Streit am Gar­ten­zaun

Manch­mal mar­kiert der Gar­ten­zaun nicht nur die Grund­stücks­gren­ze, son­dern auch ei­ne Streit­li­nie. Mit­un­ter tra­gen Nach­barn dort laut­star­ke Wort­ge­fech­te aus. Da­mit es nicht so weit kommt, soll­ten Nach­barn wis­sen, wo recht­li­che und per­sön­li­che Gren­zen lie­gen

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Im Gespräch -

Von Sa­bi­ne Meu­ter

dpa/tmn BERLIN/FRANK­FURT/MAIN. Auf dem ei­ge­nen oder ge­mie­te­ten Grund­stück ist längst nicht al­les er­laubt, was ei­nem in den Sinn kommt. Wer sich an be­stimm­te Re­geln nicht hält, ris­kiert Är­ger mit den Nach­barn. Dann soll­te man zu­nächst ver­su­chen, ge­mein­sam ei­ne Lö­sung zu fin­den. Denn recht­li­che Schrit­te kön­nen auf­grund ho­her An­walts­und Ge­richts­ge­büh­ren ei­ne Kos­ten­la­wi­ne nach sich zie­hen. Die Lö­sung des ei­gent­li­chen Pro­blems kann un­ter Um­stän­den lan­ge dau­ern. Was ist al­so er­laubt, und wann über­schrei­tet man Gren­zen?

Streit­punkt 1 – Vi­deo­ka­me­ra: Um mög­li­chen Ein­bre­chern auf die Spur zu kom­men, dür­fen Haus­ei­gen­tü­mer das ei­ge­ne Grund­stück per Vi­deo­ka­me­ra über­wa­chen. Auf das Nach­bar­grund­stück dür­fen sie die Ka­me­ra aber nicht aus­rich­ten. „Das wä­re ein Ver­stoß ge­gen das Recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung des Nach­barn“, sagt Bea­te Heil­mann, Mit­glied im Ge­schäfts­füh­ren­den Aus­schuss der Ar­beits­ge­mein­schaft Mietrecht und Im­mo­bi­li­en im Deut­schen An­walt­ver­ein (DAV).

Zu­dem liegt ein Ver­stoß ge­gen das Recht am ei­ge­nen Bild vor, wenn je­mand oh­ne sei­ne Ein­wil­li­gung mit ei­ner Ka­me­ra ge­filmt wird. „Um zu be­wei­sen, dass die Ka­me­ra un­zu­läs­sig aus­ge­rich­tet ist, soll­te dies mit Fo­tos do­ku­men­tiert wer­den“, rät Ju­lia Wa­gner von Haus & Grund Deutsch­land. Re­agiert der Nach­bar nicht auf die Bit­te, die Ka­me­ra an­ders ein­zu­stel­len, kann man ge­gen ihn ju­ris­tisch vor­ge­hen. Denn straf­recht­lich gilt: Neh­men Per­so­nen in ei­ner ge­schütz­ten Rä­um­lich­keit - wie im Ba­de­zim­mer - un­be­fugt Bil­der auf, droht ih­nen ei­ne Frei­heits­stra­fe von bis zu zwei Jah­ren oder ei­ne Geld­stra­fe ins­be­son­de­re, wenn sie die Auf­nah­men un­be­fugt an Drit­te wei­ter­lei­ten.

Streit­punkt 2 – Äs­te ra­gen über den Zaun:

Hän­gen die Äs­te ei­nes Obst­baums über den Gar­ten­zaun, dür­fen Nach­barn die Früch­te nicht pflü­cken. Fal­len sie hin­ge­gen in den ei­ge­nen Gar­ten, darf man sie auf­he­ben und es­sen. Die­ser Grund­satz ist im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch ver­an­kert (BGB; Pa­ra­graf 911). „Obst ab­tren­nen oder den Baum schüt­teln, da­mit die Früch­te ab­fal­len, darf der Nach­bar aber nicht“, stellt Rolf Jan­ßen vom Mie­ter­schutz­ver­ein Frank­furt klar.

Wenn her­über­hän­gen­de Äs­te stö­ren, kann man den Nach­barn auf­for­dern, sie zu­rück­zu­schnei­den. Da­für muss man ihm ei­ne Frist set­zen. Ver­streicht die­se und ist die Nut­zung des ei­ge­nen Grund­stücks durch die her­über­hän­gen­den Äs­te stark be­ein­träch­tigt, darf man selbst tä­tig wer­den. Die Baum­tei­le kann man dann bis zur Zaungren­ze ab­schnei­den. Wäh­rend der Wachs­tums­zeit darf man kei­nen Rück­schnitt ver­lan­gen, be­tont Wa­gner. In

die­ser Zeit kann die Frist nicht ver­strei­chen.

Streit­punkt 3 – Lärm in

der Mit­tags­zeit: An­ders als die Nacht­ru­he, die von 22 bis 6 Uhr gilt, ist die Mit­tags­ru­he ge­setz­lich nicht ge­re­gelt. Doch die Ge­mein­de, der Miet­ver­trag oder die Haus­ord­nung kann ei­ne Mit­tags­ru­he fest­set­zen. „Dann gilt sie zu­meist in der Zeit zwi­schen 13 und 15 Uhr“, er­klärt Rechts­an­wäl­tin Heil­mann. In die­ser Zeit dür­fen we­der Ra­sen­mä­her noch an­de­re tech­ni­sche Ge­rä­te lau­fen. Das ist ge­setz­lich in der so­ge­nann­ten Ge­rä­te- und Ma­schi­nen­lärm­schutz­ver­ord­nung ge­re­gelt, er­klärt Wa­gner. Auch Ra­di­os dür­fen dann nur so laut ge­stellt wer­den, dass der Nach­bar „nicht über­mä­ßig ge­stört wird“, mahnt Jan­ßen. Das be­deu­tet Zim­mer­laut­stär­ke – wäh­rend der Ru­he­zei­ten. Streit­punkt 4 – Grill­abend mit Freun­den: Gar­ten­par­tys mit Mu­sik und Grill ge­hö­ren für man­che zum Som­mer da­zu. Sie sind grund­sätz­lich zu­läs­sig. Ab 22Uhr muss man den Ge­räusch­pe­gel aber stark sen­ken oder die Par­ty in die In­nen­räu­me ver­le­gen. Ei­ne Anzeige soll­te der letz­te Aus­weg sein. „Bei ei­nem schwe­ren Ver­stoß ge­gen die Ru­he­stö­rung kann ein Buß­geld von bis zu 5000 Eu­ro fäl­lig wer­den“, sagt Wa­gner.

Streit­punkt 5 – Tie­re im Nach­bar­gar­ten:

Qua­ken­de Frö­sche kön­nen die Nacht­ru­he emp­find­lich stö­ren – al­ler­dings: „Das Ge­qua­ke muss hin­ge­nom­men wer­den“, er­klärt Jan­ßen. Denn Frö­sche ste­hen un­ter Na­tur­schutz – auch wenn sie im künst­lich an­ge­leg­ten Gar­ten­teich le­ben. „Nur bei über­mä­ßi­gen Lärm­be­läs­ti­gun­gen kann die Na­tur­schutz­be­hör­de an­ord­nen, dass der Teich tro­cken­ge­legt wird be­zie­hungs­wei­se die Frö­sche ent­fernt wer­den“, so Jan­ßen.

Be­tritt ei­ne Kat­ze das an­gren­zen­de Grund­stück, müs­sen Nach­barn dies dul­den, ent­schied das Land­ge­richt Augs­burg. Kat­zen wer­den na­tur­ge­mäß nicht ein­ge­sperrt, sie be­we­gen sich über Zäu­ne hin­weg. An­de­re Nach­bar­tie­re wie Hun­de oder Ha­sen muss man da­ge­gen auf dem ei­ge­nen Grund­stück nicht dul­den, so Wa­gner.

Wenn zwei sich wort­los ge­gen­über­ste­hen, ist schon viel ver­lo­ren. Da­mit es erst gar nicht zum Streit am Gar­ten­zaun kommt, soll­ten Nach­barn recht­li­che und per­sön­li­che Gren­zen ken­nen. Foto: Jens Schie­ren­beck

Hängt der Ast ei­nes Ap­fel­bau­mes über den Gar­ten­zaun, dür­fen Nach­barn die Früch­te nicht ein­fach pflü­cken. Foto: Patrick See­ger

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