Kla­re Mehr­heit für Ma­cron

Ju­bel um Frank­reichs neu­en Prä­si­den­ten – Le Pen räumt Nie­der­la­ge ein

Neue Osnabrucker Zeitung - Lotte, Westerkappeln, Mettingen, Tecklenburg - - Vorderseite -

Eu­ro­pa at­met auf. Mit Em­ma­nu­el Ma­cron wird ein Pro-Eu­ro­pä­er mäch­tigs­ter Mann im Nach­bar­land. Der Jung­star steht un­ter rie­si­gem Er­war­tungs­druck. Be­reits im Ju­ni steht das nächs­te Du­ell mit den Rechts­po­pu­lis­ten an.

PARIS. Die Fran­zo­sen ha­ben den links­li­be­ra­len Senk­recht­star­ter Em­ma­nu­el Ma­cron zum Staats­chef ge­wählt und da­mit der Rechts­po­pu­lis­tin Ma­ri­ne Le Pen ei­ne Ab­fuhr er­teilt. Der 39-jäh­ri­ge Eu­ro­pa­freund wird jüngs­ter fran­zö­si­scher Prä­si­dent al­ler Zei­ten.

Der Mit­te-links-Po­li­ti­ker setz­te sich laut Hoch­rech­nun­gen in der Stich­wahl mit et­wa 66 Pro­zent der Stim­men ge­gen Le Pen durch. Die Front-Na­tio­nal-An­füh­re­rin kam nur auf et­wa 34 Pro­zent. Das teil­ten die Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tu­te Ip­sos und Kant­ar-So­f­res mit.

Ip­sos schätz­te die Wahl­be­tei­li­gung auf 74,3 Pro­zent, das war deut­lich we­ni­ger als in der ers­ten Wahl­run­de vor zwei Wo­chen ( 77,8 Pro­zent).

Die Ab­stim­mung war in ganz Eu­ro­pa mit gro­ßer Span­nung und Ner­vo­si­tät ver­folgt wor­den. Die 48-jäh­ri­ge Le Pen hat­te im Wahl­kampf ein Re­fe­ren­dum über die EU-Mit­glied­schaft ver­spro­chen und für ein En­de der Ge­mein­schafts­wäh­rung Eu­ro als nor­ma­les Zah­lungs­mit­tel ge­wor­ben. Das hät­te die Uni­on ins Mark tref­fen kön­nen.

Ma­cron be­zeich­ne­te sei­nen Sieg als neu­es Ka­pi­tel in der Ge­schich­te Frank­reichs. Es wer­de ei­ne neue Sei­te auf­ge­schla­gen, „die der Hoff­nung und des wie­der­ge­fun­de­nen Ver­trau­ens“, sag­te er der fran­zö­si­schen Nach­rich­ten­agen­tur AFP. Der schei­den­de Amts­in­ha­ber François Hol­lan­de gra­tu­lier­te sei­nem de­si­gnier­ten Nach­fol­ger und wünsch­te ihm viel Er­folg. Tau­sen­de Ma­cron-An­hän­ger ju­bel­ten im In­nen­hof des Lou­vre-Mu­se­ums in Paris.

Le Pen räum­te am Abend ih­re Nie­der­la­ge ein. Sie be­zeich­ne­te ihr Er­geb­nis je­doch als his­to­risch. Elf Mil­lio­nen

Fran­zo­sen hät­ten sie ge­wählt. In der ers­ten Wahl­run­de wa­ren es 7,7 Mil­lio­nen ge­we­sen. Le Pen ließ durch­bli­cken, dass sie ih­re rechts­ex­tre­me Par­tei Front Na­tio­nal (FN) im Ju­ni in die Par­la­ments­wah­len füh­ren wer­de.

Der frü­he­re Wirt­schafts­mi­nis­ter und In­vest­ment­ban­ker Ma­cron steht für ei­nen klar eu­ro­pa­freund­li­chen Kurs und tritt für ei­ne en­ge Part­ner­schaft Frank­reichs

mit Deutsch­land ein. Er soll spä­tes­tens am 14. Mai die Amts­ge­schäf­te von Hol­lan­de über­neh­men.

Ma­cron will die Wirt­schaft des Lan­des wett­be­werbs­fä­hi­ger ma­chen, da­mit das Land sich in der Glo­ba­li­sie­rung bes­ser be­haup­ten kann. Da­zu wird er ei­ne Mehr­heit in der Na­tio­nal­ver­samm­lung brau­chen, die am 11. und 18. Ju­ni ge­wählt wird. Bis­her hat sei­ne Be­we­gung „En Mar­che!“

über­haupt kei­ne Ab­ge­ord­ne­ten. Oh­ne ei­ge­ne Mehr­heit in der Na­tio­nal­ver­samm­lung wä­re Ma­cron ge­zwun­gen, ei­ne Re­gie­rung zu er­nen­nen, der auch Po­li­ti­ker ei­nes an­de­ren po­li­ti­schen La­gers an­ge­hö­ren. Ei­ne der­ar­ti­ge „Ko­ha­bi­ta­ti­on“gab es zu­letzt von 1997 bis 2002 mit dem Kon­ser­va­ti­ven Jac­ques Chi­rac als Prä­si­den­ten und dem So­zia­lis­ten Lio­nel Jo­s­pin als Pre­mier­mi­nis­ter.

Freut sich über sei­nen Sieg: Em­ma­nu­el Ma­cron am Abend vor dem Lou­vre in Paris. Fo­to: AFP

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