Je­ho­vas Zeu­gen – Die „Wacht­turm“-Ge­sell­schaft

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Im Leben -

Die Zeu­gen Je­ho­vas gin­gen aus der „In­ter­na­tio­na­len Ver­ei­ni­gung Erns­ter Bi­bel­for­scher“her­vor, die En­de des 19. Jahr­hun­derts in den USA von Charles Ta­ze Rus­sell ge­grün­det wor­den war. 1931 be­nann­ten sich die Bi­bel­for­scher in Je­ho­vas Zeu­gen um. Nach ei­ge­nen An­ga­ben sol­len 166 262 Per­so­nen in Deutsch­land zu der Glau­bens­ge­mein­schaft ge­hö­ren. In Schles­wig-Hol­stein soll es 5488 „Ver­kün­di­ger“ge­ben, 75 Ver­samm­lun­gen (Ge­mein­den) und 45 Kö­nig­reichs­saal­ge­bäu­de. Be­kannt sind sie für stren­ge mis­sio­na­ri­sche Tä­tig­keit, die sie auch mit­hil­fe der bei­den Pu­bli­ka­tio­nen „Wacht­turm“und „Er­wa­chet“ver­brei­ten.

Für Je­ho­vas Zeu­gen ist ihr Glau­be un­trenn­bar mit sei­ner Ver­kün­di­gung ver­bun­den. Ei­ne rein pas­si­ve Zu­ge­hö­rig­keit zur Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft gibt es da­her nicht. Et­wa 20 St­un­den ak­ti­ve Ge­mein­de­ar­beit muss je­des Mit­glied mo­nat­lich er­brin­gen. Die Ge­mein­den wer­den Ver­samm­lun­gen ge­nannt und von ei­ner „Äl­tes­ten­schaft“ge­lei­tet und ver­tre­ten. Die „Äl­tes­ten“wer­den vom Zweig­bü­ro er­nannt. Das Zweig­bü­ro kann zur Un­ter­stüt­zung der Äl­tes­ten­schaft so­ge­nann­te „Di­enst­amt­ge­hil­fen“er­nen­nen. Die Zu­sam­men­künf­te fin­den meist in ei­ge­nen Ver­samm­lungs­stät­ten statt, die Kö­nig­reichs­saal ge­nannt wer­den. Je­ho­vas Zeu­gen leh­nen je­de Art des „Ge­brauchs von Blut“als Nah­rungs­mit­tel- oder als Me­di­ka­men­ten­zu­satz und seit 1944 auch als Blut­trans­fu­si­on ab. Ärz­te müs­sen die Ab­leh­nung ei­ner Blut­trans­fu­si­on durch ei­nen voll­jäh­ri­gen Zeu­gen Je­ho­vas ak­zep­tie­ren. Die Fra­ge, ob den Zeu­gen Je­ho­vas an­ge­hö­ren­de El­tern Blut­trans­fu­sio­nen für ih­re min­der­jäh­ri­gen Kin­der ab­leh­nen dür­fen, war ins­be­son­de­re im Fal­le le­bens­be­droh­li­cher Krank­heits­ver­läu­fe mehr­fach Ge­gen­stand von Ge­richts­ur­tei­len. In­zwi­schen hat sich in Deutsch­land ei­ne stän­di­ge Recht­spre­chung da­hin ge­hend her­aus­ge­bil­det, dass in sol­chen Fäl­len das Kin­des­wohl vor­geht. Fei­er­ta­ge wie Weih­nach­ten, Os­tern, Ge­burts­tag oder Fa­sching wer­den nicht be­gan­gen. Die Ehe wird als hei­lig an­ge­se­hen. Schei­dun­gen sind nur in­fol­ge von Ehe­bruch er­laubt. Der Mann ist das Ober­haupt der Fa­mi­lie. Vo­rehe­li­cher Ge­schlechts­ver­kehr, Po­ly­ga­mie, das Zu­sam­men­le­ben oh­ne Trau­schein und die Aus­übung von ho­mo­se­xu­el­len Hand­lun­gen gel­ten als Sün­den. Von Ehe­schlie­ßun­gen mit Per­so­nen, die kei­ne Zeu­gen Je­ho­vas sind, wird ab­ge­ra­ten. Frau­en ha­ben kei­ne lei­ten­den Po­si­tio­nen. Die Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on wird als „Ge­mein­schafts­ent­zug“be­zeich­net. Den an­de­ren Mit­glie­dern sind so­zia­le Kon­tak­te mit dem Aus­ge­schlos­se­nen nicht mehr ge­stat­tet.

„Good­bye, Je­ho­va! Wie ich die be­kann­tes­te Sek­te der Welt ver­ließ“

von Mi­sha Anouk, 544 Sei­ten, Ro­wohlt, 9,99 Eu­ro. ISBN: 9783499628917

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