehe­ma­li­gem Grund und Bo­den an der Frank­fur­ter Heer­stra­ße, so­dass es per­sön­li­che Be­zü­ge zum ehe­ma­li­gen Nah­ner Rats­herrn gab. Und der hält sei­ne da­ma­li­gen Er­run­gen­schaf­ten bis heu­te in ho­hen Eh­ren. Auch für sei­nen Nach­barn Carl-Fried­rich Thie­le und des­sen Kin­der griff Fritz Wolf wie­der­holt zur Zei­chen­fe­der. Wer sich über die Wolf’ sche Sicht auf Ärz­te und ihr Wir­ken in­for­mie­ren möch­te, kann dies in der Pra­xis des heu­ti­gen FDP-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den im Rat der Stadt Os­na­brück, Tho­mas Thie­le, tun.

Bei den le­gen­dä­ren Teu­to­nen-Ten­nis-Tur­nie­ren zum Jah­res­an­fang hat Fritz Wolf nicht nur selbst den Ten­nis­schlä­ger ge­schwun­gen, son­dern sehr freie In­ter­pre­ta­tio­nen der Ten­nis­lei­den­schaft un­se­rer Alt­vor­de­ren zu Pa­pier ge­bracht. Der heu­ti­ge Tur­ni­er­or­ga­ni­sa­tor und ExVfLer Sigi Mül­ler hü­tet die ge­druck­ten Er­geb­nis­se wie ei­nen Schatz und führt dar­über hin­aus heu­te als Schatz­meis­ter die Kas­se der Frit­zWolf-Ge­sell­schaft.

Als Kon­rad Roh­ling, der Vor­sit­zen­de des För­der­ver­eins für die Aus­gra­bun­gen zur Va­rus­schlacht, sei­nen Be­kann­ten Fritz Wolf 1994 um ei­nen far­ben­fro­hen Kom­men­tar zum The­ma bat, stell­te die­ser das Her­manns­denk­mal auf rol­len­de Baum­stäm­me und ver­setz­te es von Det­mold nach Kal­k­rie­se.

Eben­so köst­lich wie tref­fend sind die Kom­men­ta­re der stau­nen­den Zu­schau­er, für die Her­mann eben doch „ei­ner von uns“bleibt.

Zur Kür als Grün­kohl­kö­nig lie­fer­te Wolf we­ni­ge Jah­re spä­ter kei­ne hu­mo­ris­ti­sche Re­de, son­dern als bis­lang ein­zi­ger Wahl­mon­arch hu­mor­vol­le Bil­der – die so­dann in ge­druck­ter Form als Buch all­ge­mein zu­gäng­lich wa­ren.

Wid­mung für ei­nen ge­schätz­ten Os­na­brü­cker Sport­funk­tio­när: Ka­ri­ka­tur für Api Nie­mann, den Vor­sit­zen­den des SV Ra­sen­sport. Fritz Wolf si­gnier­te ei­ne

Pri­va­tes Er­in­ne­rungs­stück für den Ober­bür­ger­meis­ter: Beim Ju­bi­lä­um 350 Jah­re West­fä­li­scher Frie­den zieht Hans-Jür­gen Fip sei­ne Frau Chris­ta der spa­ni­schen, nie­der­län­di­schen und dä­ni­schen Kö­ni­gin vor.

Zu­falls­fund im Os­na­brü­cker Bis­tums­ar­chiv: Joa­chim Herr­mann ent­deck­te in ei­ner Ak­te das von Fritz Wolf ge­stal­te­te Pla­kat zum Diö­ze­san-Jun­gen­tag 1952 in An­kum.

Ge­mein­sa­mer Start im Os­na­brü­cker Neu­bau­ge­biet Edith Wolf be­grü­ßen die Nach­bars­fa­mi­lie Thie­le. Frank­fur­ter Heer­stra­ße: Fritz und Re­pro­duk­tio­nen (5): Fritz Wolf-Ge­sell­schaft

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